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Krefeld
Das Bootshaus-Wunder - heute vollendet

Krefeld: Das Bootshaus-Wunder - heute vollendet
Das Foto lässt ahnen, warum die Sanierung 120.000 Euro gekostet hat. FOTO: Reymann
Krefeld. Es ist die Geschichte einer erstaunlichen Rettung: Der Abrissantrag war bereits unterschrieben - dank eines unglaublichen bürgerschaftlichen Engagements wurde das Kleinod gerettet. Heute wird es der Stadt übergeben. Von Jens Voss

Das war knapp. Gerettet wurde nicht ein nettes Häuschen, sondern ein Kleinod der Gartenkunst: Das Ensemble aus Deuß-Tempelchen und Bootshaus am Stadtwaldweiher steht in der Tradition des Landschaftsgartens, wie er sich seit dem 18. Jahrhundert als Gesamtkunstwerk herausgebildet hat. Der Landschaftsgarten in seiner Vollendung war eine Mischung aus stilisierten Naturbildern und Zitaten der Kunstgeschichte - intendiert war eine Bildungslandschaft, die den Menschen besser machen sollte. Und glücklich. Das Bootshaus zu retten, war insofern eine kunstgeschichtliche Tat. Dies muss man in einer Stadt betonen, die ihren bedeutendsten Landschaftsgarten "Wald" nennt. Stadtwald nämlich.

Die Rettungsgeschichte des Bootshauses begann im November 2011, als die SPD-Ratsfrau Gerda Schnell den desolaten Zustand des Häuschens entdeckte und Alarm schlug. Wie sich herausstellte, war der Abbruchantrag schon unterschrieben - erst nach vielen hartnäckigen Nachfragen von Gerda Schnell und einem Kollektiv-Protest des Denkmalausschusses (dessen Vorsitz Schnell innehatte) im Februar 2012 wurde der Abriss gestoppt. Was Gerda Schnell dann anzettelte, gehört zu den erstaunlichsten Zeugnissen bürgerschaftlichen Engagements der jüngeren Vergangenheit: Die Ratsfrau sammelte Mitstreiter, gründete die Initiative "Rettet das Bootshaus", und alle zusammen kratzten fortan mit verschiedensten Aktionen 123.766 Euro zur Sanierung des Bootshauses zusammen: Jochen-Butz-Gala, Entenrennen der Lions, bemalte Steine des Künstlers Frank Jacob Esser - sogar Nscho-Tschi alias Marie Versini warb für die Rettung.

So sah es aus, als 2011 die Geschichte der Rettung begann: Überall Bilder des Verfalls. FOTO: Reymann

Das liest sich viel glatter, als es war. Architekt und Krefelds rührigster Denkmalschützer Klaus Reymann hat 2013 erst einmal auf eigene Rechnung Sicherungsmaßnahmen in der Bootshausruine vorgenommen - schließlich wusste niemand, ob und wann genug Geld für die Sanierung zusammenkommen würde. Der Zuspruch aus der Bürgerschaft war dann überwältigend. Die Leute liebten ihr Boothaus, das den Stadtwaldweiher die Heimeligkeit gab, die der klassizistischen Kühle des Deuß-Tempels nun mal abgeht. Dort konnte man sich erhaben fühlen - und am Bootshaus die Seele wärmen und baumeln lassen.

Dabei ist die Geschichte des Bootshauses nur ungefähr bekannt. Klar ist, dass der Stadtwald seit 1897 mit einer Schenkung des Krefelder Seidenbarons Wilhelm Deuß angelegt und bis 1911 zu einem schönen Landschaftsgarten ausgebaut wurde. Das heutige Bootshaus gehörte nicht zum ursprünglichen Bestand. Sicher ist, dass es von Anfang an am heutigen Standort eine Anlegestelle für Boote gab - ein Sonntagsvergnügen für Krefelds Bürger. "Das Bootshaus kam in den 50er Jahren dazu", sagt Reymann heute, "es ist im Westfälischen abgebaut und in Krefeld wieder aufgebaut worden." Wann genau, ist nicht bekannt.

Aus dem Familienalbum von Klaus Reymann: Seine Eltern 1926 bei einer Bootstour auf dem Stadtwaldweiher. FOTO: Reymann

Obwohl hinzugekommen, fügte es sich perfekt in das Gesamtbild und in die Tradition des Landschaftsgartens. Der lebte von einem Stilgemisch - nun also hatte der Stadtwald sein klassizistisches Element (Deuß-Tempel) und ein romantisches Fachwerkhäuschen, wie man es aus zahllosen romantischen Gemälden kannte. Das Stadtwaldhaus sah aus, als habe es schon immer dazugehört - selten bei einem Spätling. Die Krefelder haben es gespürt, spüren es bis heute. Und haben es gerettet.

Quelle: RP
 
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