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Krefeld
Bei Chopin war Pianistin in ihrem Element

Krefeld. Beim ersten Kawai-Konzert der neuen Saison blieb kaum ein Platz im Helmut-Mönkemeyer-Saal der Musikschule Krefeld frei. Philipp Potz, der künstlerische Leiter von Kawai, freute sich über diesen verheißungsvollen Einstieg in das "kleine" Jubiläum, das 25-jährige Bestehen der Konzertreihe. Von Heide Oehmen

Mit der Ukrainerin Dinara Klinton hatten die Organisatoren eine Pianistin verpflichtet, die dank ihres nicht alltäglichen Programms und dank ihrer außerordentlichen Fähigkeiten zu einem gefeierten Auftakt verhalf.

Wie viele ihrer Kollegen begann die in Moskau und am Royal College of Music in London ausgebildete Künstlerin ihr Programm mit zwei Sonaten von Domenico Scarlatti (1685-1757) - zum Einhören für das Publikum und vielleicht auch, um sich auf die folgenden großen Aufgaben vorzubereiten. In der Ersten - K466, f-Moll - arbeitete die Interpretin die lyrische Komponente des eingängigen Stückes gekonnt heraus, während sich in der Zweiten - K455, G-Dur - bereits die technische Brillanz, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Musikerin, zeigte.

Wie würde eine Haydn- oder Mozart-Sonate in Klintons Ausdeutung klingen? Diese Frage stellte sich bei der Wiedergabe der Sonate Nr.28, A-Dur, op.101 von Ludwig van Beethoven. Trotz untadeliger Wiedergabe wirkte das noch der Wiener Klassik zuzurechnende Werk ein wenig matt und glanzlos - so als fehle hier der rechte Zugang zur Musik dieser Zeit. Das änderte sich erst im vierten, reich fugierten Satz dieser Sonate, der differenziert und fesselnd gelang.

Bei Frédéric Chopin war Dinara Klinton ganz in ihrem Element. Das Scherzo Nr.3 cis-Moll, op.39 ließ keine Wünsche offen. Den für dieses Stück typischen jagenden Bewegungen wurde sie mit blendendem technischem Vermögen ebenso gerecht wie den getragenen Akkordfolgen, denen sie üppige Klangpracht schenkte. Dabei geizte sie glücklicherweise weitgehend mit Pedalgebrauch und ebenso mit überflüssigen Armbewegungen. Aus Franz Liszts' "12 Transzendalen Etüden", die die Pianistin unlängst auf CD eingespielt hat, präsentierte sie im Konzert die Nummern 1-4, 6,7,9 und 12. "Unglaublich" war das einhellige Urteil der Zuhörer nach diesem pianistischen Parforceritt.

Die technischen Schwierigkeiten, denen die Interpretin rein gar nichts schuldig blieb, sind so ungeheuerlich, dass man fast Angst um sie haben musste. Doch irgendwann ist der Hörer der beständigen technischen Höchstleistungen überdrüssig und freut sich - vermutlich ebenso wie die Spielerin - über elegische Passagen, die ebenfalls großartig glückten.

Dem großen Jubel folgten - man fasste es kaum - noch zwei ausgedehnte Zugaben der ukrainischen Pianistin.

Quelle: RP
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