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Krefeld
Caritas: Seit 100 Jahren mehr als eine kirchliche Hilfsorganisation

Krefeld. Im Stadttheater feierte Krefeld gestern das Jubiläum - musikalisch umrahmt durch die Big Band des Fabritianums. Zum Abschluss gab es Frauenkabarett. Von Jochen Lenzen

Nach einem Festgottesdienst mit dem Aachener Weihbischof Johannes Bündgens in der Dionysiuskirche begrüßte Vorstandsmitglied Hans-Georg Liegener rund 300 Gäste zum Festakt "100 Jahre Caritas in Krefeld" im Stadttheater mit dem gestrigen Losungswort des Herrnhuter Kalenders "Der Herr richtet die auf, die niedergeschlagen sind". Genau darum bemühe sich die Krefelder Caritas nun seit 100 Jahren, sagte Liegener und führte die vielfältigen Aufgaben der Krefelder Caritas auf. "Und damit werden wir auch in Zukunft fortfahren - nahe beim Menschen in Krefeld und Meerbusch."

Die Caritas sei mehr als nur eine kirchliche Hilfsorganisation, nämlich auch ein Sozialunternehmen, das 800 Patienten in der ambulanten Pflege und 570 Menschen in sechs Seniorenheimen betreue, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer. "Darüber hinaus ist sie ein Arbeitgeber, der sich der sozialen Verantwortung für mehr als 1100 Mitarbeitern bewusst ist." Applaus brandete auf, als er betonte, dass durch die Caritasarbeit mehr Werte verteidigt würden, als bei Demonstrationen gegen andere Menschen. "Bei der Caritas treffen wir gute Menschen. Wie bösartig müssen diejenigen sein, die despektierlich von Gutmenschen sprechen?!"

"Die Caritas ist der Dampf in der sozialen Maschine", zitierte der aus Freiburg angereiste Prälat Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbands, den Prälaten Lorenz Werthmann, der mit der Gründung des Caritasverbands 1897 die vielen sozialen Aktivitäten der katholischen Kirche unter einem Dach zusammengefasst hatte. Den geschichtlichen Bogen spannte er bis zum heutigen Sitz des Caritasverbands Krefeld im Hansahaus: "Was als Handelshaus genutzt wurde, ist später zum Hauptquartier der Gestapo und zum Ort der Repression und der Deportation jüdischer Mitbürger geworden. Dass dort heute der Caritasverband seinen Sitz hat, kann als Ausdruck der Hoffnung verstanden werden, dass Hass und Gewalt nicht das letzte Wort haben."

Mit der Versorgung eines Verunglückten durch einen Rettungswagen in der Einleitungsszene aus Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" und den - angesichts der problemlos abgelaufenen Bergung - profanen und unbeteiligt wirkenden Reaktionen umstehender Personen begann Professor Reinhard Feiter von der Universität Münster seinen Vortrag. In der theologisch-literarischen Betrachtung führte er den Zuhörern vor Augen, dass es sich bei der Romanszene um eine kritisch-ironische Reprise der Geschichte vom barmherzigen Samariter handelt. Der im Roman scheinbar reibungslos funktionierenden Rettungsgesellschaft stellte der Redner die spontane, direkte, persönliche Hilfe des Samariters gegenüber: "Barmherzigkeit passiert uns. Der Nächste ist, der Hilfe braucht", sagte Feiter. "Es gilt, Antwort zu geben auf Not, die Ihnen begegnet. Dann kann es geschehen, dass Ihnen in dem Bedürftigen auch Gott selbst begegnet."

Quelle: RP
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