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Krefeld
Unfall im Chempark - ein Wechselbad der Gefühle

Krefeld: Zwölf Verletzte bei Explosion im Chempark
Krefeld: Zwölf Verletzte bei Explosion im Chempark FOTO: RP
Krefeld. Die Belegschaft von Huntsman im Uerdinger Chempark hat schreckliche Stunden hinter sich: Die ersten Nachrichten von der Explosion klangen furchtbar. Rettungskräfte und Feuerwehr arbeiteten schnell und im Urteil aller fabelhaft zusammen. Von Jens Voss

Die Huntsman-Belegschaft hat ohnehin harte Zeiten hinter sich: Im Uerdinger Werk sind gerade 180 Arbeitsplätze abgebaut worden; und jetzt trifft den Standort auch noch dieser schwere Unfall, der am Anfang nach einer Katastrophe aussah, bei der mit Toten und etlichen Verletzten gerechnet worden war. Am Ende des Tages herrschte so etwas wie Erleichterung, dass die Explosion, die nach Augenzeugenberichten Hunderte Meter weit zu spüren war, weniger Schaden angerichtet hat als befürchtet: Es gab zwölf Verletzte, davon einer schwer, der aber nicht in Lebensgefahr ist. "Ich bin froh und erleichtert, dass wir keinen Toten zu beklagen haben und die Folgen, gemessen an den ersten Meldungen, relativ glimpflich sind", sagte dann auch gestern Abend Oberbürgermeister Kathstede. Er hatte sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Krefeld: Große Staubwolke nach Explosion im Chempark FOTO: Markus Schneider

Wie die Gefühle in der Belegschaft sind, war gestern nur zu ahnen; es war niemand erreichbar; zu drängend waren die Ereignisse. Der Betriebsratsvorsitzende von Huntsman, Hans Hirche, war gestern bis in den Abend ständig auf dem Gelände unterwegs.

Einer, der nah dran ist an Krefelds Arbeitnehmern, ist DGB-Chef Ralf Köpke. Er erinnerte daran, dass die Leute dort gerade die deprimierende Phase des Arbeitsplatzabbaus hinter sich haben und nun diesen Schlag verkraften müssen. "Wir sind erschüttert und geschockt über das Unglück bei Huntsman", sagte er im RP-Gespräch, "unser ganzes Mitgefühl gilt den Verletzten, Kollegen und deren Angehörigen."

Fakten zum Chempark Krefeld-Uerdingen FOTO: Currenta

Sichtlich beeindruckt von der Leistung der Rettungskräfte war Oberbürgermeister Kathstede: "Der Einsatz der Helfer von den Feuerwehren über das THW bis zu den Maltestern hat hervorragend geklappt", resümierte er, "und ich habe hohen Respekt vor dem Einsatz der Feuerwehrleute. Man muss sich klarmachen, dass sie eben doch ihr Leben riskieren, weil man nicht sofort weiß, was noch passiert. Wir haben ihnen sehr zu danken."

Im Einsatz waren 140 Mann, davon 60 Krefelder: Berufsfeuerwehrleute der Wachen Eins und Zwei sowie die Freiwilligen Feuerwehren von Traar, Oppum und Fischeln. Unterstützt wurden sie von der Werksfeuerwehr des Chemparks. Angefordert waren auch Kräfte aus Düsseldorf und Duisburg.

Schwere Chemie-Unfälle in der Region FOTO: RP

Der Chempark war gestern von Anfang an bemüht, die Öffentlichkeit rasch zu informieren und Transparenz herzustellen. Über die Presse wurde laufend der Stand der Erkenntnisse kommuniziert, und sobald es die Lage zuließ, wurde eine Gruppe von Journalisten zum Unglücksort geführt. Besorgte Bürger konnten sich über eine Nachbarschaftshotline auch selbst informieren, ob etwa Gefahr durch freiwerdende Giftstoffe besteht.

Die bestand nicht: Bei dem Ereignis traten kurzzeitig Titandioxid und Stickstoff aus. Titandioxid ist ein weißes Farbpigment, das unter anderem in Zahnpasta enthalten ist. Ein Luftmesswagen war im Einsatz, es wurden keine erhöhten Werte festgestellt. Die Halle wurde im Laufe des Nachmittags für die Rettungskräfte gesperrt, weil Asbestverdacht bestand - dies hat aber wohl mit dem Alter der Halle zu tun: Sie stammt wohl aus einer Zeit, in der Asbest beliebter Baustoff war. Gestern Abend hieß dann, die Wagen der Berufsfeuerwehr seien möglicherweise kontaminiert; daher übernahm die Freiwillige Feuerwehr Hüls die Brandwache.

Quelle: RP
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