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Krefeld
Bockum - ein Skizzenbüchlein von 1945

Krefeld. Heinz Webers, Krefelder Urgestein und Mundartpublizist, hat uns ein zauberhaftes Skizzenbüchlein zukommen lassen - es sind Zeichnungen, die Bockum im Jahr 1945 zeigen. Das Ganze ist ein anrührendes Zeugnis einer Freundschaft zweier junger Frauen und von Heimatliebe in schwieriger Zeit. Von Jens Voss

Unwillkürlich nimmt man es mit Ehrfurcht in die Hand - dieses Skizzenbuch aus dem Jahr 1945. Es ist 70 Jahre alt, und gezeichnet wurde es in schwieriger Zeit. Der Krieg war gerade zu Ende; wie es weiterging, war unsicher. In dieser Phase greift eine junge Frau zu Papier und Stift und zeichnet ihre Heimat Bockum. Die Blätter bindet sie mit einer Kordel und einem einfachen Deckblatt; auf dem letzten Blatt schreibt sie eine Widmung: "Gott schütze und segne unser liebes Bockum, und Dich Martha, ganz besonders. Deine Bernhardine." Das Datum der Widmung: 29. Juli 1945.

Das Heft zeugt von einer rührenden Freundschaft. Die Zeichnerin war Bernhardine Müller, später Heyer. Martha, für die Gottes Segen erbeten wurde, war eine geborene Blome, spätere von Rath. Sie hat das Heft ihr Leben lang aufbewahrt und gab es 1999 in die Obhut von Hans Wilbers, der als Krefelder Urgestein und Mundart-Publizist wohl für so etwas ein leibhaftiges Gedächtnis der Stadt steht.

Auch wenn sich die Fassaden geändert haben - das Ensemble ist erstaunlich gut erhalten: Blick in die Buschstraße auf Schäfer- und Wolbringhaus.

Das Heft zeugt auch von dem starken Eigenleben der Ortsteile. Bockum war bis 1907 selbstständig; kurz zuvor gab es sogar eine Phase der Stärkung: 1902 wuchs der Ort, weil er mit Verberg zusammenging; von 1902 bis 1904 wurde das Bockumer Rathaus errichtet - sichtbares Zeichen für die Bockumer Eigenständigkeit.

Erstes Motiv von Bernhardine war allerdings das eigentliche Wahrzeichen: die Kirche St. Gertrudis, 1859 fertiggestellt und 1898/99 mit einem neuen Turm versehen. 1945 mag die Kirche für die Menschen erst recht wichtiger gewesen sein als das Rathaus, hatte sich doch der Staat in Deutschland erst einmal diskreditiert, weil er zum Werkzeug von Unmenschen geworden war.

Eines der markantesten und schönsten Gebäude Bockums: der Schütenhof. FOTO: vo/ RP-Fotos (5): Lammertz(

Was blieb, war das, was den Menschen Heimat war. Daran haben sich die beiden jungen Frauen festgehalten, damit haben sie sich Mut gemacht; und darin ist ihr Heimatbegriff bis heute nicht überholt.

Quelle: RP
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