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Heiligabend Friedensstifter
Das Engelsständchen von Oppum

Heiligabend Friedensstifter: Das Engelsständchen von Oppum
Engel geben ein Ständchen - so wird dieses Bild Engelsständchen genannt: Das Gemälde hängt in der Oppumer Schutzengelkirche. Es wurde im Krieg beschädigt und ist mit den Schäden aus der Bombennacht zu sehen - als Mahnung gegen den Krieg wie als Zeichen der Hoffnung. FOTO: vo
Krefeld. Martin Luther wird der Satz zugeschrieben: Fürbitte heißt, jemandem einen Engel schicken. In diesen Worten bündelt sich viel von all den Hoffnungen, die Menschen an das Wort Engel knüpfen. Hilfe, Vergebung, Versöhnung, Heilung, Trost. Viele Krefelder werden in Gedanken bei der Familie sein, die durch einen schrecklichen Unfall ihre elfjährige Tochter verloren hat. Und so wiederholt man diese Worte still und schweren Herzens: Fürbitte heißt, jemandem einen Engel schicken. Von Jens Voss

In Oppum hatte der Maurerlehrling Peter Maes aus Bockum einen überaus tatkräftigen Schutzengel: Maes war am 30. September 1900 beim Bau der Oppumer Schutzengelkirche vom Turm der Kirche gestürzt und hatte sich schwerste Kopfverletzungen zugezogen. Kaum jemand glaubte, dass der Junge den Sturz überleben würde, doch wurde er wieder gesund. 1950 gehörte er bei der Feier des 50-jährigen Bestehens der Kirche zu den Ehrengästen. Ob die Oppumer Schutzengelkirche durch diese Geschichte ihren Namen erhielt, ist unklar, erläutert Pfarrer Hans Russmann. "Es hieß auch: Die Oppumer haben Schutzengel nötig", sagt der Pfarrer lächelnd. Jedenfalls kam der Wunsch aus der Gemeinde, und so entstand die Kirche "Zu den Heiligen Schutzengeln" von Oppum.

Engel sind des Menschen liebste Friedensstifter im Grenzverkehr zwischen Himmel und Erde. Umfragen zufolge glaubt jeder zweite Deutsche an Schutzengel. Ein Engel ist es bekanntlich auch, der in der Weihnachtsgeschichte die entscheidenden, nämlich Frieden und Freude stiftenden Worte über jenes Ereignis spricht, das die Christenheit an Heiligabend feiert: "Fürchtet euch nicht." Engel als Boten Gottes haben die Menschen immer fasziniert. Im frühen Mittelalter wurde eine regelrechte Engellehre ausgebildet - als hierarchische Ordnung mit neun Klassen. Bis heute berührt die Menschen die Vorstellung, dass Engel über sie wachen; erinnert sei an Filme wie "Der Himmel über Berlin" von Wim Wenders oder der um Heiligabend oft ausgestrahlte US-Spielfilm "Ist das Leben nicht schön?" mit James Stewart. 1946 gedreht - ein Herzensklassiker.

Auch in Oppum blieb das Thema Engel stets gegenwärtig. Die Schutzengelkirche wurde bekanntlich in der Silvesternacht 1944 bei einem Bombenangriff schwer getroffen. Zur Geschichte des Wiederaufbaus gehören zwei Engelbildnisse: Zum einen hat ein Gemälde, das musizierende Engel zeigt, die Zerstörung überstanden. Das beschädigte Bild hängt heute in der Kirche und strahlt gerade in diesem Zustand beides aus: Mahnung vor den Schrecken des Krieges, aber auch Zuversicht und Hoffnung. Die Engel wirken mit den Verletzungen des Bildes wie entkitscht, als wüssten sie um die Not der Menschen. Zugleich scheinen sie in der verwitterten Oberfläche zu verschwinden - ihre Heimat ist eben doch der Himmel. Pfarrer Russmann zitiert das dazu passende Wort von Thomas von Aquin: "Engel sind reine Form."

Auch ein anderer Engel hat die Bombennacht überstanden - einer von neun Engeln des neogotischen Altars, der zur Erstausstattung der Kirche gehörte. Die aus Oppum stammende Kirchenrestauratorin Fabienne von der Hocht hat ihn restauriert; heute wacht er in einem Bildstock an der Hauptstraße über Oppum. Auch er ist quasi versehrt: Ursprünglich hatte er prachtvolle Flügel; sie aber sind verloren.

Ein schönes Bild mit Symbolkraft: Oppum wird von Engeln behütet, die am eigenen Leib erfahren haben, was Not heißt - und die sie doch überstanden haben und engelhaft geblieben sind.

Wir wünschen unseren Lesern schöne Feiertage und frohe Weihnachten. Durch unsere Ausgabe führt übrigens ein Engel, den wir im Schwanenmarkt entdeckt haben.

Quelle: RP
 
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