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Krefeld
Botox: Hoffnung für Migräne-Patienten

Krefeld: Botox: Hoffnung für Migräne-Patienten
Migräne lässt sich bildtechnisch nicht feststellen. Aber andere Ursachen für den Kopfschmerz lassen sich so ausschließen: Dr. Ortrud Fuhrmeister (l.), Professor Thomas Haarmeier (r.) und Julia Donell vom Ärztlichen Dienst, Helios. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Bei chronischer Migräne ist das Nervengift als Medikament zugelassen. Fachärzte des Helios Klinikums warnen vor zu großer Euphorie: "Das ist nur eine seltene, ganz spezielle Anwendung", sagt Professor Thomas Haarmeier. Von Carola Puvogel

Rund 13 Prozent aller Frauen und sieben Prozent der Männer leiden unter Migräne. Der anfallsartig auftretende halbseitige Kopfschmerz, oft begleitet von Übelkeit und Licht- und Lärmempfindlichkeit, hat viele unterschiedliche Ausprägungen. Im schlimmsten Fall wird er chronisch. "Treten die Attacken häufiger als 15 Mal im Monat auf, also jeden zweiten Tag, bezeichnet man die Migräne als chronisch", erklärt Professor Thomas Haarmeier, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Helios Klinikum.

Seit 2011 ist Botulinumtoxin, eigentlich ein Nervengift, das als Faltenglätter unter dem Namen Botox bekanntgeworden ist, zur Behandlung chronischer Migräne zugelassen. Haarmeier warnt jedoch vor zu viel Euphorie über die neue Behandlungsmethode: "Das ist eine ganz spezielle, seltene Anwendung." Dr. Ortrud Fuhrmeister, Chefärztin der Helios-Schmerzklinik, ergänzt: "Die einzige Indikation für den Einsatz von Botox im Kopfschmerzbereich ist die chronische Migräne. In diesem Bereich gibt es nur wenige Therapieverfahren. Es gibt die Prophylaxe mit Anti-Epileptika und eben Botox."

Das Nervengift Botox werde für diese Behandlungsmethode an 31 definierten Punkten in niedriger Dosis in die Muskulatur rund um den Kopf gespritzt, so dass der physikalische Zug auf den Kopf reduziert wird. Haarmeier erklärt das Konzept: "Der ganze Kopf ist umgeben von Muskulatur, Verspannungen wirken sich ungünstig auf das Krankheitsbild aus. Durch die Behandlung mit Botox wird die Muskulatur geschwächt beziehungsweise leicht gelähmt, die Verspannung soll so gelöst werden." Die Behandlung, die jetzt im Helios Klinikum angeboten werden soll, habe sich bei chronischer Migräne als wirksam erwiesen, nicht jedoch beim Krankheitsbild Spannungskopfschmerz.

Zur Diagnose und Behandlung von Migräne führt der Weg über den Hausarzt zum niedergelassenen Neurologen. "Die Diagnose sollte nicht der Betroffene stellen", macht Professor Thomas Haarmeier deutlich. "Wir in der Klinik sehen die Patienten fast immer nur über die Notaufnahme, oft, wenn ein Migräne-Anfall zum ersten Mal auftritt und die Patienten schlimmste Schmerzen erleiden", berichtet der Chefarzt. Oder wenn Patienten nicht auf übliche Maßnahmen ansprechen und abgeklärt werden muss, ob es sich auch diesmal um Migräne handelt. "Wir versuchen dann, andere Ursachen auszuschließen." Die Migräne selber sei jedoch nie visualisierbar.

Haarmeier rät Migräne-Patienten dazu, mit vorbeugenden Maßnahmen Attacken entgegenzuwirken. "Mit Veränderungen im eigenen Lebensstil kann man viel erreichen", sagt der Neurologe. "Beispielsweise zu lernen, mit speziellen Techniken zu entspannen, Stichwort 'Progressive Muskelentspannung nach Jacobson'". Die seien leicht zu erlernen und hätten beste Wirksamkeit. Ebenso wichtig sei ein regelmäßiger Tagesablauf.

"Was auch hilft bei Migräne und Spannungskopfschmerz, ist alles, was fürs Herz gut ist: Laufen Schwimmen, Radfahren", sagt Haarmeier. Und fügt plakativ hinzu: "Triathleten haben keine Migräne."

Quelle: RP
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