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Krefeld
Bürgereinsatz steigt im Nothaushalt

Krefeld: Bürgereinsatz steigt im Nothaushalt
Auch das Folklorefest muss geringere Zuschüsse der Stadt verkraften. FOTO: Nein
Krefeld. Eine gute Nachricht: Die Krefelder zeigen in Zeiten des Nothaushalts Zusammenhalt. Bedrohte Veranstaltungen werden häufig durch private Initiative und Spenden getragen. Oberbürgermeister und Politik danken den Bürgern. Von Sebastian Peters

Seit eineinhalb Jahren befindet sich Krefeld im Nothaushaltsrecht - die Zuschüsse an viele Vereine oder Institutionen sind radikal gekürzt oder gestrichen worden. Eine "Schließungswelle" war befürchtet worden, einige Traditionsveranstaltungen standen auf der Kippe. Eine erfreuliche Tendenz ist jedoch jetzt zu beobachten: Der Bürgereinsatz im Nothaushalt steigt, Privatleute, Vereine und Stiftungen zeigen Initiative, um all die Festivitäten und Einrichtungen, die Krefeld lebenswert machen, aufrecht zu erhalten.

Drei Beispiele für besonderes Engagement im Nothaushalt: In einer großen Pressekonferenz teilte Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) im November 2013 mit, die Zuschüsse für die Straßenmodenschau, mehrere hunderttausend Euro jährlich, streichen zu müssen. Der Handel steckte den Kopf nicht in den Sand, hat schnell eine eigene Veranstaltung namens "Krefeld pur" auf die Beine gestellt, die sich im vergangenen Jahr prompt bewährte und in diesem Jahr am 19. und 20. September läuft. "Wir tragen jetzt selbst die Kosten", betont Mitinitiator Christoph Borgmann. Gerettet ist auch der Nachbarschaftsladen Fischeln. Bis 2012 hatte die Stadt die jährlichen Mietkosten in Höhe von 8800 Euro mit einem Zuschuss von über 4000 Euro abgestützt, für 2014 wurde dieser komplett gestrichen. Jetzt hilft die Salvea-Stiftung des Krefelder Unternehmers Wolfgang K. Hoever dem sozialen Projekt. Sogar das spektakuläre Seifenkistenrennen am Hülser Berg, eine echte Traditionsveranstaltung, kann dank Bürgerengagement endlich wieder stattfinden, nachdem die Stadt die Zuschüsse strich. Private bringen nun 14 000 Euro auf. Für den Grundstock sorgte der Verein "Impuls Krefeld" (früher Verkehrsverein), der 5000 Euro spendete. Weitere Helfer sind die Sparkasse Krefeld, das Autohaus Hülsemann und der Automobil-Club Verkehr (ACV). Die Moderation übernimmt wie immer der Motorsportclub St. Tönis.

Jahrelanger Einsatz der Bürger am Bismarckplatz und Spendensammeln haben jetzt Erfolg. FOTO: T. L.

Oberbürgermeister Gregor Kathstede ist dankbar für die Initiativen: "Durch das Engagement von Bürgern, Vereinen und Unternehmen können Veranstaltung und Projekte weiter fortgeführt werden. Dies wäre in der schwierigen finanziellen Situation der Stadt im Nothaushalt sonst nicht möglich." Er betont aber auch: "Es muss das Ziel von Verwaltung und Politik bleiben, aus der finanziellen Schieflage möglichst schnell wieder heraus zu kommen." Philibert Reuters, CDU-Fraktionschef, lobt: "Das bürgerschaftliche Engagement ist beispielhaft und Ausdruck bewährter Bürgertugenden, wie Idealismus, Verantwortungsbewusstsein und Einsatzbereitschaft für die örtliche Gemeinschaft." Er verweist etwa auf das Engagement der Bürgergemeinschaft Bismarckviertel, die den Bismarckplatz schöngemacht hat. SPD-Oberbürgermeisterkandidat Frank Meyer sagt: "In Krefeld engagieren sich tausende von Menschen in Kirchen, Caritas, Diakonie, Vereinen und Organisationen ehrenamtlich, um anderen zu helfen und somit das soziale Miteinander zu stärken. Ohne das ehrenamtliche Engagement hätte unsere Stadt ein anderes, ein ärmeres und kälteres Gesicht. Daher verdient es das Engagement, besonders gewürdigt zu werden." Die SPD schlägt für die nächste Ratssitzung vor, eine Ehrenamtskarte in Krefeld einzuführen.

Bei allem Lob für die Bürger - FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann erinnert daran, dass die Stadt bestimmte Aufgaben nicht abgeben dürfe. Ihn stimme es nachdenklich, wenn die Eltern des Waldorfkindergartens Kreuzbergstraße selbst ihre Einrichtung streichen, obwohl die Stadtverwaltung der Vermieter ist. Eine Straßenmodenschau hingegen ist für ihn eine Schmuckveranstaltung, die nicht zwingend von der öffentlichen Hand bezahlt werden muss. Heitmann begrüßt deshalb die Initiative des Handels.

Die Straßenmodenschau gibt es nicht mehr, aber der Handel hat erfolgreich "Krefeld pur" erfunden. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Heidi Matthias, Fraktionschefin der Grünen, verweist auf den freiwilligen und unentgeltlichen Einsatz von Initiativen insbesondere im sozialen und kulturellen Bereich sowie im Naturschutz: Folklorefest, das Werkhaus, die Kufa, das Freiwilligenzentrum, die Baumschützer, die Spielplatzpaten. "Bürgerschaftliches Engagement ist unverzichtbar. Das gilt im Nothaushalt, doch ebenso danach." Andreas Drabben (UWG) fordert, den Einsatz der Freiwilligen zu würdigen - dadurch, dass es weiter städtische Zuschüsse gibt.

Quelle: RP
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