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Zum Tage
Das Böse nicht mit Waffenbekämpfen

Ich habe ihn noch nie so schmerzhaft erlebt wie jetzt: Den Missbrauch der Religion für Geldgier und Machtanhäufung, und sogar für rauschhaftes Töten. Daher beschäftige ich mich erneut mit dem Kern meiner christlichen Religion, gerade jetzt in der Adventszeit, der Zeit des Wartens auf die Geburt Jesu.

Schärfer als bisher fällt mir auf, wie sehr sich der Umgang Jesu mit dem Bösen vom Üblichen unterscheidet. Auch mit dem Missbrauch des göttlichen Namens für Partikularinteressen ist er anders umgegangen, auch mit dem religiös verbrämten Mord.

Jesus hat das Böse böse genannt und nicht beschönigt. Er war ganz klar und deutlich darin, Menschenverachtung zu benennen, auch wenn sie sich religiös tarnte. Er hat dabei besonders die Marginalisierten im Auge gehabt.

Aber er hat das Böse nicht mit Waffen bekämpft. Als sein Schüler Petrus, so erzählt es die Bibel, das Schwert zog, um gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen, wies Jesus ihn zurück. Er ließ sich eher gefangen nehmen, foltern und töten, als dass er selbst zum Gewalttäter oder zum Anlass der Gewalt wurde. Er hätte tausendmal mit Recht sagen können, dass er sich ja nur wehrt und seine Gewalt nur Gegengewalt wäre. Gewalt wird immer als Gegengewalt gerechtfertigt. Ich denke, die Überwindung des Bösen ohne Gewalt ist der Kern des Christentums.

Ich bin froh über JC. Es ist auch interessant, über einen weiteren Punkt nachzudenken: Im Zentrum des christlichen Glauben steht nicht ein Text, nicht ein Gesetz, auch kein biblisches, sondern ein Mensch: Der Mensch und Gottessohn Jesus Christus.

Mag die Christenheit in ihrer Geschichte auch vielfach gegen das Gebot der Gewaltlosigkeit verstoßen haben, Jesus jedenfalls lehrte: Liebet eure Feinde! In moderneren Begriffen gedacht: Respektiert die Würde eurer Feinde. Wir feiern Advent. Was hätte der, auf dessen Kommen wir warten, wohl zu den Konfliktparteien unserer Zeit gesagt?

Detlef Wendler

Psychiatriepfarrer iR

Quelle: RP
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