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Krefeld
Carl-Diem-Weg: Wirbel um Straßennamen

Krefeld: Carl-Diem-Weg: Wirbel um Straßennamen
FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Der Rat hat beschlossen, den Weg wegen Rolle Diems im NS-Reich umzubenennen. Anwohner und CDU-Bezirksvertreter sind dagegen. Von Carola Puvogel

Eklat in der Bezirksvertretung Nord: Während der Beratung um die Umbenennung des Carl-Diem-Wegs ist es zwischen Vertretern der CDU Fraktion, Walter Fasbender und Wolfgang Feld, und Ralph-Harry Klaer von der SPD zu einem lautstarken Streit gekommen. Fasbender und Feld hatten sich die mehrheitliche Meinung der Anwohner zu Eigen gemacht, und dafür plädiert, den Namen Carl-Diem-Weg beizubehalten. Wolfgang Feld ging sogar so weit, für den umstrittenen Sportfunktionär, der im Dritten Reich unter anderem im März 1945 mit der so genannten "Sparta-Rede" Kinder und Jugendliche zum "finalen Opfergang für den Führer" aufrief und damit hunderte in den sicheren Tod schickte, in die Bresche zu springen. "Was hat denn der Carl Diem so Schreckliches gemacht? Was wirft man ihm vor? Bundesweit werden alle Straßen umbenannt. Was soll dieser Blödsinn?", fragte Feld in die Runde.

Die Debatte um die Person Carl Diem wird in Deutschland seit Jahren sehr kontrovers geführt. Viele Städte habe sich entschieden, nach ihm benannte Straßen umzubenennen, darunter nicht nur Münster und Mülheim, sondern auch Köln. Die Straße, an der die von Diem nach dem Krieg gegründete Deutsche Sporthochschule liegt, heißt seit 2007 "Am Sportpark Müngersdorf." Diem ist Erfinder des Deutschen Sportabzeichens, organisierte im Rahmen der von ihm mit-inszenierten Olympischen Spiele 1936 den ersten olympischen Fackellauf. Gleichzeitig wurden ihm antisemitische Äußerungen nachgewiesen, in Tagebüchern beschimpfte er Juden als "Semitenbande". Zeithistoriker Frank Becker belegte nicht nur, dass Diem 1943 vom Holocaust erfuhr, sondern konstatierte auch, dass Diem nie Reue gezeigt habe.

Eine interfraktionell besetzte Kommission unter der Leitung von Stadtarchiv-Chef Olaf Richter hatte im Frühjahr dem Krefelder Rat die Umbenennung der Straße empfohlen, der Rat war diesem Vorschlag bei Enthaltung der Grünen und der Linken einstimmig gefolgt.

Fasbender nannte es jetzt eine "bürgernahe Entscheidung", nicht gegen den mehrheitlichen Willen der Anwohner zu entscheiden. Die Straße solle weiter Carl-Diem-Weg heißen.

In einer Mail an die Bezirksvertreter hatten die Anwohner geschrieben, sie müssten den Aufwand, der mit einer Umbenennung einhergehe, schultern. Die Neubenennung erfolge gegen ihren mehrheitlichen Willen.

Entsetzt zeigte sich SPD-Sprecher Ralph-Harry Klaer. "Ich kann es kaum glauben, was ich hier zu hören bekomme", sagte er unter Applaus. "Carl Diem hat dafür gesorgt, dass jüdische Sportler an der Olympiade 1936 nicht teilnehmen konnten. Er hat sich sehr dafür eingesetzt, dass Jugendliche für Hitler in den Tod gehen. Das ist schriftlich belegt, das sind seine Hetzschriften." Und weiter: "Ich bitte zu bedenken, dass wir in dieser Stadt nicht nur am Carl-Diem-Weg wohnen, sondern auch mit dem Carl-Diem-Weg. Das bedeutet, dass ich Besuchern erklären muss, warum jemand wie Carl Diem hier noch geehrt wird. Und da möchte ich nicht argumentieren: 'Weil wir den Menschen nicht zumuten möchten, Briefköpfe zu ändern.'" Es sei Bürgerpflicht, sich vom Nationalsozialismus, vom "braunen Pack", einem Begriff, den Klaer hier ausdrücklich verwende, zu distanzieren, und auch von denen, die ihnen geholfen haben.

Fasbender wertete Klaers Redebeitrag als persönlichen Angriff. Es sei eine "bodenlose Unverschämtheit" die Klaer an den Tag lege "uns mit 'Braunen Pack' gleichzusetzen". Klaer solle "nach Hause gehen".

Jutta Pilat (FDP), Mitglied der interfraktionellen Kommission, zeigte sich "bitter enttäuscht". "Die Kommission hat sich viel Mühe gegeben und ist einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass wir diesen Namen in der Stadt nicht mehr haben möchten."

Der Beschluss über die Neu-Benennung der Straße wurde schließlich vertagt und soll in der nächsten Sitzung des Gremiums im November erneut beraten werden. Die beiden von der Verwaltung favorisierten Vorschläge sind "Edith-Stein-Weg" und "Hubert-Houben-Weg".

Quelle: RP
 
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