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Krefeld
Berufsschüler "angetrunken" am Steuer

Krefeld. Die "Don't drink and drive Academy" war zu Gast am Berufskolleg Uerdingen. Von Jochen Lenzen

Gespannt sitzt Berufsschüler Luca auf dem Fahrersitz und schaut konzentriert nach vorn auf die Straße. Da wird sein Blickfeld am Rande unscharf. Das Auto gerät ins Schlingern und verpasst gerade noch einen am Straßenrand geparkten Wagen, ebenso wie den Ball, der plötzlich auf die Straße rollt. Auch das dem Ball hinterherlaufende Mädchen bleibt von einem Unfall noch ganz knapp verschont. Doch dem Sekunden später querenden Reh kann Luca nicht mehr ausweichen, und es kommt zum Crash! Kein Wunder, denn der Berufsschüler fährt mit 0,8 Promille Alkohol im Blut - jedenfalls vermittelt das der Fahrsimulator der "Don't drink and drive (DDAD) Academy", die am Berufskolleg Uerdingen Station gemacht hat.

"Das Uerdinger Kolleg ist mit seinen zahlreichen technischen Ausbildungsberufen der richtige Ort, um Kfz- und technik-affine junge Menschen mit der Botschaft ,Wer fährt, bleibt nüchtern!' zu erreichen", befindet die Agentur, die die unter der Schirmherrschaft von NRW-Verkehrsminister Hermann Gröhe stehenden Einsätze durch die Academy durchführen lässt. Gerade Schüler für techniknahe Berufe könnten Vorbildrollen im Freundeskreis übernehmen und zu glaubwürdigen Multiplikatoren für die Botschaft "Wer fährt, bleibt nüchtern!" werden.

"Es ist unglaublich", sagt Luca, nachdem er ausgestiegen ist. "Das Lenken wird immer schwerer, und Bremsen bringt so gut wie gar nichts." Dafür sorgt der Computer des Fahrsimulators, der so unter anderem vermittelt, dass sich der Bremsweg bei 0,8 Promille wegen der verlängerten Reaktionszeit verdoppelt. Für das plötzliche Auftauchen der Hindernisse sorgt eine der Promoterinnen, wie die Academy ihre Mitarbeiterinnen nennt, ebenfalls per Computer vom Beifahrersitz aus. "Fahren mit Alkohol geht gar nicht", zeigt sich Luca nach dieser Erfahrung überzeugt.

So wie er durchlaufen an diesem Tag fünf Klassen zu je etwa 20 Schülern und Schülerinnen des Berufskollegs diesen Test, der wegen der direkten Vergleichbarkeit übrigens mit einer Nüchternfahrt in dem Simulator beginnt. Zuvor aber wird den jungen Leuten erst einmal ein ordentliches Stück Selbstüberschätzung genommen: Eine Promoterin hält ihnen - nach einer theoretischen Einführung - ein etwa anderthalb Meter langes Lineal vor die Nase, das die Schüler blitzschnell ergreifen sollen, nachdem es die DDAD-Mitarbeiterin plötzlich losgelassen hat. Das Resultat ernüchtert die Probanden sofort - natürlich im übertragenen Sinn.

Die Auswirkung von Alkoholkonsum können auch die "Rauschbrillen" durch Einengung des Gesichtskreises vermitteln. Mit dieser Brille ausgestattet sollen die Schüler durch einen Pylonen-Parcours gehen und sich nach Gegenständen bücken. Manchmal werfen die Promoterinnen ihnen auch etwas zu - mit erwartbarem Ergebnis: Aufgefangen werden die Gegenstände eher selten.

Die Kampagne "Don't drink and drive" der Spitzenverbände aus den Branchen Bier, Wein, Sekt und Spirituosen besteht seit 1993 und ist die älteste fortlaufende Verkehrssicherheitskampagne in Deutschland. Die Initiative beinhaltet neben der Event-Komponente, der "DDAD Academy", den Internetauftritt www.ddad.de und stellt für Gastronomie-Betriebe und Party-Veranstalter die "DDAD Party-Box" zur Verfügung. Mit Plakaten, Barschürzen, Aufklebern und Bierdeckeln wird das Motto "Wer fährt, bleibt nüchtern!" auch in Diskotheken, auf Festen und Konzerten präsent.

Quelle: RP
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