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Krefeld
Burgserenade: Eiseskälte und moderne Musik

Krefeld. Bei sehr frostigen Temperaturen im Serenadensaal der Burg Linn wurde der Liederabend vom Gros des Publikums gefeiert. Eine Uraufführung zeigte: Der Zugang zu moderner Musik ist nicht einfach. Von Heide Oehmen

Selbst Musikfreunde, die seit langem die Serenaden auf Burg Linn besuchen, können sich nicht erinnern, dort einmal einen Liederabend erlebt zu haben. So war vermutlich das Konzert mit der Sängerin Ingeborg Danz eine Premiere. Da es sehr gut besucht und bestens angenommen wurde, ist zu hoffen, dass in Zukunft wenigstens hin und wieder einmal Vokalmusik im Rittersaal erklingen möge.

Die aus Witten stammende Altistin, eine vor allem im Oratorien- und Konzertbereich von namhaften Dirigenten und Ensembles bevorzugte Sängerin, war gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Geiger Peter Stein, angereist. Zu ihrem Programm - "BeziehungsWeise" genannt - hatten sich beide von dem bekannten Künstlerehepaar Joseph und Amalie Joachim inspirieren lassen; er ebenfalls Geiger (und Freund von Johannes Brahms), sie viel gefragte Altistin. Am Flügel im diesmal recht frostigen Saal begleitete Tobias Krampen - ein Mitgestalter, wie er sein sollte - einfühlsam, eigenständig und technisch brillant - mit erlesener Anschlagskultur.

In fünf Liedern aus dem Zyklus "Frauenliebe und Leben" von Robert Schumann waren die vokalen Tugenden von Ingeborg Danz ebenso zu bewundern wie in vier Liedern von Johannes Brahms - davon die letzten beiden von Peter Stein voller Wohllaut auf der Bratsche begleitet. Danz' Stimme bestach mit samtener, nie forcierter Tiefe, sicherer Höhe, vorbildlichem Lagenausgleich und klarer, ungekünstelter Diktion. Darüber hinaus sprach ihre natürliche Interpretation unmittelbar an.

Peter Stein überzeugte mit dynamischer Vielfalt, makelloser Technik und angenehm volltönender Tongebung. Drei Romanzen für Violine und Klavier von Clara Schumann, das Intermezzo aus einer Violinsonate von Robert Schumann sowie die "Frühlingsfantasie" von Joseph Joachim waren beredte Beispiele.

Mehrere Kompositionen sind dem Ehepaar Danz-Stein gewidmet, so "out-out" des 1970 geborenen Amerikaners Peter Knell. Hier wäre es für viele Besucher sicher hilfreich gewesen, wenn man die deutsche Übersetzung des englischen Textes abgedruckt hätte.

Als Uraufführung erklangen - ebenfalls den Künstlern gewidmet - "Drei Oden" nach Worten von Friedrich Hölderlin aus der Feder des anwesenden Komponisten Stefan Heucke (*1959). Großartig meisterten Danz, Stein und Krampen die immensen Schwierigkeiten des anspruchsvollen Werkes, dessen Gehalt bei einmaligem Hören kaum zu erfassen ist.

Großer Beifall und eine wunderschöne Zugabe von Benjamin Britten.

Quelle: RP
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