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Krefeld
Begeisterung über Freiluft-"Freischütz"

Krefeld: Begeisterung über Freiluft-"Freischütz"
Michael Siemon als Max (links) mit Simon Rudoff (Kaspar) in "Der Freischütz": Der Platz rund um den Schwanenbrunnen war mit Menschen gefüllt; der Applaus fiel am Schluss begeistert aus. FOTO: RP-Fotos (2) Thomas Lammertz
Krefeld. Es war eine Premiere: Die "Oper im Taschenformat" auf dem Schwanenmarkt stieß auf viel Zuspruch. Von Heide Oehmen

Bessere Bedingungen als gestern Nachmittag auf dem von der Sonne beschienenen Schwanenmarkt hätten sich die Initiatoren des Projektes "Musik auf Rädern" für ihr Krefelder Debüt kaum wünschen können. Schon eine halbe Stunde vor Beginn waren alle verfügbaren Plätze einschließlich der Brunneneinfassung besetzt, viele Interessenten nahmen auch mit Stehplätzen vorlieb. "Kultur und Zivilisation" ist die im Jahre 1995 von Erich Fischer begründete Stiftung benannt, die bisher bereits 5.600 Konzerte mit klassischer Musik, vornehmlich in Altenheimen, gestaltete und seit 2007 große Oper "im Taschenformat", also in kleiner Besetzung und beschränkt auf die wichtigsten Arien und Ensembles auf die Straße bringt. Der Eintritt ist frei - Spenden sind am Schluss selbstverständlich gerne gesehen.

Der "deutschesten" aller Opern, des "Freischütz" von Carl Maria von Weber, haben sich die Initiatoren in diesem Jahr angenommen, und vielleicht war die Umsetzung ähnlich wie zu Lebzeiten des Komponisten, der bekanntlich mit seinen Eltern theaterspielend durch die Lande zog.

Ein versiertes, klanggesättigtes Streichquartett mit Martin Schminke (1. Violine), Roman Brncic (2. Violine), Alexander Kiss (Viola) und Eglantine Latil (Violoncello) bildete die zuverlässige Grundierung, zwei Sängerinnen und zwei Sänger gestalteten die Hauptpartien, waren Chor und gruselige Geräuschkulisse bei der Wolfsschluchtszene. Denn die bekannte Geschichte vom Jägerburschen Max, den das Jagdglück verlassen hat, was er aber dringend benötigt, um seine Braut Agathe zu ehelichen, und der sich mit dem zwielichtigen, dem Teufel verfallenen Kaspar verbündet, bedarf auch der entsprechenden Gruseleffekte.

Die sehr hübsch gekleideten Protagonisten kamen völlig ohne Dekorationen aus - lediglich ein weinroter Vorhang diente ihnen als Rückzugsmöglichkeit. Ihr Spiel war natürlich, unaufdringlich und äußerst glaubwürdig.

Erstklassiges ist über die gesanglichen Leistungen zu berichten. Romana Noack von der Deutschen Oper am Rhein war eine Agathe mit lyrischem Schmelz, warmgetöntem, in allen Lagen ausgeglichenem Sopran und einnehmendem Spiel. Ihre Base Ännchen hatte in der jugendfrischen Désirée Brodka eine optimale Entsprechung, die mit silbrigem Timbre und leichter Höhe punktete. Brodka, Solistin am Theater Nordhausen, war außerdem die charmante Moderatorin und Leiterin der Aufführung. Michael Siemon, den Krefelder Opernfreunden als einer der Leistungsträger des Ensembles bekannt, überzeugte mit strahlkräftigem, wandlungsfähigem Tenor als zaudernder, zuletzt dank einer glücklichen Fügung glücklicher Max. Die Verschlagenheit und Kälte des Jägerburschen Kaspar wusste Simon Rudoff mit seinem voluminösen Bassbariton und seiner intensiven Gestaltung glaubhaft zu vermitteln. Alle Ensembles gerieten makellos, und selbst beim Brautchor und dem Jägerchor (jeweils nur zu zweit) vermissten die aufmerksamen und beifallsfreudigen Zuhörer keinen wirklichen Chor.

Insgesamt war die Atmosphäre am Schwanenmarkt sehr locker und unbedingt dazu angetan, auch weniger Operninteressierte anzusprechen. Nicht wenige der Vorübergehenden blieben bis zum Schluss und waren offensichtlich angetan. Ein Projekt, das hoffentlich wieder einmal nach Krefeld kommt!

Quelle: RP
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