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Krefeld
Chopins Klavierkonzert in vollendeter Schönheit

Krefeld. Beim hochkarätigen vierten Sinfoniekonzert beeindruckte der Pianist William Youn das Publikum. Von Heide Oehmen

Ein Klangrausch beendete das vierte Sinfoniekonzert im sehr gut besuchten Seidenweberhaus. Die Niederrheinischen Sinfoniker einschließlich zahlreicher Aushilfen mit dreifachem Holz, sechs Hörnern, großem Blechbläser -und Schlagwerkapparat, zwei Harfen und zwei Tasteninstrumenten zelebrierten den virtuellen Aufmarsch eines Konsuls auf der Via Appia. Das war der grandiose Abschluss der "Pinien von Rom" aus der Feder des italienischen Komponisten Ottorino Resphigi(1879-1936). Erster Kapellmeister Alexander Steinitz war hier ganz in seinem Element und entlockte dem beeindruckenden Klangkörper mit großer Intensität berückende Klangpracht, die ebenso - wenn auch in den musikalischen Aussagen ganz unterschiedlich - den ersten drei Teilen dieses faszinierenden Tongemäldes zuteil wurden: (Die Pinien der Villa Borghese, in der Nähe der Katakomben und auf dem Gianicolo).

Fast gleich groß besetzt war auch das Werk, mit dem der Abend begann - das "Konzert für Orchester" von Witold Lutoslawski (1913-1994). Der polnische Komponist legte seinem Opus Volksmelodien zugrunde und versah die Sätze mit barocken Bezeichnungen wie Intrada, Toccata oder Passacaglia. Steinitz und sein Orchester hatten die in jeder Weise komplizierte Komposition minuziös erarbeitet, doch trotz des erstaunlich ausgiebigen Beifalls war zu spüren, dass die ungewohnte und größtenteils schroffe Tonsprache viele Zuhörer nicht erreichte.

"Jetzt kommt das Schöne" raunten sich anschließend nicht Wenige zu, und dann kam "das Schöne" in Vollendung. Für das hier schon sehr lange nicht mehr erklungene 2. Klavierkonzert f-Moll von Frédéric Chopin war mit dem 36-jährigen William Youn ein hörbar an Mozart geschulter, sensibler Interpret mit exzellenter Spielkultur gefunden. Wirkte die Interpretation des Koreaners, der seit langem in München lebt, im ersten Satz noch ein wenig distanziert, fesselte er im Larghetto - in reizvollem Duettieren mit dem neuen Solofagottisten David Schumacher - und im folkloristisch gefärbten schwungvollen, teils hoch virtuosen "Allegro vivace" umso mehr. Das Orchester, von Chopin weitgehend auf Begleitfunktion reduziert, sekundierte hingebungsvoll und mit Delikatesse. Das Publikum überschüttete den international begehrten Gast mit Applaus und freute sich über eine wunderschöne Zugabe.

Wiederholung des Konzertes: Freitag, 26.Februar, 20 Uhr, Seidenweberhaus

Quelle: RP
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