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Kr Wie Krefeld
Brennende Fragen zum Seidenweberhaus

Krefeld. Das RP-Forum zum Thema Seidenweberhaus und den Plänen von Gerald Wagener hat Fragen aufgeworfen, die von Stadt und Politik beantwortet werden müssen.

Der Abend in der VHS, an dem der Unternehmer Gerald Wagener seine Pläne für den Theaterplatz erläutert hat, war erfreulich erhellend und hat Fragen aufgeworfen, bei denen man hart auf Antwort drängen muss.

Nach wie vor stehen Wageners Analyse und die Zahlen der Stadt über die tatsächlichen Kosten des Seidenweberhauses pro Jahr im Raum. Die Stadt sagt: rund eine Million Euro. Wagner sagt: Aufgrund der zugänglichen Bilanzzahlen müssen es 2,5 bis drei Millionen sein. Wie kann man hier Klarheit gewinnen? Wer erklärt die Sachlage glaubwürdig gegenüber der Öffentlichkeit? Der Druck dazu muss aus dem Rat kommen. Fatal ist auch die Gegensätzlichkeit der Aussagen zu der Frage, ob nun ein solches Projekt europaweit ausgeschrieben werden muss oder nicht. Planungsdezernent Martin Linne hat in einem WZ-Interview kategorisch behauptet, dies müsse so sein. Wagener und seine Experten halten dagegen: Nein, dies ist nur dann vorgeschrieben, wenn öffentliche Mittel verbaut werden. Auch hier wird man auf Klarheit pochen müssen. Der Halbsatz eines Dezernenten reicht nicht zur Erklärung, zumal Linne hat erkennen lassen, dass er Wageners Plan ablehnt. Krefeld, so hatte er bemerkt, brauche nicht "nur ,eine', sondern die ,beste' Lösung." Heißt ja wohl: Wageners Lösung ist für Linne nicht die beste. Was immer Linne an eigenen Vorstellungen hat: Er sollte nicht das Angebot eines Investors öffentlich diskreditieren, indem er den Einruck erweckt, das gehe schon aus juristischen Gründen nicht. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, ob die Stadt grundsätzlich die Chance hätte, Wageners Angebot ohne Vergabe anzunehmen.

Was schließlich auch deutlich wurde, ist, wie tief mittlerweile das Misstrauen gegenüber der Öffentlichen Hand als Bauherr ist. Ein Neubau würde laut Stadt 45 Millionen Euro kosten. Glaubt jemand, dass es dabei bleibt? Dass Zeitpläne eingehalten werden? Dass die Qualität am Ende stimmt? Umgekehrt: Wer glaubt eher, dass ein privater Investor, der auf eigenes Risiko baut, Pläne einhält - mit Partnern, denen er vertraut und die nicht immer zwangsweise die billigsten sind?

Auch dies wurde deutlich: Es gibt viele, die es satthaben, dass jedes öffentliche Projekt zur Hängepartie mit unabsehbaren Kosten wird. Nicht mal eine ambitionierte Haltestelle kann ohne Verzögerung und Prozesse realisiert werden. Siehe Ostwall/ Rheinstraße.

Stadt und Politik werden es sehr genau begründen müssen, wenn sie ein Angebot wie das von Wagener ablehnen.

Quelle: RP
 
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