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Krefeld
Bibel aus dem Jahr 1622 im Seidenweberhaus zu sehen

Krefeld: Bibel aus dem Jahr 1622 im Seidenweberhaus zu sehen
Darstellung des Evangelisten Markus in der Sachsen-Bibel aus dem Jahr 1622. Links im Bild das Symboltier für Markus, der Löwe. Die Bibel wurde in Wittenberg gedruckt und von der Universität herausgegeben - auch um das sächsische Fürstenhaus zu ehren. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Pünktlich zum Reformationstag sind ab heute im Seidenweberhaus im Rahmen der "Pro-Christ"-Woche historische Bibeln ausgestellt. Die Älteste entstand 1537, eine der prachtvollsten ist von 1622. Von Jens Voss

Leichter Schauder: Diese Bibel verbindet den, der sie in den Händen hält, mit dem Jahr 1622. Noch ahnten die Zeitgenossen nicht, dass sie Zeugen eines großen, blutigen europäischen Massakers werden würden, das als 30-jähriger Krieg ins Geschichtsbuch einging. Wie die Bibel nach Krefeld kam, ist nicht bekannt; bekannt ist nur, dass die Kinder im Hause der Eheleute Margot und Reinhard Feinendegen das Buch auf dem Speicher fanden - arg zerfleddert. Die Eltern erkannten seinen Wert und ließen es restaurieren - es wurde das Geschenk für ihren Sohn zu dessen Promotion in Theologie.

Als es entstand, war der 30-jährige Krieg noch ein böhmisch-pfälzischer, der 1622 zu vier Schlachten führte. Die Protestanten gewannen die Schlacht bei Mingolsheim; in den Schlachten bei Wimpfen und Höchst wurden sie geschlagen; in der Schlacht bei Fleurus trafen protestantische Truppen auf ein spanisches Heer und schafften mit Mühe einen Durchbruch in Richtung Niederlande. Die Einzelheiten sind so verwirrend wie blutig.

Darstellung Friedrichs des Weisen in der Bibel aus dem Jahr 1622 - er unterstützte die Reformation. FOTO: vo

Aus diesem Jahr also stammt die Bibel, die zur Zeit im Seidenweberhaus zu sehen ist und die die Heilige Schrift ebenso ehrte wie das sächsische Herrscherhaus und den Reformator Martin Luther. Dessen zentrale reformatorische Tat - der (historisch umstrittene) Anschlag der 95 Thesen im Jahr 1517 - wurde 1622 als historisches Datum gefeiert. In der Bibel finden sich gereimte Lebensläufe sächsischer Fürsten, darunter die von Friedrich dem Weisen (1463 - 1525), der der Reformation mit den Weg geebnet hat. Über ihn heißt es in der Bibel: "Mein Land ziert Ich mit schön Gebäw/ Und stifft ein hohe Schuel auffs new/ Zu Wittenberg in Sachser Landt/ Die in der Welt ist wolbekandt/ Denn auß derselb kam Gottes Wort/ Und wirckt groß ding an manchmem Ort/ Des Papstes Reich das stürzt es niedr/ Und brachte rechten Glauben widr/ Im funffzehn hundert siebnzehndt Jahr/ Martin Luther erklärt die Lahr."

Selbstbewusst wird die Universität zu Wittenberg als die Hohe Schule benannt, aus der Gottes Wort kam. Friedrich der Weise hat sie 1502 gegründet, Luther hat dort 1512 promoviert. Die Bibel von 1622 war so weit mehr als ein Bibeltext: Sie war über die Einleitungen ein reformatorisches Lehrbuch und über die Biografien der Fürsten eine politische Positionsbestimmung.

Die wohl älteste Bibel in der Ausstellung ist eine Eck-Bibel aus dem Jahr 1537, so genannt nach einer Übersetzung des Theologen Johannes Eck (1486-1543), die als katholisches Gegenprojekt zu Luthers deutscher Bibel gedacht war. 1519 kam es zur berühmten Leipziger Disputation zwischen Eck und Luther - ein Jahr später warb Eck in Rom dafür, den Ketzer-Prozess gegen Luther voranzutreiben. Eck war Gegner der Reformation, warb aber auch für innerkatholische Reformen. Luther sollte ihn später kurz "Dr. Sau" nennen.

Die Trennung der Kirchen war nicht mehr aufzuhalten

Quelle: RP
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