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Krefeld
Bilder der geheimnisvollen Familie Dehrée

Krefeld: Bilder der geheimnisvollen Familie Dehrée
Lersch mit den Porträts der Familie Dehrée. Pförtner Christian ist der Dritte von links in der vorderen Reihe. Links daneben "Onkel Rudi" in Uniform - dem Bild "Onkel Rudi" von Gerhard Richter nachempfunden. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Martin Lersch zeigt in der Pförtnerloge Malerei mit Geschichte und Anspielungen auf die Kunstgeschichte. Samstag ist Eröffnung. Von Petra Diederichs

Der Ort ist so öffentlich, dass er ein Geheimnis bergen muss: die ehemalige Pförtnerloge der Fabrik Heeder. Von außen ist sie durch große Fenster komplett einsehbar. Das ist optimal, um Kunst zu präsentieren. Deshalb bespielen der BBK (Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler) Niederrhein und das Kulturbüro das verwaiste Dienstzimmer regelmäßig mit Ausstellungen raumbezogener Kunst. Martin Lersch hatte die Loge schon seit geraumer Zeit als Ausstellungsort im Blick. Jetzt zeigt er dort "Die Familie Dehrée" und spielt auf Geheimnisvolles an. Am Samstag, 19 Uhr, ist Vernissage.

Zwölf Familienbilder hat Lersch auf dem Parkettboden in zwei Reihen angeordnet - Porträts wie aus einem Album oder einer Ahnengalerie. Christian Dehrée, der Pförtner, ist der Dritte von links in der vorderen Reihe. "Auf dem Arm hält er seine kleine Tochter Barbara", sagt Lersch. Auch einen Großvater und einen Sohn mit dem Namen Christian gibt es. Einen Adoptivsohn, der mit dunkler Haut in der Riege der Blassen heraussticht. Ein Mädel mit Trotzblick, das sicherlich das Zeug zum Schwarzen Schaf der Sippe hat. Und einen Onkel Rudi in Uniform. "So einen gibt es in jeder Familie", meint der Künstler. Ebenso gebe es überall dunkle Geheimnisse, Abgründe und verborgene Beziehungsgeflechte.

Martin Lersch, 1954 in Mönchengladbach geboren und nach einem Vierteljahrhundert in Frankreich in Goch heimisch geworden, hat an der Hochschule Niederrhein Design studiert und anschließend Illustration an der Folkwangschule Essen. Er ist Zeichner. Er ist Maler. Er ist Geschichtenerzähler. Das steckt ihm als Enkel des Arbeiterdichters Heinrich Lersch in den Genen. Seine Geschichte beginnt so: "Es war einmal ein Pförtner namens Christian Dehrée. Er lebte 17 Jahre lang in der Pförtnerloge der Tapetenfabrik Heeder...... er beobachtete ständig durch die Logenfenster hindurch... hörte so Einiges an der oft offen stehenden Logentür... und er wusste Vielzähliges über die Menschen, die an seiner Loge vorüberzogen." Doch der Pförtner erzählte auch gerne von der eigenen Familie, "so schön, dass so manch einer sich ein Bild von dieser Familie Dehrée machen konnte... und Bilder ...erzählen auch Geschichten... es war einmal..." Deshalb will Lersch auch erst zur Eröffnung der Ausstellung das Familiengeheminis der Dehrées lüften. Er lässt sich nur entlocken: "Es ist eine frei erfundene Familie".

Allerdings eine, die Fantasien in Gang setzt. Denn Lersch, der seit etwa drei Jahren wieder verstärkt malt - in Öl auf 33 mal 66 Zentimeter großes Papier -, spielt in den Bildern Kunstgeschichts-Memory mit dem Betrachter. Lersch ist kundig auf diesem Gebiet, hat mehrere kunsthistorische Publikationen verfasst und gestaltet. Er zitiert die Malstile der großen Meister. Eine Tante erinnert an Picasso, Mutter Dehrée verweist auf Dürer, und Onkel Rudi ist dem gleichnamigen Bild von Gerhard Richter entlehnt. Lersch schickt alle, die durchs Fenster in die Pförtnerloge schauen, auf Spurensuche. Sie entdecken die Haustiere der Familie: einen Papagei und Meerschweinchen. Auch ein Stück vom Wohnzimmer und eine Blumenvase sind zu sehen. "All das spielt eine Rolle", sagt Lersch und hüllt sich wieder in bedeutungsvolles Schweigen.

Wer genau hinsieht, entdeckt im Hintergrund des Pförtnerbildes einen Teil des Wandgemäldes von Fritz Huhnen an der ehemaligen Verseidag. Schon ist man drin im geschickt konzipierten Dehrée-Labyrinth. So will der Maler es: "In den früheren Familiengemälden kann der Kundige an Details erkennen, wer mit wem verbunden ist. Aber die unehelichen Kinder und die Liaisons fallen durchs Raster. Die kann niemand aufdecken. Bei den Patchworkfamilien heute ist das ganz unmöglich, solche Zuordnungen in einem Bild zu machen. Da bräuchte man schon bewegte, endlose Bilder. Aber wenn einer in einem meiner Bilder etwas von seiner Familie entdeckt - das ist ideal."

Eröffnung Samstag, 21. Mai, 19 Uhr, Fabrik Heeder, Virchowstraße 130. Zu sehen bis 3. Juli (Finissage).

Quelle: RP
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