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Krefeld
Bandoneon tanzt mit der Geige

Krefeld. Das Quintett Fracanapa eröffnete hoch emotional das 12. Bandoneon-Festival. Von Mojo Mendiola

Der lang ersehnte Startschuss für das zwölfte Bandoneon Festival in Krefeld fiel im großen Saal der Fabrik Heeder, und das Quintett "Fracanapa" erinnerte mit einem tollen Konzert an den großen Astor Piazzolla, den Vater des Tango Nuevo.

Natürlich stand das Bandoneon im Mittelpunkt des Interesses, und Matías González erwies sich als vielversprechender junger Künstler in einer großen Tradition. Fracanapa sind aber kein Begleitquartett mit Star-Bandeonist, sondern eine Gruppe von fünf hochkarätigen Individuen, die sich in der Führung abwechseln und allen Wert auf das Ensemble-Spiel legen. Und dabei pflegen sie auch jene kammermusikalische Besetzung, in der sich Piazzolla selbst stets besonders wohl gefühlt hatte.

So spielte auch Susanne Hofmann auf der Violine oft die erste Stimme, und die Dialoge zwischen Geige und Bandoneon wirkten oftmals wie die Interaktion eines harmonisch tanzenden Paares. Federico Diaz hatte seine Halbresonanzgitarre auf einen dezenten und weichen Sound eingestellt, gab in seiner Virtuosität sozusagen einen Wes Montgomery des Tango Nuevo und beteiligte sich ebenfalls häufig an Ballwechseln in Sachen Lead. Am Piano wirkte Pablo Woizinski und kam besonders schön zur Geltung, als er die Komposition "Adios Nonino", die Piazzolla seinem gerade verstorbenen Vater gewidmet hatte, mit einem ausführlichen Vorspann einleitete. Außerdem unterstrichen seine Beiträge prächtig die Einflüsse, die Piazzolla aus der europäischen Moderne auf sich hatte wirken lassen. Und auch Winfried Holzenkamp am Kontrabass offenbarte in seinem Spiel eine pfiffige Persönlichkeit. Besonders sein expressiv gestrichener Bass in "Kicho" begeisterte.

Ein weiterer herausragender Titel im insgesamt hochklassigen Repertoire war die emotionale, ja aufgeregte Fuge "La muerte del ángel", die sich ohne Scheu mit vielen anderen, ihrerseits hochkarätigen Interpretationen des Stücks messen konnte. Und zwischen all den Piazzollas glänzte ein Stück von Edgardo Donato, gewidmet dem Gitarristen Horacio Salgan. All dies melodisch und rhythmisch abwechslungsreich arrangiert, handwerklich tadellos vorgetragen und mit gehöriger Glut interpretiert. Das Publikum trampelte mit den Füßen, und eine Zugabe, so stürmisch wie der Schlussapplaus, war nicht genug.

Quelle: RP
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