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Krefeld
Blutplasma - lebenswichtig, aber unbekannt

Krefeld: Blutplasma - lebenswichtig, aber unbekannt
Hans-Gerd Montz ist seit 15 Jahren Plasma-Spender. "Ich habe bisher 548 Mal gespendet", so der 64-jährige Uerdinger gestern, der vom Medizinischen Direktor Dr. Uwe Taborski betreut wird. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Blutplasma ist ein wichtiger Rohstoff zur Medikamentenherstellung. In Krefeld werden dringend Spender gesucht. Von Joachim Niessen

Es gibt Dinge, die sind einfach nicht zu ersetzen - Blutplasma bei der Herstellung von Medikamenten zum Beispiel. "Es lässt sich nicht synthetisch herstellen", sagt Dr. Uwe Taborski, Medizinischer Direktor des Pharma-Unternehmens Octopharma Plasma. Weil Plasma aber unverzichtbar ist bei der Produktion von Arzneimitteln etwa zur Behandlung der Bluterkrankheit, von Eiweißlösungen zur Verhinderung von Schockzuständen bei schweren Verbrennungen oder auch bei Operationen, sind die Pharma-Unternehmen auf Plasmaspenden angewiesen. Nur wenn genügend Menschen Plasma zur Verfügung stellen, können bestimmte Pharmaprodukte in ausreichender Menge produziert werden.

Deshalb betreibt Octopharma Plasma in Deutschland dreizehn Plasmaspendezentren, eines davon im Krefelder Behnisch Haus, Petersstraße 122. Seit 15 Jahren ist das Zentrum vor Ort, 24 Mitarbeiter - darunter vier Ärzte - sind im Einsatz. Rund 1500 Spender kommen regelmäßig in die Innenstadt. "Es könnten gern mehr sein. Im Vergleich zur Blutspende ist die Plasmaspende in Deutschland weitgehend unbekannt", bedauert Hubert Franzaring, Geschäftsführer des Unternehmens.

Dabei kann praktisch jeder gesunde Mensch Plasma spenden, und das sogar wesentlich häufiger als Blut. "Eine Plasmaspende ist bis zu 45 Mal im Jahr möglich", erklärt Taborski, "nach neuer Regelung in Zukunft sogar bis zu 60 Mal." Hans-Gerd Montz kennt diesen Ablauf genau. Der Uerdinger ist seit 15 Jahren Plasma-Spender. "Ich habe bisher 548 Mal gespendet", berichtete der 64-Jährige gestern. Vorher habe er habe er bereits Blut zur Verfügung gestellt. Eine Altersbeschränkung für Spender gibt es nicht. "Man muss nur mindestens 18 Jahre alt sein", erklärt Pressesprecherin Bianca Trenner.

Die möglichen Spender werden gründlich durchgecheckt, bevor sie zugelassen werden. Wer sich erstmalig meldet, muss sich ausweisen und einen festen Wohnsitz haben. Es wird geprüft, ob er einer Risikogruppe angehört. "Wer Drogen nimmt oder genommen hat, wer Alkohol- oder medikamentenabhängig ist, ist dauerhaft von der Plasmaspende ausgeschlossen", erklärt Ewa Heesen, Leitende Zentrumsärztin. Ein frisches Tattoo oder Piercing dagegen führt zu einer sechsmonatigen Sperrfrist. Vitale Gesundheitsdaten werden erhoben, das Blut des potenziellen Spenders wird im Labor auf Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder Syphilis untersucht. Erst wenn alles getestet wurde, wird ein Erstspender nach einigen Tagen zur Plasmaspende zugelassen. Aber auch in der Folge werden Daten erhoben und geprüft.

Etwa 45 Minuten dauert eine Plasmaspende. Es gibt pro Spender mehrere Zyklen, in denen das Blut in eine Zentrifugenglocke geleitet und in Plasma und Blutzellen getrennt wird. "Frauen haben meistens dünneres, Männer dickeres Blut", sagt die Ärztin. "Deshalb dauert die Spende bei Männern etwas länger, bei Frauen geht es schneller." Das Plasma wird in Röhrchen gefüllt, die eindeutig zu identifizieren und zum Spender zurückzuverfolgen sind. Anschließend wird es bei bis zu minus 38 Grad schockgefroren, in Kühlwagen weitertransportiert, qualitätssichernden Verfahren unterzogen und schließlich in einem von vier europäischen Produktionsstandorten weiterverarbeitet: Zu Medikamenten, die bei Gerinnungsstörungen eingesetzt werden; zu Eiweißlösungen, die den Blutkreislauf stabilisieren; oder die Schockzustände bei schweren Verletzungen verhindern. Oder zur Herstellung von Immunglobulinen, die zur Behandlung von Immunerkrankungen dienen. Die Plasmaspender erhalten jeweils eine Aufwandsentschädigung zwischen 14 und 17 Euro - und haben das gute Gefühl, etwas für kranke Mitmenschen getan zu haben.

Quelle: RP
 
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