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Krefeld
Chempark: Zwei Milliarden Euro investiert

Krefeld: Chempark: Zwei Milliarden Euro investiert
Im vergangenen Jahr haben Currenta und die Chempark-Betriebe wie Covestro und Lanxess 300 Millionen Euro in Uerdingen investiert. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Zehn Jahre nach der Ausgliederung aus dem Bayer-Konzern zieht Chempark-Leiter Lars Friedrich eine eindrucksvolle Bilanz: Die Zahl der Beschäftigten am Standort in Uerdingen ist mit 7732 auf einem Höchststand. Von Norbert Stirken

Ein Jahr ist Lars Friedrich als Leiter der Chemparks in Krefeld, Dormagen und Leverkusen im Amt: Gestern hatte der neue Chef jedoch weniger seinen Jahrestag als vielmehr die Bilanz zum zehnten Geburtstag der Chemieparks - einem der größten in Europa - im Blick. 2007 wurden die drei Standorte aus dem Bayer-Konzern ausgegliedert. Die Betreibergesellschaft ist die Currenta GmbH & Co OHG. Im Fokus stand gestern die Entwicklung in Uerdingen: Mehr als zwei Milliarden Euro sind dort in der zurückliegenden Dekade investiert worden. "Das ist der Gegenwert von sieben Elbphilharmonien", sagte Friedrich und bezog sich auf die geplanten Kosten von 300 Millionen Euro für das Renommeeprojekt in Hamburg. Am Ende ist das Prestigebauwerk deutlich teurer geworden. Egal. Das ändert nichts an der beeindruckenden Investitionssumme, mit der die im Chempark ansässigen Unternehmen und die Currenta deutlich machen, dass der Standort auch zukünftig erhalten und vielen Menschen Arbeit bieten soll.

Die Zahl der Beschäftigten sei im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 7700 gestiegen, sagte Friedrich. Darunter sind mehr als 400 Auszubildende. Alle zusammen verfügten über eine Kaufkraft von etwa 200 Millionen Euro, von denen Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieb sowie Vermieter in der Region profitierten. Darüber hinaus freut sich die Stadt Krefeld über ihren Anteil an der Einkommensteuer der Beschäftigten und die Gewerbesteuer der Betrieb im Chempark.

Im vergangenen Jahr investierten die im Chempark ansässigen Unternehmen rund 300 Millionen Euro in neue Anlagen und Instandhaltungsmaßnahmen - 40 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und nur sieben Millionen Euro weniger als der erhobene Bestwert seit Bestehen des Chempark. Die Summe setzt sich aus 125 Millionen Euro für neue Anlagen und 174 Millionen Euro für die Instandhaltung zusammen.

Chemie-Produktion braucht Energie - und das verlässlich rund um die Uhr. Um eine zuverlässige Stromversorgung auch in den kommenden Jahren zu gewährleisten, wurden im November 2017 und im Januar 2018 zwei Transformatoren zur Spannungswandlung ausgetauscht. Diese Transformatoren sollen viele Unternehmen im Chemiepark mit Strom versorgen und sind daher dementsprechend groß. Aufgrund ihrer Größe wurden sie als nächtliche Schwertransporte im Chempark angeliefert. Beide Transformatoren sind nun in Betrieb.

Darüber hinaus plant Currenta die Stromversorgung des Chempark Uerdingen zu erweitern. Um dem Energiebedarf der Chemieunternehmen auch zukünftig Rechnung tragen zu können, wird ein Anschluss an das 380-Kilovolt-Netz angestrebt. Hierzu führt Currenta Gespräche mit dem Netzbetreiber Amprion. Die Errichtung einer neuen Schaltanlage und entsprechender Transformatoren wird für 2021 ins Auge gefasst. Bislang ist der Chempark an das 220kV-Netz und an das 110kV-Netz angeschlossen.

Damit es rund läuft im Chemiepark, benötigen alle Produktionsbetriebe Dampf. Dieser Dampf ist für viele chemische Produktionsprozesse Grundvoraussetzung. In verschiedenen Druckstufen und Temperaturen gelangt er über Rohrleitungen in die einzelnen Betriebe. Dabei ist es wichtig, dass der Dampf in der Nähe der Betriebe produziert wird, weil über lange Transportwege Temperatur und Druck absinken. Currenta als Manager und Betreiber des Chempark hat im vergangenen Jahr erheblich in die Energie-Infrastruktur des Standortes investiert. Zwei neue Dampfkessel sollen voraussichtlich im dritten Quartal 2018 in Betrieb genommen werden. Ihnen voran ging Anfang 2016 bereits ein erster Dampfkessel, in den das Unternehmen rund 15 Millionen Euro investierte. Weitere Schritte hängen von den energiepolitischen Rahmenbedingungen ab. Mit der Energiewende sei ein Verlust an Planungssicherheit entstanden, der es nahezu unmöglich mache, heutzutage einen Investor für das seit Jahren diskutierte und benötigte Gas- und Dampfkraftwerk zu finden, sagte Friedrich. Dampf werde in hohem Maße im Chempark benötigt. Bis September solle deshalb eine Entscheidung über den Bau von Leitungen aus der Müllverbrennungsanlage fallen, um einen Wärme-(Dampf-)verbund mit den Stadtwerken zu realisieren.

In Planung sei darüber hinaus die Entwicklung des Autohofs, um die Logistik zu optimieren. Sichtbarer seien die Probleme, die sich aus der dringend notwendigen Instandhaltung und dem Ausbau öffentlicher Verkehrswege ergeben. "Eine uneingeschränkt nutzbare und leistungsfähige Infrastruktur ist wichtig für die Zukunftsfähigkeit der Industrie hier im Land - für die Chempark-Standorte hat sie sogar existenzielle Bedeutung. Dies gilt insbesondere für die Autobahn-Situation im westlichen NRW", betont Friedrich. "Ersatzbauwerke für die Rheinbrücken der A 1 und der A 40, der Ausbau der A 57 sowie der Neubau einer Rheinquerung bei Köln-Godorf sind dringend nötig. Darüber hinaus möchten wir aber auch aktiv die Mobilität von morgen mitgestalten und deshalb sind wir auch dem Bündnis für Mobilität beigetreten, welches Verkehrsminister Hendrik Wüst vor knapp einem Monat gegründet hat", so Friedrich weiter.

Quelle: RP
 
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