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Krefeld
Cargill baut seinen 120 Meter hohen Industrieschlot zurück

Krefeld: Cargill baut seinen 120 Meter hohen Industrieschlot zurück
Der große Kamin auf dem Firmengelände von Cargill im Rheinhafen ist schon um ein Sechstel kürzer geworden. Spezialisten bauen die Stahlbetonkonstruktion schrittweise zurück. FOTO: Michael Such
Krefeld. Industrieschornsteine bestimmen oft die Silhouetten produzierender Unternehmen oder von ganzen Stadtquartieren. Sie ziehen durch ihre Höhe naturgemäß die Blicke auf sich. In der Stadt gibt's zahlreiche Beispiele. Der Kamin im Krefelder Hafen mit der Firmenaufschrift Cerestar wird jetzt zurückgebaut. Von Norbert Stirken

Bald ist nichts mehr wie zuvor. Eine Landmarke im Krefelder Stadtbild verschwindet. Der Stärkeproduzent Cargill hat den Beschluss gefasst, den höchsten Schornstein im Krefelder Rheinhafen zurückzubauen. Der 120 Meter hohe Riese hat mehr als 50 Jahre auf dem Buckel und ist seit zehn Jahren nicht mehr in Betrieb. "Eine Sprengung oder ein Abriss kamen an der Stelle nicht in Frage", sagte Unternehmenssprecherin Beate Schierwagen gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Dafür sei das Firmengelände zu dicht bebaut. So sei der Auftrag an eine Spezialfirma erteilt worden, das Bauwerk aus Stahlbeton Schritt für Schritt zurückzubauen.

Die Arbeiten sind seit rund zwei Wochen im Gange. Bewohner in Gellep-Stratum und Linn können je nach Windrichtung den Presslufthammer hören und die schwindelfreien Spezialisten auf einer Arbeitsplattform erkennen, die dem Bauwerk in luftiger Höhe zu Leibe rücken. Der Bauschutt wird übrigens ganz pragmatisch in den Schornstein geworfen und durch eine Öffnung am Boden entsorgt. Gut 700 Tonnen werden es am Ende sein. Das Innenrohr aus Stahl ist bereits entfernt und als Schrott vermarktet. 20 Meter vom Bauwerk sind bereits abgetragen. Vom senkrecht angebrachten Schriftzug Cerestar fehlt schon das C.

Markante Kamine: Im Mies-van-der-Rohe-Business-Park an der Girmesgath überragt der Schornstein das historische Kesselhaus. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Verantwortlichen bei Cargill, wie das Unternehmen seit dem Jahr 2002 heißt, haben sich für den Abbau des Schornsteins entschieden, weil zunehmend kostenaufwendige Instandhaltungs- und Wartungsaufgaben anfallen würden. "Das ist letztlich auch eine Frage der Sicherheit für Beschäftigte und Besucher", erklärte die Sprecherin. Ferner müsste für ein 120 Meter in den Abendhimmel ragendes Bauwerk auch die so genannte Flugbefeuerung fortgesetzt werden - das sind rot leuchtende Warnlampen für den Flugverkehr.

Eine nennenswerte Fläche würde durch den Rückbau des Kamins nicht frei. Am Fuß hat der im Jahr 1964 gebaute Schornstein einen Durchmesser von 7,50 Meter, an der Öffnung sind's nur noch 3,70 Meter. "Wir werden das Bauwerk zudem nicht komplett entfernen", sagte die Sprecherin. Der Rest mit dann nur noch neun Metern Höhe wird allerdings für Dritte von der Straße aus nicht mehr zu sehen sein. Er verschwindet hinter den Firmengebäuden.

Der hohe Anspruch an die Ästhetik ist am Schornstein an der Glockenspitz abzulesen. Mit Backsteinen sind Ornamente gemauert. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Früher, als Cargill noch nicht mit Erdgas heizte und trocknete, leitete der Schornstein die durch die Verbrennung von Kohle und Öl entstandenen Emissionen in obere Luftströmungen. Dafür besteht jetzt keine Notwendigkeit mehr. Die Rückbauarbeiten sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. "Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte Dezember - also noch vor Weihnachten - fertig sein werden", erklärte Beate Schierwagen.

Quelle: RP
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