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Krefeld
Bayer-Chef bei Talk-Show "Zug um Zug"

Krefeld: Bayer-Chef bei Talk-Show "Zug um Zug"
Auf Werner Baumann als Talk-Gast war Nordbahnhof-Hausherr Viktor Furth (r.) ganz besonders stolz. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. In der beliebten Talk-Runde "Zug um Zug" am Samstagabend im Nordbahnhof entlockten WDR-Redakteur Michael Heussen und der FDP-Politiker Otto Fricke - beide Krefelder - weiteren echten Seidenstädtern und solchen, die es noch werden könnten, wie sie wurden, was sie sind. Zu Gast waren neben Werner Baumann die Olympiasiegerin Lisa Schmidla mit Christoph Lüke, Katia Baudin, Christoph Borgmann und Ansgar Heveling. Von Otmar Sprothen

Locker mit Cordhose und Flanellhemd gekleidet, trat Werner Baumann vor das Publikum. Der Bäckersohn von der Prinz-Ferdinand-Straße ist heute Chef über weltweit knapp 120.000 Bayer-Mitarbeiter. Als Kind, so erzählte er dem hoch interessierten Publikum, hatte er im väterlichen Betrieb mit anpacken müssen, und als Student fuhr er Medikamente aus. "Hier waren die Trinkgelder höher als beim Ausfahren von Brötchen", berichtete der vierfache Familienvater.

Als die Kinder noch klein waren, wohnte er in Krefeld trotz des entfernten Kölner Arbeitsplatzes, damit die Kinder die Nähe der Großeltern und seiner Geschwister erfuhren. Sich selbst beschreibt der Bayer-Chef als eher zurückhaltend. Ein Golf GTI der ersten Serie in Schwarz-Metallic beweist seine Schwäche für ältere Autos. Einmal im Jahr spielt er beim CHTC ein Tennisturnier mit. "Dabei bin ich allerdings ein sicherer Punktelieferant für die gegnerische Mannschaft", bemerkte er schelmisch lächelnd.

Der neue Bayer-Chef wollte erst Steuerberater und Wirtschaftsprüfer werden, landete dann aber bei Bayer. Für den Chemiegiganten war er in verschiedenen Funktionen in Barcelona und den USA tätig. Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt im Mai dieses Jahres machte der 53-Jährige seine Übernahmeofferte für den wegen seines gentechnisch veränderten Saatguts in Europa kritisch betrachteten amerikanischen Konzern Monsanto bekannt. Den monatelangen öffentlichen Übernahmepoker hat er gewonnen. Knapp 67 Milliarden Dollar kostet Bayer die Übernahme.

"Bayer war immer im Agrarsektor tätig, in einigen Saatgutbereichen sind wir Weltmarktführer, daneben besitzen wir eine 100-jährige Erfahrung im Pharma- und Chemiebereich. Sicher gehen wir ein Risiko ein, aber im Pflanzendschutz können wir uns weiterentwickeln. Wir verteidigen diese Entscheidung, weil wir die richtigen Argumente haben", erklärte der Bayer-Che auf entsprechende Fragen von Heussen und Fricke. Er plädiert nachhaltig für eine sachliche Diskussion. Und zum Thema Glyphosat sagte er, diese Chemikalie sei das am besten erforschte Pflanzenschutzmittel der Welt, schränkte aber ein: "Wir wollen nichts verkaufen, was in der Gesellschaft nicht akzeptiert wird."

Nach der musikalischen Eröffnung durch das Trio "D'Accord" hatte Nordbahnhof-Hausherr Viktor Furth den beliebten Krefeld-Talk in Eisenbahner-Outfit angepfiffen, bevor Heussen und Fricke die einzige Krefelder Goldmedaillengewinnerin für Deutschland bei den Olympischen Spielen von Rio, Lisa Schmidla, zusammen mit Christoph Lüke, dem Vorsitzenden ihres Sportvereins Crefelder Ruder-Club, begrüßten. Schmidla schilderte noch einmal den packenden Endlauf gegen die Boote der Polinnen und Niederländerinnen und zeigte den Gästen im voll besetzten Nordbahnhof ihre Goldmedaille, die sie als Zwischenstufe für die nächste Olympiade in Tokio betrachtet.

Krefelds einzige Goldmedaillen-Gewinnerin für Deutschland bei den Spielen von Rio, Lisa Schmidla, und ihr Sportvereinsvorsitzender Christoph Lüke, befragt von Otto Fricke. FOTO: T. Lammertz

Die neue Krefelder Museumschefin Katia Baudin offenbarte, dass das auf den neuesten Stand modernisierte Kaiser-Wilhelm-Museum einen Anschaffungsetat von 200.000 Euro habe, so viel wie die Kölner Sammlung Ludwig, bei der sie zuvor als stellvertretende Leiterin gearbeitet habe. Sie sprach sich für die Schließung des Westwalls aus, um im Eingangsbereich des Kaiser -Wilhelm-Museums einen von den erwarteten Besuchern belebten Platz zu erhalten.

Christoph Borgmann, Vorsitzender der Werbegemeinschaft des Krefelder Einzelhandels, widersprach heftig. Etwa 100 tägliche Besucher des Kaiser-Wilhelm-Museums reichten nicht aus, um den Joseph-Beuys-Platz zu beleben. Bei größeren Events des Museums könne man den Westwall auch vorübergehend sperren, meinte der Geschäftsmann.

MdB Ansgar Heveling (CDU) zeigte sich nicht glücklich mit der derzeitigen Teilung der kreisfreien Stadt Krefeld in zwei Wahlkreise. Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages hatte sich vor zwei Jahren in einem Zeitungsartikel dafür ausgesprochen, den Inhalten des Internets eine größere Aufmerksamkeit zu verleihen und dafür einen gewaltigen Shitstorm geerntet. Ein Jahr später war sein Artikel dann Gegenstand des nordrhein-westfälischen Zentralabiturs.

ARD-Chefredakteur Rainald Becker bekannte sich zu einer holprigen Schulzeit am Fabritianum. Der spätere ARD-Terrorismus-Experte machte erst eine Lehre als Kfz-Mechaniker. Diese half ihm, sein späteres Studium zu finanzieren, indem er die Autos seiner Kommilitonen reparierte.

Den Erlös der Talk-Veranstaltung "Zug um Zug" führt die Familie Furth traditionell einem sozialen Zweck zu. 2000 Euro gingen diesmal an "Denti-Mobil", das Obdachlosen-Mobil der Krefelder Caritas.

Quelle: RP
 
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