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Krefeld
Bockumer Ärztin sucht Hörgeräte für Indien

Krefeld: Bockumer Ärztin sucht Hörgeräte für Indien
Susanne Wagener in ihrer Praxis in Bockum. Die medizinische Hilfe für Indien will sie noch weiter ausbauen. Im kommenden Jahr will sie wieder in die Region fahren. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Dr. Susanne Wagener hat als Hals-Nasen-Ohren-Ärztin eine Woche lang ehrenamtlich in Indien geholfen. Überraschend stellte sie fest, dass 80 Prozent ihrer Patienten dort schwere Hörschäden hatten. Jetzt will sie die Hilfe ausbauen. Von Sebastian Peters

Für Dr. Susanne Wagener war es ein Trip ins Ungewisse. Die Bockumer Medizinerin hatte im Vorfeld keine Vorstellung davon, welche Aufgaben sie in der südindischen 20.000-Einwohner-Stadt Penukonda in der ärmlichen Provinz Andra Pradesh erwarten würden. Medizinische Hilfe ist rar in dieser Region; ein Einzugsgebiet von 100.000 Personen, doch nicht einen festen Arzt gebe es dort, sagt Wagener.

"Ich dachte, ich muss dort die schlimmsten Infektionskrankheiten bekämpfen, doch als ich dort war, habe ich gemerkt, dass die Inder für so etwas gar nicht zum Arzt gehen." Stattdessen habe sie die schockierende Erfahrung gemacht, dass 80 Prozent ihrer Patienten nicht richtig hören konnten, teilweise schwere Hörschäden hatten. Ihnen will Wagener jetzt helfen, indem sie Hörgeräte in Deutschland sammelt.

Susanne Wagener untersucht eine Inderin am Ohr. Auch die Bockumerin hat sich für die Zeit ihrer Arzttätigkeit einen roten Punkt auf die Stirn gefärbt - das Zeichen, dass sie verheiratet ist. FOTO: Wagener

Susanne Wagener fuhr nach Indien, nachdem eine Freundin sie auf die Möglichkeit des ärztlichen Ehrenamtes dort aufmerksam gemacht hatte. Die Provinzregierung in Andra Pradesh unterstützt die Ärzte bei ihrer Arbeit in dem "Medical Camp" (Medizincamp). Für Wagener stand schnell fest, dass sie mithelfen will. "Für Hilfe wie diese bin ich schließlich Arzt geworden", sagt die 50-jährige Medizinerin, Ehefrau des bekannten Krefelder Unternehmers Gerald Wagener aus Verberg.

Am 4. Januar flog Susanne Wagener los; außer ihr waren noch eine Ostheopatin aus Deutschland und eine Medizinerin aus Amerika dabei. Am Anfang ihrer Ehrenamtswoche dort konnte sie beobachten, wie große Wagen durch die Dörfer fahren und Flyer verteilen. In allen Teilen der Region wurde die Bevölkerung so auf das medizinische Angebot aufmerksam gemacht.

In ihren täglichen Sprechstunden - tagefüllende Arbeit - konnte Wagener dann immer wieder beobachten, wie schlecht das Hörvermögen ihrer Patienten ist. "Das liegt ganz sicher daran, dass die Bevölkerung dort für kleinere Infektionskrankheiten nicht den Arzt aufsuchen kann", sagt die Ärztin. Mittelohrentzündungen seien verschleppt worden. "Die schwerwiegenden Folgen habe ich dann sehen können."

Susanne Wagener will konkrete Hilfe leisten. Ihre hiesigen Patienten ruft sie auf, alte Hörgeräte nicht wegzuschmeißen, sondern in ihrer Praxis abzugeben. "Hier in Deutschland bekommen die Patienten im Schnitt alle sechs Jahre ein neues Hörgerät, weil die Technik dann überholt ist."

In Indien aber würden die Geräte nach einer kleinen Reparatur für die Menschen noch gute Dienste leisten, sagt Wagener. Eine ihr bekannte Hörgerätetechnikerin habe sich bereiterklärt, die Geräte aufzuarbeiten. "Ein älteres Modell ist besser, als wenn die Menschen dort gar nichts haben", sagt Wagener. Außerdem koste jeder Batterien-Satz für die Hörgeräte 40 Euro pro Jahr. Auch dafür wolle sie sammeln.

Für die Ärztin Susanne Wagener steht fest: Die medizinische Hilfe für Indien will sie noch weiter ausbauen. Im kommenden Jahr will sie wieder in die Region fahren. "Durch solche Hilfe wird man wieder geerdet", sagt die Ärztin. Sie hofft, den einen oder anderen Kollegen aus Deutschland mit nach Indien nehmen zu können.

Quelle: RP
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