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Krefeld
Bauforscher entdeckten in Krefeld Pläne von Mies van der Rohe

Krefeld: Bauforscher entdeckten in Krefeld Pläne von Mies van der Rohe
Das ist die frisch sanierte Fassade der alten Färberei mit den typischen Sheddächern. Von den elf Hallen mit Sheddächern auf dem Areal stammen neun von Mies van der Rohe, dem berühmten Bauhaus-Architekten. Das belegen Originalpläne, die im Museum of Modern Art in New York lagern. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Internationale Aufmerksamkeit bekommen derzeit die Restaurierungsarbeiten im Businesspark Mies van der Rohe an der Girmesgath. Wissenschaftler begleiten die Aktivitäten, Filmkünstler setzten die Ergebnisse ins Licht und Fachleute stellen die Ergebnisse von vier weiteren Bauhaus-Objekten aus den USA und Tschechien aus. Von Norbert Stirken

Es ist eine Horrornachricht für jeden wirtschaftlich denkenden Bauherrn: Stillstand, weil Behörden erst ausgiebig über die Beschaffenheit des Putzes diskutieren wollen. Wolf Reinhard Leendertz kennt solche Momente. Der Eigentümer der früheren Verseidag-Firmengebäude (Vereinigte Seidenwebereien AG) an der Girmesgath, die der berühmte Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe geplant hat, stellte gestern weitere Fortschritte der Restaurierungsarbeiten und weitere Aktivitäten auf dem Areal vor.

Anlass ist nicht nur die Fertigstellung der Fassade an den ersten vier Sheds der Färberei, sondern auch das internationale Interesse für den Businesspark Mies van der Rohe. Im April wird das Krefelder Bauhaus-Objekt neben der Villa Tugendhat aus Brünn und weiteren aus den USA als einziges deutsches in einer Ausstellung im niederländischen Heerlen präsentiert. Danach wandern die Exponate ins Ludwig Museum nach Aachen. Dabei wird ein Film gezeigt, der in dieser Woche in Krefeld von Künstlern aus Paris und Zürich gedreht wird. "Das wird eine Art Collage mit Überblendungen", sagt Daniel Lohmann. Der Forscher von der RWTH Aachen hat den Industriebau Mies van der Rohes vor gut zwei Jahren an der Seite von Professor Norbert Hanenberg in den Fokus historischer Bauforschung genommen. Dafür sind die beiden Dozenten sogar in die USA gereist, um im Archiv des Museums of Modern Art (Moma) die Originalpläne des berühmten Architekten einzusehen. "Wir haben zahlreiche Briefe gelesen, in denen van der Rohe mit dem Leiter der Verseidag-Bauabteilung, Erich Holthoff, korrespondiert hat, um Details zu klären", berichtet Lohmann. Es gebe hinsichtlich der Urheberschaft der Gebäude auf dem Areal "keine wirklichen Fragen". Von den elf Hallen mit Sheddächern stammen neun von Mies van der Rohe, sagt Hanenberg.

Für den zweiten Bauabschnitt des Kesselhauses soll auch Mies selbst Hand an die Pläne gelegt haben. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Eher zufällig entdeckten sie weitere Originalpläne des Bauhaus-Stars. Vergessen in einem verstaubten Abstellraum, fanden sie einen Planschrank mit vielen Skizzen, Entwürfen und Bauunterlagen. Darunter der Van-der-Rohe-Plan für einen Verbindungstrakt vom sogenannten HE-Gebäude zu den Flores-Hallen. Der Bau existiert heute nicht mehr.

Unübersehbar existent ist das riesige Kesselhaus mit einem 70 Meter hohen Schornstein an der heutigen Zufahrt zum Gelände. "Es gibt Hinweise, dass Mies an die Pläne zum zweiten Bauabschnitt selbst Hand angelegt hat", berichtet Hanenberg. Es gebe einige Indizien.

Norbert Hanenberg (l.) und Daniel Lohmann von der RWTH Aachen forschen zu Mies van der Rohe. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Unabhängig davon, wem die Urheberschaft letztlich zuzuschreiben sein wird, hat Leendertz für die Nutzung der bis zu 16 Meter hohen Halle auf 1000 Quadratmetern Grundfläche konkrete Vorstellungen. Mit in seine Überlegungen fließen auch die Flächen im früheren Kohlenkeller mit rund vier Meter hohen Decken und Tageslicht durch die früheren Einfüllschächte ein. Bis 2019 - dem Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen von Bauhaus - soll das Kesselhaus als Eventhalle, Kletterpark oder Fitnesscenter genutzt werden. "Wir könnten dort noch Emporen einziehen und mehrere Nutzungen möglich machen", berichtete Leendertz.

Zurück zur Putzfassade an den Hallen mit Sheddächern: Forscher, Eigentümer und Denkmalpfleger von Stadt und Land diskutierten ausgiebig darüber, wie tief der Putz Richtung Erde reichen und wie er beschaffen sein sollte. Materialproben vom Originalputz auf der Gebäuderückseite und ein Gutachten halfen ebenso weiter, wie die Offenlegung eines einzigen über die Jahrzehnte verborgenen Meters im Originalzustand. Bislang hat Leendertz rund zehn Millionen Euro in die Restaurierung investiert.

Ausschnitt eines alten Planes: Der Stempel vom Atelier Mies van der Rohe ist noch lesbar. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Quelle: RP
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