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Krefeld
Bibis und andere Hut-Kreationen

Krefeld: Bibis und andere Hut-Kreationen
Die Modisten bei der Arbeit: Sie zieht einen Strohrohling über die Hutform und bringt ein Umspannband an. Links ein aktuelles, blumiges "Wiesn"-Modell. FOTO: Strücken Lothar
Krefeld. An der Konventstraße in Hüls bietet Modisten-Meisterin Carolin Incorvaia-Pomränke schicke Kopfbedeckungen sowie Antiquitäten und Wohnaccessoires an. Ihr Name ist Teil des bemerkenswerten Lebenslaufs der gebürtigen Krefelderin. Von Jochen Lenzen

Wenn ein Krefelder das Wort "Bibi" hört, muss er grinsen, denn er denkt sofort an einen wenig attraktiven Männerhut. "Minne Vader hät kinne Bibi mehr;/ dä Bibi wo-er uut Löschpapier", heißt es in dem lustigen Liedchen auf Krie-ewelsch Platt. "In Frankreich ist Bibi, das auf der zweiten Silbe betont wird, das Wort für einen eleganten, mal kleinen, mal größeren Aufsteckhut, auch Fascinator genannt, wie ihn beispielsweise die englische Prinzessin Kate gern trägt", erklärt die Hutmacherin - heute sagt man Modistin - Carolin Invcorvaia-Pomränke. Vor zwei Wochen hat sie ihr Geschäft "Hauptsache kostbar" an der Konventstraße eröffnet, wo sie neben Hutkreationen auch Antiquitäten und Wohnaccessoires anbietet.

Ihr Name lässt nicht erahnen, dass die in Wuppertal aufgewachsene und nach einem Jahr in Paris zuletzt lange Jahre in München ansässige Modisten-Meisterin in Krefeld geboren wurde. "Incorvaia ist der Name meines ersten Mannes, eines Sizilianers. Und weil unsere drei Kinder diesen Namen tragen, habe ich ihn beibehalten. Der Name Pomränke kommt aus dem ehemaligen Ostpreußen, wo meine Eltern in Königsberg und Allenstein aufwuchsen, bevor sie nach Deutschland flüchteten und nach Krefeld kamen, wo sie sich kennenlernten und heirateten."

Carolin Incorvaia-Pomränke mit einem schicken schwarzen Feder-Bibi in ihrem Geschäft "Hauptsache kostbar" an der Hülser Konventstraße. FOTO: L. Strücken

Nach dem Abitur stand für die die heute 50-Jährige fest, dass sie nicht studieren wollte. Bei der Suche nach einem Beruf stieß sie auf einen großen Zeitungsbericht über eine Modistin. Das gab den Ausschlag, diesen Beruf zu erlernen, und so zog die junge Frau nach München, um bei der bekannten Modistin Berta Häusler in die Lehre zu gehen. "Anschließend wollte ich unbedingt in die große Modestadt Paris. Dort habe ich ein Jahr lang bei Marie Mercié meine Fertigkeiten vervollkommnet", erzählt Carolin Incorvaia-Pomränke, die danach wieder zurück nach München ging. Dort behütete sie ein Jahr lang die Sängerinnen und Sänger in der Staatsoper, legte 1993 bei Berta Häusler ihre Meisterprüfung ab und machte sich selbstständig. "Zuletzt habe ich in der Maximilianstraße mein Geschäft gemeinsam mit einem Dirndl-Couturier geführt."

Vor einem Jahr kam sie der Liebe wegen nach Hüls, wo sie mit Restaurator Christoph Tölke zusammenlebt. Ihr Geschäft "Hauptsache kostbar" befindet sich in dessen vormaligem Ladenlokal, während die Werkstatt im ehemaligen Konvent liegt, wo sie auch Workshops anbietet. Dort befinden sich auch die rund 200 Hut- und Randformen, mit deren Hilfe sie die Rohlinge aus Filz, Wolle oder Stroh durch Druck und Feuchtigkeit zu wahren Kunstwerken zu Preisen von 180 bis 380 Euro modelliert. "Weil das der kreativste Teil meiner Arbeit ist, macht das Garnieren der Hüte mit Federn, Bändern, Schleiern, Blumen und verschiedenen Stoffen und Filzaccessoires den meisten Spaß", sagt die Hutmacherin. Für diese Schmuckteile fährt sie auch heute noch nach Paris - und auch nach Florenz, wo es ebenfalls eine lange Modisten-Tradition gibt.

Am Samstag, 29. Oktober, können die Kreationen von Carolin Incorvaia-Pomränke bei einer Hut- und Modenschau mit der Goldschmiede Maaßen ab 15 Uhr im Café Haberstroh, Konventstraße 9, bewundert werden. www.hauptsache-kostbar.de

Quelle: RP
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