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Krefeld
Bayer-Kasino: Die Zeichen stehen auf Abriss des Industriedenkmals

Krefeld: Bayer-Kasino: Die Zeichen stehen auf Abriss des Industriedenkmals
Der aus Krefeld stammende Architekt Helmut Hentrich hat das Bayer-Kasino geplant, das 1961 eröffnet wurde und heute für ein Stück Sozialgeschichte steht - strenge Trennung von Führungskräften und Arbeitern. FOTO: Bastian Königs
Krefeld. Die Stadt soll dem Gericht bis zum 9. November ein Gutachten vorlegen, in dem die Zumutbarkeit des Erhalts des Denkmals Bayer-Kasino für den Eigentümer geprüft wurde. Dann entscheidet das Gericht. Von Norbert Stirken

Die Zukunft des denkmalwerten Bayer-Kasinos hängt maßgeblich vom Ergebnis eines Gutachtens ab, das ein Sachverständiger im Auftrag der Stadt erstellen soll. Die Kommune hat bis Montag, 9. November, Zeit, es beim Verwaltungsgericht in Düsseldorf einzureichen. Der Experte soll genau prüfen, ob das im Jahr 1961 eröffnete Kasino im Chempark als Denkmal wirtschaftlich zu betreiben ist. "Ob wir die vom Gericht gesetzte Frist einhalten können, ist noch nicht abzusehen", erklärte Planungsdezernent Martin Linne in der Sitzung des Bauausschusses im Krefelder Rathaus.

Mit einem Antrag auf Fristverlängerung stoße die Stadt bei Bayer und Currenta als Betreiber des Chemparks in Uerdingen sicherlich auf wenig Gegenliebe, mutmaßte der Beigeordnete. Bayer Real Estate als Eigentümer - jetzt Covestro First Real Estate GmbH - hat nach Aufnahme des Kasinos in die Denkmalliste argumentiert, dass sich die am Rheinufer gelegene gläserne Immobilie nicht wirtschaftlich betreiben lasse, und es keine sinnvolle Verwendung für das Gebäude gebe. Sie stellte einen Abrissantrag, den die Stadt mit Hinweis auf den Denkmalschutz ablehnte. Gegen die Entscheidung, eine Abrissgenehmigung zu verweigern, suchte Bayer den Weg vors Verwaltungsgericht. "Dort ist die Streitsache immer noch anhängig", berichtete Linne. Denkmalschutz sei eine "absolutes Recht", das sich einer politischen Abwägung "leider" entziehe, entgegnete der Beigeordnete dem Ratsherrn Jürgen Hengst (SPD). Der Uerdinger Bezirksvorsteher drängte darauf, eine Stellungnahme der Stadt Krefeld im Gerichtsverfahren vor der Weitergabe zu diskutieren.

Anlass für das neue Gutachten, so Linne, sei eine notwendige Präzisierung der Voraussetzungen, unten denen die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs des Bayer-Kasinos zu betrachten sei. Der Gutachter soll die Zumutbarkeit des Erhalts prüfen.

Im Klartext: Das Bauwerk befindet sich im so genannten Außenbereich innerhalb einer Störfallzone nach der Seveso-II-Störfall-Richtlinie. "Dort sind nur chemparkspezifische Nutzungen möglich. Alles andere wie Kultur, Hotel, Restaurant ist ausgeschlossen", präzisiert Linne die Rahmenbedingungen. Ferner lieg das Kasino genau an der Stelle, an der der Chempark in Zukunft gerne einen zweiten Anleger für Rheinschiffe errichten möchte. Auch wenn Linne es nicht aussprach, bedeuten seine Ausführungen soviel wie, eine wirtschaftliche und sinnvolle Nutzung lasse sich fürs leer stehende Bayer-Kasino kaum finden. Damit dürfte der Weg für den Eigentümer frei sein, das Gebäude trotz seines Denkmalwerts abreißen zu dürfen. Allerdings kann ihm aufgetragen werden, vor dem Abriss eine aussagefähige Dokumentation von dem Denkmal erstellen zu müssen.

Für Hengst hat der Fall Bayer-Kasino eine grundsätzliche Bedeutung. Es gebe vergleichbare Fälle wie am Hafenkopf. Dort stehen alte Magazinhäuser, die auf der Denkmalliste stehen. Eines davon möchte die Hafengesellschaft abreißen, um mehr Platz für das Containerterminal zu bekommen. Grund genug meint Hengst, das Verfahren Bayer-Kasino auch von Seiten der Politik zu begleiten und es nicht nur Sachverständigen und Juristen zu überlassen.

Quelle: RP
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