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Krefeld
Behinderter Junge ist Jubiläums-Schützenkönig

Krefeld: Behinderter Junge ist Jubiläums-Schützenkönig
Schützenkönig Niclas I. und sein Vater Michael Blink freuen sich schon riesig auf das Siedlerfest im Bockumer Feld, bei dem der Junge das Schützensilber tragen wird. Eine Kutsche für den Festumzug ist schon bestellt. FOTO: Strücken
Krefeld. Beim Siedlerfest im Bockumer Feld wird der Zehnjährige Niclas das Schützensilber tragen. Seine Schwester unterstützt ihn in seinem Amt. Von Carolina Thomys und Natalie Sacharow

Stolz trägt der zehnjährige Niclas Bink die Königskette des Kinderschützenkönigs der Siedlergemeinschaft Bockumer Feld. Seine Brust streckt er dabei leicht nach vorne, während er im Garten hin und her geht. Das ist Niclas Art, zu zeigen, dass er sich freut. Der Junge mit Behinderung kann nämlich nicht sprechen, sondern drückt seine Gefühle über seinen Körper und dessen Haltung aus.

Beim traditionellen Kindervogelschießen, das alle fünf Jahre stattfindet, hat Niclas im 75. Jubiläumsjahr den Vogel abgeschossen. Zu seiner Königin ernennt Niclas I. von Lübeck seine siebenjährige Schwester Cylin, die ihn bei seinen Königspflichten unterstützt. "Meine Frau hat zunächst nicht damit gerechnet, doch für mich war von vornherein klar: einer unserer beiden wird es", erzählt der Vater der Kinder, Michael Bink.

Für ihn und seine Frau Klaudia ist die Ernennung ihres behinderten Kindes zum Schützenkönig mehr als nur ein Sieg innerhalb der Nachbarschaft. Denn trotz des starken Rückhalts von Freunden und Familie sowie vieler Nachbarn gibt es auch Stimmen, die die Ernennung eines behinderten Jungen zum Schützenkönig nicht gutheißen. "Das Kind hat das gleiche Recht wie jedes andere", erklärt der Vater. "Für uns vier wird das Fest, das im August stattfindet, sicher sehr emotional. Wir bereiten Niclas und unserer Familie damit eine Erinnerung, die keiner von uns jemals vergessen wird." Er hofft darauf, dass Menschen auf diese Weise einen anderen Blick auf ein behindertes Kind erhalten.

Denn an Förderung und Unterstützung für Behinderte seitens vieler Menschen und der Stadt besteht trotz der Zeit der Integration weiterhin ein Mangel. "Wir würden uns gerade vonseiten der Stadt mehr Unterstützung und Förderungsmöglichkeiten für unser Kind wünschen. Stattdessen erschweren sie uns die Integration unseres Kindes in die Gesellschaft", sagt die Mutter. Ein Freizeitangebot für Kinder mit Behinderung ist kaum bis gar nicht vorhanden. "Selbst wenn, dann stehen wir im Nachteil. Da man als Mensch mit Behinderung zur Minderheit gehört, muss man sich beispielsweise mit den ungünstigen Zeiten für einen Schwimmkurs zufriedengeben." Weiterer Kritikpunkt: die Ferienbetreuung. Die Kosten für Niclas sind fast dreißigmal so hoch wie für Cylin. "Das kann doch nicht richtig sein", meint die Mutter.

Cylin wird beim Siedlerfest die Rede im Namen von Niclas halten. Haus und Straße wurden mit Hilfe der Nachbarn geschmückt. Eine Kutsche für König Niclas und Königin Cylin ist schon bestellt. Die Geschwister, die ein sehr gutes Verhältnis zueinander haben, können es kaum erwarten.

Quelle: RP
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