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Krefeld
Chor nach 18 Jahren wieder vereint

Krefeld: Chor nach 18 Jahren wieder vereint
Aus den Mädchen von 2002 sind Frauen geworden, aber die Texte von damals sitzen immer. Das stellten die Sängerinnen des Schönwasserchores bei den Proben mit Annette Kwee fest. FOTO: Mark Mocnik
Krefeld. Sie waren einst ein Kinderchor: Am 19. Dezember treten die Schönwasser-Sängerinnen erstmals wieder gemeinsam auf. Von Daniela Lukaßen

"Maria durch ein Dornwald ging" schallt es aus den Räumen des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses in Bockum. Und für die, deren Stimmen dort zu hören sind, fühlt sich das Ganze wie eine kleine Zeitreise an. Seit August treffen sich Mitglieder des ehemaligen Schönwasser Kinder- und Jugendchores Krefeld regelmäßig, um gemeinsam zu singen. Ihr Ziel ist ein Auftritt beim Weihnachtskonzert der A-cappella-Gruppe melodic, die die Idee zu diesem Projekt hatte. "Wir haben ein Chorkonzert in der Kölner Philharmonie besucht", erinnert sich Annette Kwee, Sängerin bei melodic und selbst ehemaliges Schönwasser-Mitglied. Während des Konzertes wuchs bei den Musikerinnen der Wunsch, ein Konzert mit weiteren Sängerinnen aus dem Kinder- und Jugendchor zu organisieren. "Wir haben dann mit Eva French, der ehemaligen Leiterin, gesprochen", erzählt sie. Die war begeistert und erklärte sich gleich dazu bereit, den Chor beim Konzert zu dirigieren. "Ich freue mich, meine kleinen Mädchen, die jetzt starke Frauen sind und zu einem großen Teil selbst Kinder haben, wieder zu sehen und gemeinsam mit allen nach rund 18 Jahren in weihnachtlicher Atmosphäre singen zu dürfen", sagt die Musikerin, die inzwischen in Barcelona lebt.

1983 wurde der Schönwasser Kinder- und Jugendchor von Brigitte French gegründet. Besonders Volks- und Kunstlieder sowie geistliche und weltliche Chorstücke zählten zum Repertoire der Kinder und Jugendlichen, die mit ihrem Gesang bis weit über die Grenzen Krefelds hinaus bekannt waren. 1994 übernahm Eva French den Chor von ihrer Mutter Brigitte.

Im Ernst-Moritz-Arndt-Haus wird inzwischen weiter geprobt. Auf dem Programm stehen die Stücke, die schon früher zum Repertoire der Sängerinnen gehörten: "Once in Royal", "Joy to the world" oder "Oh du stille Zeit". "Ich war überrascht, dass ich noch so viele Texte konnte, als wir das erste Mal geprobt haben", sagt Daniela Gude. Judith Juretzko, die neben ihr steht, nickt. "Für mich ist das Ganze mit richtigen Flashbacks verbunden", sagt die heute 35-Jährige und erklärt: "Der Chor hat mich in meiner ganzen Jugend begleitet. Als ich hier anfing, war ich zehn Jahre alt, und immer spielte das Singen eine wichtige Rolle für mich." Ein Gefühl, das auch Kristin Heume kennt. Sie kam mit vier Jahren in den Chor. Heute ist sie 26 und extra für die Probe aus London angereist, wo sie nun lebt. Ein Stückchen entfernt steht Carmen Sorrentino und lacht mit einer ehemaligen Chorfreundin. "Als wir uns im Sommer das erste Mal getroffen haben, kam es mir vor, als ob die letzte Probe gerade erst in der vergangenen Woche gewesen wäre", sagt sie und lächelt.

2002 wurde der Schönwasser Kinder- und Jugendchor aufgelöst. Für viele der Sängerinnen ging damit auch eine der besten Zeiten ihres Lebens zu Ende, wie sie heute sagen. Konzertreisen, Auftritte, Gesangswettbewerbe und Freundschaften gehörten für viele der Mädchen selbstverständlich dazu. "Umso schöner ist es, dass wir nun wieder gemeinsam ein Konzert geben", sagt Judith Klinke. "Das, was man als Kind so sehr geliebt hat, macht einen auch im Erwachsenenalter noch glücklich."

Dann singen die ehemaligen Schönwasser-Kinder ihr letztes Stück für heute. Und für einen kurzen Moment voller Gänsehaut und Erinnerungen fühlen sie sich noch einmal wie die Mädchen, die sie damals waren.

Quelle: RP
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