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Krefeld
Bemalte Steine retten Stadtwald-Bootshaus

Krefeld: Bemalte Steine retten Stadtwald-Bootshaus
Frank Jacob Esser, Gerda Schnell, Klaus Reymann und Donkor Adjei mit Rettersteinen vor dem Bootshaus. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Vor drei Jahren drohte dem Fachwerkhaus der Abriss - eine Initiative machte sich für den Erhalt des Boothauses stark. Steine wurden bemalt, Spenden gesammelt. Mit dem Erhalt der Baugenehmigung ist das Ziel der Rettung nahe gerückt. Von Sebastian Peters

Eine gute Nachricht für die Retter des Bootshauses im Stadtwald: Der Umbau des alten Fachwerkhauses ist seit wenigen Tagen durch die Stadtverwaltung genehmigt, die Retter-Initiative kann ihre Pläne, das Fachwerkhaus zu restaurieren, weiterführen. 64 000 Euro sind bereits durch Spenden eingesammelt; unter anderem durch eine Aktion des Künstlers Frank Jacob Esser, der Steine anmalte, die Spender für eine Summe ab 200 Euro erhalten. 50 000 Euro fehlen noch, um das Haus umzugestalten. Dennoch wird schon in der kommenden Woche mit Teil zwei der Rettungsarbeiten begonnen.

Noch im Jahr 2012 drohte das Ende des Bootshauses: Ziegel fielen herunter, das Dach war löchrig. Gerda Schnell, damals noch Ratsfrau für die SPD, monierte dies bei der Stadtverwaltung, die Eigentümerin des Hauses war. Überraschend beantragte die Stadt dann aber im nichtöffentlichen Teil des Denkmalausschusses den Abriss, statt Geld für den Erhalt zu investieren. Obwohl das Haus nicht denkmalwürdig ist, rief Gerda Schnell gemeinsam mit Klaus Reymann von der Krefelder Baudenkmalstiftung eine Retterinitiative ins Leben, der sich bereits viele prominente Krefelder (u. a. Alt-OB Dieter Pützhofen und Bürgerstiftungschef Markus Prehn) angeschlossen haben. Sie sind alle fasziniert von dem Häuschen, vor dem sich Generationen von Krefeldern Tickets für eine Ruderbootstour auf dem Stadtwaldweiher gekauft haben. Künftig werden die Kasse und der Kiosk in das Bootshaus verlagert, der Bretterverschlag vor dem eigentlichen Haus verschwindet, so dass der Blick auf das Fachwerk freigegeben ist.

Einen solcher Steine erhält man als Dank, wenn man 200 Euro oder mehr für die Rettung des Bootshauses im Krefelder Stadtwald spendet. Der Künstler Frank Jacob Esser hat bereits 200 solcher Steine gestaltet. Inspiriert wurde er bei einem Besuch des Pariser Museums Louvre, wo er in der ägyptischen Abteilung Skizzen erstellte. Weitere Zeichnungen auf Steinen sollen folgen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Woher das Bootshaus kommt, und aus welcher Zeit es stammt, ist unklar. Gerda Schnell und Klaus Reymann halten es nach Rücksprache mit dem städtischen Denkmalamt für möglich, dass es früher als Scheune eines Hofs in Traar oder Verberg stand und nach dem Krieg an den Stadtwald verfrachtet wurde. Bis in den Krieg hinein stand an gleicher Stelle schon früher ein Bootshaus; dieses aber, so Klaus Reymann, sei wohl 1945 als Brennholz verwendet worden.

Ein zweiter Abriss wäre aus Sicht von Gerda Schnell ein Frevel gewesen. Sie zeigte sich gestern überglücklich über das Engagement so vieler Krefelder: "Einige haben tausende von Euro gespendet." Teile der Sanierungen sind schon geschehen. Das östliche Dach ist bereits repariert, erste Sicherungsmaßnahmen wurden bereits 2014 durch Feuerwehrleute vorgenommen. Künftig soll auch die westliche Dachseite saniert werden; eine behindertengerechte Toilette entsteht innen ebenso wie ein Raum für den Kiosk. Bisher hatte Betreiber Donkor Adjei, dessen Familie den Bootsverleih seit 1988 betreibt, in seinem Bretterverschlag nur vier Quadratmeter Platz, künftig werden es 15 Quadratmeter sein.

Gerda Schnell lobte gestern auch Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU), mit dem sie sich früher im Rat schon Gefechte geliefert hatte. Nur auf Vermittlung von Kathstede, der die Idee hatte, einen Teil des Bootshauses dem Arbeitskreis Krefelder Frauenverbände (AKF) für die Organisation der "Spiele ohne Ranzen" zur Verfügung zu stellen, hätte die Rettung gelingen können. So sei eine Gemeinnützigkeit des Bootshauses garantiert; die Spender können also eine Spendenquittung erhalten. "Ich bin überwältigt vom Zuspruch", sagt Gerda Schnell, die auch betont: "Dieses Haus kommt allen Krefelder Kindern zugute."

Quelle: RP
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