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Krefeld
Dachbegrünung belebt das Stadtklima

Krefeld: Dachbegrünung belebt das Stadtklima
Ein Hingucker ist das begrünte Dach des Sparkassen-Gebäudes an der Rheinstraße. Die Gärten stammen noch aus den 1980er Jahren und sind kosten- und pflegeintensiv. Heute gibt es jedoch wesentlich bessere und nachhaltigere Technik. FOTO: Samla
Krefeld. Beim Stadtspaziergang der Grünen erklärte ein Landschaftsgärtner die Vorteile von bepflanzten Dächern. Von Julia Schleier

Im Rahmen der Krefelder Stadtspaziergänge, organisiert von den Grünen, besichtigte eine Gruppe Interessierter am Freitag das Gründach auf der Sparkasse zwischen Ostwall, Luisen- und Rheinstraße. Danach hielt der Landschaftsgärtner und Uni-Dozent Benjamin Küsters einen interessanten Fachvortrag. Der Aktionstag war Start einer Informationskampagne der Grünen, bei der die positiven Eigenschaften von bepflanzten Dächern vermittelt werden sollen.

Urbanisierung und Bodenversiegelung bringen viele negative ökologische Begleiterscheinungen mit sich. Vor allem Feinstaub- und CO2 Belastung, Insektensterben und Klimaveränderungen erreichen besorgniserregende Ausmaße. Diese Veränderungen könne man laut Küsters, der sich auf Stadtentwicklung und Dachbegrünung spezialisiert hat, beispielsweise an der Aufheizung der Innenstädte, vermehrtem Starkregen und Hochwasser wie 2014 in Münster erkennen. Die Begrünung von Dächern zählt zu den wirkungsvollsten Maßnahmen, um den Eingriff in die Natur ansatzweise zu kompensieren.

Heidi Matthias (Grüne) und Gotthard Ulbrich, Leiter des Baumanagements der Sparkasse Krefeld, auf dem Gründach. FOTO: SAMLA FOTOAGENTUR

Solche Dächer bieten nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere und binden Feinstaub sowie Schadstoffe aus der Luft, sie können auch Regenwasser speichern und zurückhalten. Wer ein Gründach hat, kann deshalb eine 50-prozentige Reduzierung der Niederschlagswassergebühren beanspruchen. Darüber hinaus verbessern Dachgärten das Mikroklima, schützen Dachdichtungen, dienen als Lärm-, Hitze- und Kälteschutz und stellen nicht zuletzt ein wohltuendes gestalterisches Element dar. Eine mit dem heutigen Standard vergleichbare Wärmedämmung erreiche die Dachbegrünung jedoch nicht mehr, erklärte der Uni-Dozent.

Generell unterscheidet man zwischen intensiver Dachbegrünung, der aktiven Bepflanzung von Dächern, und extensiver Begrünung, einem Bewachsenlassen des Daches nach entsprechender Herrichtung. Ein richtiger Unterbau ist laut Küsters bei beiden Formen notwendig, einfach Erde und Saat auf das eigene Garagendach zu schütten sei der falsche Weg. Heidi Matthias, Fraktionsvorsitzende der Grünen erzählt, dass es mittlerweile für rund 600 Euro fertige Sets zur Begrünung der eigenen Garage gebe. Wer sein Dach begrünen will, sollte sich aber in jedem Fall über die verschiedenen Gründacharten informieren. Ein Spardach kann in beinah jedem Umfeld angelegt werden. Diese extensive Variante findet sich auch auf dem Rheinstraßengebäude der Sparkasse. Sorgen um die Statik des Gebäudes müsse man sich selten machen, erklärte Küsters. Aufgeschütteter Kies, der oft auf Flachdächern zu finden ist, wiege ähnlich viel wie ein mit Regenwasser vollgesogenes Spardach. Die Unterhaltskosten seien ebenfalls gering. Um aber sicherzugehen, dass kein ausgeprägtes Wurzelwerk das Dach zerstören kann, sollten aggressive sowie holzige Pflanzen ab und zu entfernt werden.

Auch ein sogenanntes Naturdach wurde auf dem Sparkassengebäude angelegt. Eine solche Wildwiese wird meist mit Büschen, Kräutern, Gräsern und Obststräuchern aus der Region bepflanzt. Diese intensiv begrünten Gärten auf der Sparkasse stammen noch aus den 80er Jahren und seien sehr kosten- und pflegeintensiv. Heute gebe es bessere Techniken, erklärte Gotthard Ulbrich, Leiter des Baumanagements der Sparkasse Krefeld.

"Der letzte Schrei in der Dachbegrünung ist das Retentionsdach", sagte Küsters. Die Stadtkanalsysteme wären nicht immer auf die heutige Gebäudeanzahl ausgelegt und könnten daher leicht überfluten. Retentionsdächer können Regenwasser zunächst stauen und danach gedrosselt an die Kanalisation abgeben. Dabei wird ständig eine bestimmte Wassermenge gespeichert, durch deren Verdunstung die Dachpflanzen bewässert werden. Eine Innovation ist die Kopplung dieser Mechanik mit einer Wetter-App. Dadurch könne der Wasserspeicher vor einem Starkregen langsam geleert und somit Platz für mehr neues Wasser geschaffen werden. Auf Garten- und Landschaftsdächern könne man sogar Gemüse anbauen. Die größten Probleme der Begrünung sind laut Küsters Dachundichtigkeiten. Kann man nicht rausfinden, welche Stelle undicht ist, muss die komplette Fläche abgebaut werden. In Zukunft sollen Drohnen mit UV-Kameras bei der Lokalisierung fehlerhafter Stellen helfen.

Heidi Matthias ist begeistert, dass bei der Versiegelung einer so großen Fläche wie der Sparkasse darauf geachtet wurde, einen ökologischen Ausgleich zu schaffen. Unverständlich ist für sie, dass es in Krefeld sonst nur wenig begrünte Dächer gibt: "Bedauerlicherweise befassen sich Architekten und Bauherren kaum mit Dach- oder Fassadenbegrünung; in anderen Städten wie Düsseldorf sieht das ganz anders aus. Dort bietet die Stadt finanzielle Anreize und die Gründachbilanz sieht inzwischen beachtlich aus."

Quelle: RP
 
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