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Krefeld
Die Buchsbaumzünslervertilger

Buchsbaumzünsler: Eine ganz natürliche Geheimwaffe
Da laufen sie: Als Stammform der Indischen Laufente gilt die Pinguinente aus Ost- und Südostasien. Sie wurde im 19. Jahrhundert in England, im 20. Jahrhundert in Deutschland rassisch veredelt, heißt es auf der Internetseite "www.laufis.de". FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Indische Laufenten sind nicht nur possierlich - sie sind auch natürliche Feinde von Nacktschnecken oder Buchsbaumzünslern. Besuch in einem Garten in Verberg mit erstaunlichen Haustieren. Von Jens Voss

Unser Bericht über die Buchsbaumzünslerplage in Krefeld hat Wellen geschlagen: Der WDR hat ebenso wie Eins Live über diese Falter berichtet, die aus Asien nach Europa eingeschleppt wurden und deren Raupen die Buchsbaumbestände ganzer Regionen vernichten. Zudem hat sich eine Leserin aus Verberg gemeldet und von einer biologischen Geheimwaffe gegen die Zünsler wie gegen Nacktschnecken berichtet: Indische Laufenten. Der Ausflug in den Garten von Ina Steinborn wurde zur Begegnung mit Enten, die die Erdmännchen der Vogelwelt sind: sehr senkrecht, sehr sympathisch, sehr interessant.

Wie sympathisch sie sind, zeigt der Spitzname, den Freunde dieser Vögel ihnen gegeben haben: "Laufis". Ina Steinborn, die übrigens Diplom-Biologin ist, hat sich die Vögel aber nicht nur aus Sympathie angeschafft: Am Anfang stand eine Nacktschneckenplage in ihrem Garten: "Wir haben zum Garten hin Türen bis zum Boden, und die Schnecken sind bei Regen dort hochgekrochen." Das muss man auch als Diplom-Biologin nicht schön finden. Damals beschloss sie quasi die biologische Kriegsführung gegen die ungebetenen Schleimspurzieher: Laufenten.

Diplom-Biologin Ina Steinborn. FOTO: lammertz

So hat sie sich vor drei Jahren einen Erpel und eine Ente angeschafft; mittlerweile sind es mit den Jungen fünf Tiere, die oft wie auf Schienen hintereinander durch den Garten ziehen - lustige Gesellen mit hochaufgerichteten Hälsen in einem wunderbar eleganten Trippelgang, der einen sofort für die Tiere einnimmt. Dass Steinborn damit auch ein Mittel gegen den berüchtigten Buchsbaumzünsler gefunden hat, hat sie durch Zufall herausgefunden. Irgendwann, berichtet sie, seien die Enten auffällig intensiv um die Buchsbaumpflanzen im Garten herumgestrichen, hätten mit den Schnäbeln in den Blätterkronen herumgezuppelt. So hat Steinborn realisiert: Die Vögel waren auf der Jagd nach etwas, das aussah wie kleine weiße Motten - der Buchsbaumzünsler, jener Falter, der dabei war, seine Eier in den Steinbornschen Buchsbäumen zu deponieren. Ob die Enten auch die Zünsler-Raupen fressen, die ansonsten von Vögeln verschmäht werden, kann Steinborn nicht sagen; sie weiß nur: Probleme mit Zünslern hat sie nie mehr gehabt.

Indische Laufenten sind relativ einfach zu halten - dennoch empfiehlt die Biologin, sich über die Tiere zu informieren. Sie brauchen zum einen schlicht Raum zum Laufen - mindestens 500 Quadratmeter, sagt Steinborn. Man sollte über das Grundstück mehrere Näpfe mit Wasser verteilen - die Enten brauchen zum Fressen immer mal wieder einen ordentlichen Schluck, um ihre Beute herunterschlucken zu können. Es gebe Fälle, in denen Laufenten an einer zu großen Schnecke erstickt seien, berichtet Steinborn. Hier liegt auch der Grund, warum man die Tiere nicht einfach mit vielen Schnecken füttern sollte - dann sei die Erstickungsgefahr relativ groß. Zufüttern muss man natürlich auch - die Laufenten im Hause Steinborn bekommen über die Jagdbeute im Garten hinaus handelsübliches Geflügelfutter.

Das Ei einer Laufente (links) ist etwas größer als ein Hühnerei und schmeckt gut. Die Eier ergeben beim Backen eine schöne gelbe Farbe. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Steinborn hat ihren Enten anfangs einen Stall in Hundehüttengröße angeboten - vor allem, um sie vor Fuchs und Marder zu schützen. Das scheint aber nicht nötig zu sein; die Enten schlafen mittlerweile auf dem Rasen. Schön für die Tiere ist auch ein kleiner Teich, der im Steinborn-Garten rund ein mal zwei Meter misst - es reiche auch ein aufklappbares Kinderplanschbecken, sagt Steinborn. "Ein solcher Teich muss nicht sein, aber ich betrachte meine Enten als Mitarbeiter und möchte sie bei Laune halten", sagt sie lächelnd. Die Enten danken es ihr: Während des Besuchs wird das Teichwasser ausgetauscht - als wieder Frischwasser in dem Becken ist, dauert es nicht lange, bis die Entenfamilie ein Bad nimmt.

Zur Tier-Besatzung des Gartens gehört auch ein Beauceron (ein großer französischer Hütehund) und ein Kater. Probleme mit dem Zusammenleben der Tiere gibt es nicht, berichtet Steinborn. Nähert sich der Kater ungebührlich den Enten, baut der Vogeltrupp eine Drohkulisse mit lautem Schnattern auf - das reicht, um die Katze auf Abstand zu halten. Auch der Hund lässt die Enten in Ruhe - Hüteinstinkt.

Die Enten legen täglich ein Ei. Die Eier schmecken gut, auch wenn man sie, wie Steinborn betont, nur gebraten, gebacken oder hartgekocht essen sollte, um Salmonellen vorzubeugen. Laufenten sind ungewöhnlich, aber bei Kennern beliebte Haustiere; es gibt schon eine Art Szene, die sich über die Tiere austauscht. "Eine gute Internetseite findet man unter sagt Steinborn. Dort gibt es auch Adressen, wo man die netten Enten bekommt.

Weitere Informationen unter www.laufis.de

Quelle: RP
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