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Krefeld
Brautkleider für Lohengrin gesucht

Krefeld: Brautkleider für Lohengrin gesucht
Aus dem Skizzenbuch der Kostümbildnerin: A-Linie, Prinzessinnenstil, weiß, creme- oder champagnerfarben - so stellt sich Ingeborg Bernerth die Hochzeitsparade vor. Dafür braucht sie die Unterstützung der Krefelderinnen, die ihre Brautkleider zur Verfügung stellen. FOTO: I. Bernerth
Krefeld. Am Karsamstag hat die Wagner-Oper "Lohengrin" Premiere im Theater. Der Damenchor soll in Brautkleidern auftreten. Die Kostümwerkstatt sucht dafür alte Hochzeitsroben. Wir fragen die Leser der RP, welche Geschichte sie mit ihrem Kleid verbinden. Von Petra Diederichs

Es ist der Inbegriff der Romantik, wenn Lohengrin heldenhaft den alten Telramund besiegt, der Elsa des Brudermordes bezichtigt hat, und dann dem Unterlegenen großherzig das Leben schenkt. Hingebungsvoll sinkt Elsa ihrem Retter an die Ritterbrust - und Richard Wagner hat zum berühmten "Treulich geführt"-Hochzeitsmarsch musikalisch noch einmal in die Vollen gegriffen. In diesem Moment soll der große Brautzug ein Gänsehautbild auf der Bühne bewirken, wünscht sich Regisseur Robert Lehmeier: Die Sängerinnen von Opernchor und Extrachor sollen allesamt in Brautkleidern auftreten. Am Karsamstag, 15. April, hat Wagners Oper Premiere. Doch für ein solches Mammutprojet laufen bereits Vorbereitungen.

Eine Abteilung, die schon im Lohengrin-Einsatz ist, ist die Kostümabteilung unter der Leitung von Ina Schotes. "Die Kostümbildnerin des Stückes, Ingeborg Bernerth, möchte die Damen unseres Opernchors und des Extrachors in Brautkleidern auftreten lassen. Wir können hier in unserer Werkstatt aber nicht alle Kleider schneidern, deshalb sind wir auf die Mithilfe von Krefeldern angewiesen, die uns ihre alten Brautkleider schenken", erläutert sie. Die Konfektionsgröße der Kleider spiele keine Rolle, nur sollten sie möglichst bodenlang und weiß oder cremeweiß sein. "Am liebsten wären uns richtige Prinzessinnenkleider mit viel Tüll", ergänzt Ina Schotes. Es soll ein großer Auftritt werden. Denn "Lohengrin" ist Wagners letzte Oper im romantischen Stil. Danach hat er sich dem Konzept des Musikdramas gewidmet. In "Lohengrin" geht Wagner zurück zu historischen Quellen: 933, als König Heinrich I. an der Unstrut die Ungarn besiegte und eine flammende Ansprache ans Volk richtete. Wagner hat die Handlung nach Brabant verlegt, um die Historie mit dem Mythos um den Schwanenritter aus der Parzival-Erzählung Wolfram von Eschenbachs zu verknüpfen. Die Uraufführung 1850 in Weimar hat Franz Liszt dirigiert. Wagner selbst war zu jener Zeit im Exil in der Schweiz. Denn er zählte zu den leidenschaftlichen Wortführern der Revolution. In flammenden Revolutionsschriften führte Wagner 1848 und 1849 die These, dass wahre Kunst nur entstehen könne, wenn zuvor alles Alte zerstört würde, und nur die "Revolution von unten" könne die Menschen aus der Not befreien.

Den Erfolg seines "Lohengrins" hat Richard Wagner (1813-1883) deshalb nur aus der Ferne verfolgen können. Erst elf Jahre nach der Uraufführung hat er eine Vorstellung miterlebt.

Quelle: RP
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