| 19.04 Uhr

Kino und Supermarkt geräumt
Kritik an Polizei nach Bombendrohung in Krefeld

Statement der Polizei zur Bombendrohung in Krefeld
Krefeld. Nach einem Großeinsatz der Polizei am Krefelder Hauptbahnhof stehen die Einsatzkräfte in der Kritik. Ein anonymer Hinweis auf eine Bombe hatte die Aktion ausgelöst; Sprengstoffhunde durchsuchten die Objekte. Gefunden wurde nichts.  Von Joachim Niessen

Nach einer Bombendrohung hat die Polizei am Donnerstagvormittag in Krefeld-Fischeln zeitgleich einen Supermarkt an der Kölner Straße sowie das Cinemaxx Kino neben dem Hauptbahnhof geräumt. Beide Gebäude wurden mit Sprengstoffhunden durchsucht. Während das Kino für das Publikum noch geschlossen war, mussten die Kunden den Supermarkt verlassen. Die Hansastraße am Hauptbahnhof und die Kölner Straße in Fischen waren zeitweilig gesperrt. Für beide Objekte gab die Polizei gegen Mittag Entwarnung, gefunden wurde nichts.

Polizeieinsatz an Supermarkt und Kino in Krefeld FOTO: Christoph Reichwein

Nach dem Einsatz gab es Vorwürfe an die Polizei: Eine Information der Öffentlichkeit - vor allem rund um den Hauptbahnhof - funktionierte nicht. Die Stimmung zwischen Einsatzkräften und Bevölkerung schaukelte sich teilweise hoch. Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen. "Es war kein Ruhmesblatt, das die Polizei in Krefeld hier abgeliefert hat", sagte Ali Bercab, der an einem türkischen Kiosk an der Hansastraße gestern das Geschehen mitverfolgt hat. "Positiv ist nur, dass nichts passiert ist." In der Tat gab die Polizei unmittelbar nach Einsatzbeginn gegen 10.45 Uhr am Hauptbahnhof ein sehr nervöses Bild ab. Nach Informationen unserer Redaktion soll sie kurz zuvor durch eine "Sprachnachricht" über mögliche Bomben im Kino und im Supermarkt informiert worden sein. Ob es sich hierbei um einen Anruf in der Leitstelle gehandelt habe, wollte Polizeisprecherin Karin Kretzer in einer ersten Stellungnahme am Nachmittag "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht bestätigen.

Tatsache ist, dass die Polizei am Vormittag einen Teil des Vorplatzes am Hauptbahnhof mit Flatterband absperrte und Einsatzkräfte - teilweise mit Maschinenpistolen - vor dem Kino aufzogen. Mitarbeiter eines angrenzenden Bürokomplexes der Stadtverwaltung, in dem auch Teile des Ausländer- und des Ordnungsamts untergebracht sind, durften ihre Räume nicht verlassen. Unübersichtlich blieb die Lage auf der angrenzenden Hansastraße. Erst sperrte die Polizei den Bürgersteig aus der Kinoseite, einige Zeit später durfte auch die Straße nur noch in eine Richtung befahren werden. Nach rund einer Stunde wurde dann auch die gegenüberliegende Seite für den Pkw-Verkehr und für Fußgänger geschlossen. Nur die Straßenbahnlinien 41 und 44 durften noch einige Zeit fahren, bevor auch hier die Beamten die Zeichen auf Stopp stellten.

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) war zwischenzeitlich angefordert, dann wieder abbestellt worden. Stattdessen kamen Sprengstoffhunde zum Einsatz, die gegen Mittag beide Objekte durchsuchten. Auch die Kölner Straße wurde gesperrt. Trotzdem liefen immer wieder verunsicherte Bürger durch die Sperrzonen.

Parallel heizte sich die Stimmung zwischen Bürgern und Einsatzkräften am Hauptahnhof weiter auf. Fragen der Menschen blieben unbeantwortet, mehrere Beamte reagierten nervös und teilweise aggressiv. "Ich wolle doch nur wissen, was hier los ist. Ich wollte zum Amt", sagte Gerhard Bergmann. "Eine Antwort bekam ich nicht. Der Beamte brüllte nur, dass ich verschwinden soll." Auch Anika Jons war empört: "Ruhig und sachlich informiert hier niemand." Die 43-Jährige war auf dem Weg zu ihrem Arzt, als sie auf der Hansastraße stoppen musste. Einige Medienvertreter konnten erst eingeschränkt, dann zeitweilig gar nicht arbeiten. Sie wurden vom Vorplatz am Hauptbahnhof zur Polizeiwache an der Hansastraße zu einem Pressegespräch bestellt. Dieses fand jedoch nie statt. Eine bewaffnete Beamtin vor der Wache hinderte die Journalisten "aufgrund der Gefahrensituation" anschließend fast eine Stunde daran, den dortigen Vorraum wieder zu verlassen.

Gegen Mittag entspannte sich die Lage, die Sperrungen wurden erst rund um den Hauptbahnhof, wenig später am Supermarkt in Fischeln aufgehoben. In einer kurzen Stellungnahme gegen 14.30 Uhr teilte die Pressesprecherin im Präsidium mit, dass "die Polizei Krefeld eine nicht näher präzisierte Drohung" erhalten habe. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen bezüglich des unbekannten Absenders aufgenommen.

Am frühen Nachmittag lief der Verkehr an beiden Stellen in Krefeld völlig reibungslos. Das Kino war - wie üblich - gegen 14 Uhr wieder geöffnet. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass der Dienstbetrieb am heutigen Freitag in ihren Ämtern am Hauptbahnhof wieder uneingeschränkt stattfinden kann.

Quelle: RP
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