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Krefeld
CDU-Granden schalten sich in Wahlkampf ein

Krefeld. Zwei CDU-Granden aus Zeiten, in denen die Christdemokraten in Krefeld satte Mehrheiten einfuhren, machen Wahlkampf für Peter Vermeulen: Hansheinz Hauser und Dieter Pützhofen. Dennoch wurde es interessant. Von Jens Voss

Ein Wiedersehen mit Hansheinz Hauser ist eigentlich immer beeindruckend: Heute wird er 93 Jahre alt; er ist geistig klar, erinnert mit seiner rheinisch gefärbten Sprache ein bisschen an Adenauer und hat sich Schärfe im Urteil ebenso bewahrt wie unprätentiöse Direktheit: Er ärgere sich bis heute, sagt er irgendwann, wie die Rüttgers-CDU die Regierung wieder aus der Hand gegeben habe: "Nicht weil die SPD so gut war; das haben wir allein geschafft." Auf seinen Geburtstag angesprochen, sagte: "Ist eine krumme Zahl. Aber man ist froh, dass man sich soweit durchgerobbt hat." Und lacht. Da blickt kein Greis nostalgisch zurück, da spricht ein nüchterner, politisch wacher Kopf, dem das Alter zusetzt. Ein großer Unterschied.

Auch bei Pützhofen (73) blitzt immer wieder durch, was ihn in seiner aktiven Zeit zum Menschenfischer werden ließ, der zuletzt 63 Prozent geholt hat: Er ist ironiefähig; gebildet, ohne zu protzen; mal witzig, mal hart - einer der gewinnend sein und schlagen kann. Nicht umsonst hat der Grüne Rolf Rundmund über ihn einmal gesagt (und zwar grinsend und voller Respekt): Wenn man ihm die Hand gab, tat man gut daran, die Finger nachzuzählen. Pützhofen, der Fuchs: Er beherrscht die Klaviatur der Stile und bewahrt sich Eleganz auch im Kampf: "Haben wir eigentlich schon gesagt, dass wir Herrn Vermeulen für den richtigen Mann im Rathaus halten", sagt er am Schluss des Gesprächs mit einem Lächeln. Eine hübsche Pirouette: Na klar möchte er an den Zweck dieses Gesprächs erinnern, aber er tut es nicht rumpelig, sondern auf eine Weise, die das Gegenüber ernst nimmt. Ich weiß, dass du weißt, dass wir wissen, warum wir hier sitzen.

So macht es durchaus Spaß, mit diesen beiden alten Erfolgreichen zu reden. Und wenn Vermeulen später sagt, beide seien für ihn Vorbilder, so belegen sie, warum man so etwas als CDU-Mann gut begründet sagen kann, ohne als Nostalgiker dazustehen: Pützhofen und Hauser sind die Falschen, wenn man einfach mal rührselig zurückblicken will. Ein kluger Zug, sich den beiden Kämpen zuzugesellen. Es geht auch um Trends in der Politik. Pützhofen beklagt die "Zerbröselung von Kommunalpolitik": "Heute kommt man mit 150, 160 Stimmen in den Rat. Es gibt keine respektable Untergrenze mehr. Heute kann alles, was keine Kiemen hat, in den Rat."

Die Kommunalreform, die den ehrenamtlichen Oberbürgermeister zum Verwaltungschef gemacht hat, hält er nicht für falsch: "Mich haben die Leute für alles Mögliche verantwortlich gemacht, als ich noch ehrenamtlicher Oberbürgermeister war, aber ich war nicht zuständig für das Verwaltungshandeln. Aus dieser Situation heraus sind die Ämter des Oberstadtdirektors und des Oberbürgermeisters verschmolzen worden."

Pützhofen schätzt, dass sich in NRW das vollziehen wird, was in Süddeutschland längst gang und gäbe ist: dass sich Kommunen Juristen und Leute mit Verwaltungserfahrung als Spitzenleute holen. Natürlich sieht er Vermeulen, der als Dezernent in Mülheim Verwaltungserfahrung gesammelt hat, auf der Spitze dieses Zeitpfeils.

Würde auch heißen: Die Zeiten totaler Konfrontation gehen zur Neige - in Krefeld ist das bei der Haushaltskoalition aus SPD, CDU und Grünen spürbar. Dass der Wahlkampf von keinem der Kandidaten bisher auf Konfrontation angelegt war, liegt für Hauser auch auf dieser Linie: "Ich habe den Eindruck, die Leute wollen keinen klassischen Wahlkampf mehr. Sich die Köppe einschlagen ist nicht der Stil, der gewollt ist." Vermeulen betont, dass er auch in der Schlussphase nicht damit beginnen will: "Wir werden zu einer Vertrauenskultur finden müssen. Im Moment herrscht eine Misstrauenskultur. Man muss aber immer Zweckbündnisse eingehen." Das bedeute nicht die Abwesenheit von Streit, betont Vermeulen, "aber dieser Streit wird wertschätzend ausgetragen". Hauser hofft auch um Krefelds willen, dass die Phase des erbitterten Kampfes vorbei ist: "Bisher war es so: Wenn irgendwo eine Tasse kaputtgegangen ist, war Kathstede daran Schuld. Es ist aber nicht so, dass in den letzten 20 Jahren nichts passiert ist. Gerade in den letzten Jahren hat sich einiges getan. Aber alles ist zerredet worden."

Hauser und Pützhofen betonen, dass es wichtig für eine Kommune ist, regional vernetzt zu sein. Den Austritt aus der Niederrhein-Tourismus AG hält Pützhofen dann auch für Unfug. Gefragt, ob dieses Gerede von der Vernetzung in der Region nicht eher eine bunte Papier-Girlande ist, verneint er entschieden: "Natürlich hat das auch etwas von Hätscheln, aber nach drei Jahren hätscheln kann der Moment kommen, in dem du die Truppen zusammenhältst." Hauser und Pützhofen glauben zudem, dass die Kommunen nur vereint mehr politisches Gewicht entfalten - auch um sich dem finanziellen Niedergang mittlerer Kommunen wie Krefeld und Mönchengladbach entgegenzustemmen. "Die Art, wie die Kommunen immer mehr Aufgaben bezahlen müssen, ohne dafür finanziell ausgestattet zu werden, hat in den letzten zehn Jahren meiner Amtszeit begonnen", sagt Pützhofen. Dabei habe Krefeld ähnlich harte Einbrüche bei der Textilindustrie hinnehmen müssen wie etwa Duisburg beim Stahl. Hauser erinnert sich: "Während die Stahlarbeiter die Brücke von Rheinhausen blockiert haben, ist dieser Mittelstand bei uns leise gestorben."

Pützhofen lenkt den Blick schließlich aus der Vergangenheit wieder in die Zukunft Krefelds - mit Vermeulen, wie er lächelnd betont. Da ist es wieder: das Lächeln des alten Fuchses.

Quelle: RP
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