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So arbeitet die Krefelder Polizei
Bei vermissten Kindern zählt jede Stunde

So arbeitet die Krefelder Polizei: Bei vermissten Kindern zählt jede Stunde
Wenn ein Kind vermisst wird, verliert die Polizei keine Zeit. FOTO: dpa, fg pzi mg
Krefeld. Eine Fünfjährige verschwand plötzlich auf einem Spielplatz. Die Polizei suchte mit einem Hubschrauber und Hunden. "Bei vermissten Kindern gibt es keinen falschen Alarm", sagt die Polizei. Und: "Jede Stunde zählt." Von Joachim Niessen

Für Eltern ist die Situation ein Albtraum und bei der Polizei sorgt sie für einen Großeinsatz: Ein Kind ist verschwunden. Eine Fünfjährige wird vermisst. Das Mädchen war eben noch auf dem Spielplatz - plötzlich ist es weg. Vor wenigen Tagen wurde dieses Szenario in Krefeld Wirklichkeit. Ein Räderwerk aus Mensch und Technik setzte sich bei der Polizei in Bewegung. In diesem Fall mit Erfolg. Nach rund fünf Stunden kam für alle Beteiligten die erlösende Nachricht: Das Kind ist wieder da. "Bei vermissten Kindern gibt es keinen falschen Alarm", sagt Kriminalhauptkommissarin Karin Kretzer. 

Vermisste oder unbekannte hilflose Personen sind für die Krefelder Polizei nichts Ungewöhnliches. 702 Fälle gab es im vergangenen Jahr - Tendenz steigend. 354 sind es bereits in den ersten sechs Monaten 2016. Die meisten Vermissten sind Jugendliche. In rund 50 Fällen sind die Kinder unter 14 Jahre. Oft verschwinden sie als 12- oder 13-Jährige aus sozialen Einrichtungen und Unterkünften. "In nicht einmal zehn Fällen im Jahr sind Kleinkinder betroffen", so Kretzer.

Wenn so ein Fall - wie jetzt bei dem fünfjährigen Mädchen - eintritt, schrillen im Polizeipräsidium am Nordwall alle Alarmglocken. "Trotzdem läuft gerade dann alles geregelt und strukturiert ab", sagt die Beamtin. Grundsätzlich gilt: Bei vermissten Personen unter 18 Jahren wird die Polizei sofort aktiv. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Die ersten drei Stunden nach Verschwinden eines Kindes sind die wichtigsten, dann sind die Chancen am größten, Spuren zu entdecken und das Kind unbeschadet wieder zu finden. Die Bildung einer "Besonderen Aufbauorganisation" (BAO) ist die Basis. Bis zu zwölf Experten werden dort zusammengezogen, der Polizeiführer koordiniert unter anderem die Fahndungs-, Ermittlungs- oder auch Öffentlichkeitsarbeit. Kretzer: "Alle sind sofort auf 100 Prozent."

Neben allen Sorgen müssen Eltern keine Angst haben, den Polizeieinsatz bezahlen zu müssen. Die Entscheidung, wie gesucht wird, liegt bei der Polizei selbst. "Kostenfragen haben in einer möglicherweise lebensbedrohlichen Situation nichts verloren", versichert die Kriminalhauptkommissarin. Das Wichtigste für die Einsatzkräfte sind Informationen. Hier beginnt ein Spagat: Die Öffentlichkeit wird - auch über das Internet - einerseits dringend zur Mithilfe aufgefordert, andererseits soll die Privatsphäre auch gewahrt bleiben. Eine schwierige Gratwanderung. Hierfür hat die Behörde Experten an den zentralen Schaltstellen.

Sie sind vor Ort bei den verzweifelten Eltern, bei der Suche im unmittelbaren Umfeld oder vor den Hightech-Geräten in den Präsidien, wo zum Beispiel mit spezieller Technik Handysignale geortet und ausgewertet werden. "Diese modernen Geräte, die bereits viele Jüngere haben, erleichtern natürlich die Suche", berichtet Kretzer. Das beginnt beim simplen Anruf und endet bei der Peilung des einzelnen Smartphones. Auch die klassischen Komponenten nach Familie und Freunden, dem Schulweg, Lieblingsorten und Treffpunkten werden abgefragt. Zusätzlich brauchen die Fahnder ein aktuelles Foto sowie Angaben zu Haar- und Augenfarbe, Größe, zur aktuellen Bekleidung oder Besonderheiten wie Ohrringe, Zahnspange, Brille.

Parallel startete bei der Suche nach der kleinen Krefelderin ein Polizeihubschrauber in Duisburg. Und auch mehrere vierbeinige Helfer waren schnell vor Ort: "Mantrailer", wie Personenspürhunde genannt werden, ergänzen die Suche. Sie können verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterscheiden und nicht nur auf Spuren von Fußgängern eingesetzt werden. Selbst die relative Abgeschlossenheit eines fahrenden Autos verhindert nicht, dass Menschen Spuren hinterlassen, die von den Tieren verfolgt werden können.

Übrigens: Auch bei der Suche nach der Fünfjährigen griffen die Maßnahmen der Polizei. Gegen 16 Uhr konnten die Eltern ihre Tochter wieder in die Arme schließen. Sie war beim Spielen mit einer Freundin in einem fremden Garten gelandet und hatte die Zeit vergessen.

Quelle: RP
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