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Krefeld
BTZ bringt psychisch kranke Menschen zurück in den Job

Krefeld. Das Berufliche Trainingszentrum Krefeld (BTZ) ist für die ersten Teilnehmer geöffnet worden. Nach den Zentren in Paderborn und Bielefeld ist das Zentrum am Nauenweg 42e im Krefelder Werkkontor das dritte der Tochtergesellschaft der Stiftung Bildung und Handwerk. Angeboten werden Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation für Menschen, die aufgrund von psychischen Erkrankungen den Anschluss im Arbeitsleben verloren haben. Jetzt fand die Eröffnungsfeier statt. Von Julia Schleier

Das Thema der Wiedereingliederung in den Beruf nach einer seelischen Krise ist aktueller denn je. Die beiden psychiatrischen Kliniken sowie die Agentur für Arbeit haben laut BTZ in Krefeld einen großen Unterstützungsbedarf wahrgenommen. "Wir sind die erste Einrichtung dieser Art in der näheren Umgebung. Ein solches Angebot war längst überfällig", sagt Roland Boxen, Fachtrainer am BTZ.

Im Zentrum der Arbeit des BTZ steht die Aufgabe, leidensgerechte Tätigkeiten zu finden und zu vermitteln. "Jedes Krankheitsbild ist anders, man muss die Teilnehmer sehr individuell fördern", erklärt Roxana Gladis, Psychologin und Leiterin des BTZ Krefeld. Das Ziel der zwölf Monate dauernden Maßnahme ist die Integration in den ersten Arbeitsmarkt.

Um eine möglichst vielschichtige Unterstützung der Teilnehmer zu gewährleisten, werden aktuell vier Trainingsbereiche angeboten: Lagerlogistik, Küche/Catering, Servicedienste Textil und Dekoration sowie der gewerblich-technische Bereich. In Planung ist ein kaufmännisch-verwaltender Bereich.

Die derzeit sieben teilnehmenden Männer und Frauen werden von acht Mitarbeitern betreut, darunter Pädagogen, Psychologen, Ergotherapeuten und ausgebildete Fachtrainer. Insgesamt bietet der Standort Krefeld Platz für 46 Teilnehmer, der Einstieg in die Integrationsmaßnahme ist jederzeit möglich.

Bürgermeisterin Gisela Klaer bemängelt bei der Eröffnungsfeier, dass in der Gesellschaft viel zu oft ein Mantel des Schweigens um psychische Erkrankungen gelegt werde und dass man immer funktionieren müsse. Es sei wichtig geeignete Tätigkeiten für Erkrankte zu finden, die dabei helfen können Symptome zu verbessern. "Aber auch wenn Arbeit helfen kann, ist Arbeit meist ebenfalls die Ursache der Krankheit gewesen", betont Klaer. Deshalb müsse man nicht nur Betroffenen helfen, sondern auch präventive Aufklärung in den Firmen leisten und so die Ursachen bekämpfen.

Aufgrund des großen Erfolgs des 2016 eröffneten BTZ in Bielefeld, bei dem es bereits Wartelisten für Teilnehmer gibt, wird auch in Krefeld ein guter Start erwartet. Der Geschäftsführerin Miriam Ertel ist es wichtig, während der Maßnahmen so früh wie möglich in die Betriebe der Region zu gehen und dort Praktika und Arbeitsplätze zu vermitteln. "Letztendlich ist es unsere Aufgabe, uns überflüssig zu machen."

Quelle: RP
 
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