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Krefeld
Berufswunsch "Irgendwas mit Medien"

Krefeld: Berufswunsch "Irgendwas mit Medien"
Praktikum in der Krefelder RP-Redaktion: Marie Huppert (r.)studiert Germanistik sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften im zweiten Semester in Düsseldorf. Nadine Dietrich studiert im zweiten Semester Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. FOTO: T. lammertz
Krefeld. Auf viele Abiturienten übt das Fach Medienwissenschaften Anziehungskraft aus - Eltern pflegen eher skeptisch zu reagieren: Kind, was machst du damit? Unsere Praktikanten Marie Huppert und Nadine Dietrich studieren das Fach - wir schickten sie auf Recherche: Wie sind die Perspektiven in einem Feld, auf dem die Unis mittlerweile mehr als 300 Studiengänge anbieten? Von Marie Huppert und Nadine Dietrich

Der Spruch hat bei alten Hasen Kultcharakter, wenn junge Leute kommen und sagen: Ich will irgendwas mit Medien machen. Dieses "irgendwas" aber ist ein Problem: Die Studienfächer zu diesem Arbeitsfeld sind verführerisch interessant, führen aber nicht automatisch in einen konkreten Beruf: "Der Begriff Medien klingt spannend und aufregend", sagt Petra Jörres, Berufsberaterin beim Arbeitsamt. "Die meisten haben da gar keine konkrete Vorstellung, was sie eigentlich machen wollen." Und so sollte, wer diesen Weg einschlagen will, sich früh überlegen, wie er konkret nach dem Studium in einen Job findet. Falsche Erwartungen sind häufig, weiß Berufsberaterin Jörres zu berichten. "Viele möchten gerne vor der Kamera stehen. Wenn sie dann hören, was das Feld Medien eigentlich umfasst, sind sie schnell desillusioniert." Wer wirklich Fuß im Medienbereich fassen will, dem empfiehlt Jörres auf jeden Fall ein Studium, "aber mit viel Eigeninitiative." Denn ohne Praktika geht nichts.

Medienstudiengänge gibt es jedenfalls genug: über 300, deren Namen von "Kommunikationswissenschaft" bis "Medienwissenschaft" variieren. Das macht es auch für die Studierenden schwer, sich eine genaue Vorstellung von dem Studium zu machen. "Ich bin mit eher niedrigen Erwartungen in das Studium gegangen, weil ich mir nicht viel unter dem Begriff Medien- und Kommunikationswissenschaft vorstellen konnte", erklärt Insa Menzel, Studentin im ersten Semester.

So wie die Namen variieren auch die Studieninhalte stark. Generell wird an Universitäten sehr theoretisch unterrichtet. Institute wie die Medienwissenschaft an der Universität Bochum legen den Fokus vor allem auf die Medienanalyse. Es geht ihnen weniger darum zu vermitteln, wie man einen Artikel schreibt, sondern darum Medien und Strukturen zu verstehen. Andere Studiengänge, wie die Medien- und Kommunikationswissenschaft an der HHU Düsseldorf, beschäftigen sich darüber hinaus auch mit kommunikativen Prozessen in Medien. Projekte oder Praxisseminare gibt es nur wenige, aber der fehlende Praxisbezug hat auch Vorteile: Man ist weniger eingeschränkt in seiner Berufswahl und kann seinen Stundenplan flexibel zusammenstellen. "Das Studium ist schon eher theoretisch. Aber nach dem, was ich gehört hatte, hatte ich mich auf Schlimmeres eingestellt und bin jetzt echt zufrieden", sagt Anna Velken, seit letztem Sommer Studentin an der HHU. Lorena Glatz, Studentin im dritten Semester, sieht das Studium sogar eher als Qualifikation, um Praktikumsplätze und so später auch einen Job zu finden: "Für den Beruf bringt das Studium eigentlich nichts. Da sind Praktika, bei denen man den wirklichen Praxisalltag kennenlernt, viel wichtiger."

Hochschulen wie etwa die Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln sind dahingegen eher praktisch ausgerichtet. "Wir lernen, wie man Artikel schreibt oder mit Technik umgeht", sagt etwa Larissa Rosellen, die dort bereits seit drei Semestern studiert. "Es gibt regelmäßige Schreibaufgaben und manchmal auch größere Projekte wie beispielsweise eine eigene Radio-Show zusammenstellen", erzählt Marisa Rosin, eine Kommilitonin. Tipps erhalten die Studierenden auch von den Dozenten, die selber Journalisten sind. Wegen der praktischen Ausrichtung ist der Stundenplan jedoch vorgegeben. Außerdem fallen bei privaten Instituten bisweilen hohe Studiengebühren an. Viele sind dem reinen Journalismus-Studium jedoch abgeneigt, da man sich dadurch zu sehr auf diesen Bereich festlege.

Für alle anderen, aber auch für Journalismus-Studenten ist es wichtig viele Praktika zu absolvieren - zur Beruforientierung und um Kontakte in die Medienwelt zu bekommen. Darüber sind sich die Studierenden meist im Klaren. "Um später als Fernsehproduzentin arbeiten zu können, halte ich die Kontakte zu meinen ehemaligen Praktika-Stellen aufrecht und arbeite dort auch häufig nebenbei", erzählt Caroline Nixdorff, Studentin im ersten Semester an der HHU.

Auch Ramona Pander, ehemalige Studentin an der HHU, hat durch verschiedene Praktika ihren Wunschberuf gefunden: Sie strebte einen Job in einer PR Agentur an -und den hat sie auch bekommen. Es geht also doch, der Berufseinstieg nach dem Studium. Auch Ulrike Menn, Leitende Redakteurin bei einer Produktionsfirma, schaffte den Berufseinstieg problemlos. Ihr war schon immer klar, dass sie Journalistin werden wollte. Und auch sie setzte auf Kontakte und arbeitete schon während ihres Studiums. Dagegen hat Jonas Israel gemerkt, dass er nicht für den Journalisten-Beruf geeignet ist und entschied sich stattdessen für die Wissenschaft. Das hat den Vorteil, nicht so ungewiss zu sein. Oder man macht es wie Anna Bosch, die zurzeit als Rechtsreferendarin bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf arbeitet. Sie ließ sich hauptsächlich von ihren Interessen leiten, studierte das, worauf sie Lust hatte (Medien- und Kulturwissenschaften und später Jura) und schaffte es sogar, Familie, Studium und ihre Leidenschaft, das Reisen, zu verbinden.

Vielleicht ist also auch das der Schlüssel zum Glück: Einfach genau das tun, worauf man Lust hat, Rückschläge akzeptieren, Umwege zulassen. Irgendwie findet dann jeder seinen Weg.

Quelle: RP
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