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Krefeld
"Büro"-Fieber erreicht nun auch Krefeld

Krefeld. Der niederländische Kult-Roman setzte den fulminanten Abschluss des Lesesommers. Von Mojo Mendiola

Für das Publikum war es der letzte Abend des 16. Literarischen Sommers in Krefeld, zugleich aber der Auftakt einer Ring-Lesung, die durch weitere niederrheinische Städte tourt: Im schon lange vor der Veranstaltung ausverkauften Niederrheinischen Literaturhaus kamen Kostproben aus dem Kult-Roman "Das Büro" des niederländischen Autors J. J. Voskuil (1926-2008) zu Gehör.

In Krefeld las der beliebte Theaterschauspieler Ronny Tomiska aus dem Opus - Helga Krall von der Mediothek hatte ihn für diese Aufgabe gewinnen können. Die Rolle des Gesprächspartners übernahm Gerd Busse, der den Autor für Deutschland entdeckte und bereits drei der insgesamt sieben Bände aus dem Niederländischen übersetzt hat. Und beide sind selbst so glühende Fans des "Büros" geworden, dass sich ihre Begeisterung auch mühelos den Zuhörern mitteilte.

Busse erläuterte ebenso kundig wie kurzweilig, dass es sich bei den Schilderungen keineswegs nur um lustige, sondern stellenweise beinahe tragische Vorgänge handele, die Voskuil ursprünglich auch gar nicht als Satire gedacht hatte. Die hanebüchene Sinnlosigkeit vieler Projekte, die am "Institut zur Erforschung niederländischer Volkskultur" über Jahre hinweg betrieben, aber nicht unbedingt vorangetrieben werden, und die üblichen Intrigenspielchen im sich immer weiter aufblähenden Personalapparat dieses Büros wurden ihm aber zum Nährboden einer nicht abreißenden Kette urkomischer Situationen, zur Parodie über die Art und Weise sozialwissenschaftlichen Arbeitens, vor allem in den 1960er und 70er Jahren. Zugleich bildeten sie den Rahmen für persönliche Schicksale, in denen Komik und Tragik untrennbar verschmolzen.

Ronny Tomiska las sozusagen die Exposition für all dieses. Er stellte Maarten Koning vor, der anno 1957 beruflich gerade nichts tut und von Herrn Beerta für besagtes Institut angeheuert wird. Eigentlich hat er wenig Lust dazu. Seiner Frau gefällt es ebenfalls nicht, dass sie ihren Mann wieder mit einem Job teilen soll. Und als erstes muss Koning sich auch noch mit kindischen Wichtelmännchen befassen. Allerdings blinkte, schon bevor tatsächlich etwas Bemerkenswertes geschah, in jedem Satz dieser Einleitung ein Lämpchen, das auf eine dräuende Katastrophe hindeutete und erstes Schmunzeln provozierte.

Da Tomiska beim Lesen regelrecht entflammte, konnte kaum ein Zuhörer der Ansteckungsgefahr entgehen, und es wurde ein rundum gelungener Abschluss-Abend der grenzüberschreitenden Lese-Reihe.

Quelle: RP
 
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