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Krefeld
Blindenführhund Lui sucht Helfer

Krefeld: Blindenführhund Lui sucht Helfer
Liebe ohne Worte: Blindenführhund Lui und sein Frauchen Sabine Müller. Eine persönliche Beziehung und absolutes Vertrauen sind wichtig, auch zwischen Blinden und ihren menschlichen Helfern. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Ein Hund kann nicht alles. Nicht nur beim Vorlesen sind Blinde auf menschliche Helfer angewiesen. Von Beate Wyglenda

Seit eineinhalb Jahren begleitet Blindenführhund Lui die sehbehinderte Krefelderin Sabine Müller. Er gewährt der jungen Frau gefahrlose Orientierung in vertrauter wie fremder Umgebung, ermöglicht ihr ein hohes Maß an individueller Mobilität, Sicherheit und Unabhängigkeit und lässt sie damit an der Gesellschaft teilhaben. Aber Lui hat seine Grenzen. "Im Supermarkt kann er mich zwar zum Regal führen, er kann mir aber nicht sagen, ob ich gerade Kirsch- oder Erdbeerjoghurt in der Hand halte", nennt Müller ein Beispiel. Scheinbar eine Belanglosigkeit; allerdings eine von vielen, die den Alltag von blinden Menschen in der Summe erheblich beeinträchtigen.

Deshalb suchen der Blinden- und Sehbehindertenverein Krefeld (BSV) und der Blindenfürsorge-Verein Krefeld (BFV) nun nach Ehrenamtlern, die blinde und stark sehbehinderte Menschen im Alltag begleiten. Rund 20 Interessenten haben sich bereits gemeldet. Weitere Hilfe ist erforderlich. "Angesichts dessen, dass wir 431 blinde und 151 hochgradig sehbehinderte Menschen in Krefeld haben, ist jede helfende Hand willkommen", betont BFV-Vorsitzender Manfred Kalkof.

Vor allem bei Arztbesuchen, Behördengängen, Einkäufen und Erledigung von schriftlichen Arbeiten ist menschliche, nicht tierische Unterstützung dringend notwendig. Aber auch Begleiter bei Spaziergängen, Gesprächspartner beim Kaffeeklatsch oder Vorleser werden gesucht. "Wir möchten, dass eine persönliche Beziehung zwischen den Ehrenamtlern und den blinden Personen entsteht", sagt BSV-Vorsitzende Beate Pogorzelsky. "Es gibt viele ältere Menschen in Senioreneinrichtungen, für die die Ehrenamtlichen einen wichtigen sozialen Kontakt darstellen."

Die persönliche Beziehung ist aber auch deshalb entscheidend, weil eine blinde Person ihrem Begleiter vertrauen muss, wie Müller erklärt: "Wenn das Verhältnis distanziert ist, bleibt einfach immer die Sorge im Hinterkopf, doch nicht so sicher unterwegs zu sein. Gerade an stark befahrenen Straßen muss man sich auf seinen Nebenmann verlassen können."

Abgesehen davon sind keine besonderen Voraussetzungen erforderlich. "Die Ehrenamtlichen können sich so einbringen, wie es ihre Zeit eben zulässt", sagte Pogorzelsky. "Auch eine Stunde in der Woche ist hilfreich." Jeder Helfer erhält eine anfängliche Einweisung durch die beiden Blindenvereine.

Klaus Maxein hat sich bereits freiwillig gemeldet. Wen er begleiten möchte, weiß der Altenpfleger aus Krefeld auch schon. "Ich habe in der Kurzzeitpflege einen blinden Herren kennengelernt, den ich gerne unterstützen möchte", sagte er. Was die Aufgaben betrifft ist er offen. Auch das vertraute Verhältnis befürwortet er: "Es gibt genug Leute in Krefeld, die alleine leben. Dank solcher Kontaktpflege muss aber niemand vereinsamen."

Blindenführhunde wie Lui werden dennoch nicht arbeitslos. Ihre Hilfe im Alltag bleibt für ihre blinden und sehbehinderten Halter weiterhin wertvoll. Und auch auf die täglichen Kuscheleinheiten wollen beide Seiten auf keinen Fall verzichten.

Quelle: RP
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