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Reihe Menschen Für Gesundheit
Das Fitmachen beginnt schon im Krankenhaus

Reihe Menschen Für Gesundheit: Das Fitmachen beginnt schon im Krankenhaus
Patientin Gisela Becker übt mit Physiotherapeutin Steffie Reith das Gehen. Schon bald soll die Seniorin wieder in ihre Wohnung in der ersten Etage zurückkehren können. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Das Bindeglied zwischen Akutbehandlung und Rehabilitation stellt die Geriatrie am Malteser Krankenhaus St. Josefshospital dar. Hier setzt die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung ein. Ein Team aus Spezialisten macht die Patienten wieder fit für den Alltag. Von Bianca Treffer

An den Zimmertüren befinden sich nicht nur Nummern, sondern es sind auch Bilder mit Früchten befestigt. Dort sind es Erdbeeren, daneben Trauben und ein Stückchen weiter Orangen. In den Zimmern ist über jedem Bett eine große Farbtafel in blau, grün und gelb angebracht. Diese Farben spiegeln sich an den Schränken und im Badezimmer an den Aufhängern für die Handtücher wider. Ein Piktogramm mit einer Toilette kennzeichnet zudem die Badezimmertür. "Auch in unserem Bereich nimmt der Anteil der dementiell erkrankten Menschen zu. Daher setzten wir auf Hilfen, die es unseren Patienten einfacher machen, ihr Zimmer, ihr Bett, ihren Schrank und alles weitere zu erkennen", sagt Dr. Hans-Peter Willschrei. Der Mediziner ist der Oberarzt der Geriatrie am Malteser Krankenhaus St. Josefshospital.

Seit Oktober 2014 verfügt das Krankenhaus über die 24 Betten große Station, die im Krankenhausalltag eine besondere Position einnimmt. Sie ist das Bindeglied zwischen Akutbehandlung und Rehabilitation. Hier ist die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung angesiedelt. Das heißt, die Patienten befinden sich aufgrund einer Akuterkrankung im Krankenhaus, die in einer entsprechenden Fachabteilung behandelt wird.

Von hier aus geht es in die Geriatrie, die sich auf die Krankheiten von Senioren mit all ihren Begleiterscheinungen spezialisiert hat. Der akute medizinische Behandlungsbedarf besteht noch, aber gleichzeitig nimmt der Patient an einem, genau auf ihn abgestimmten Rehabilitationsprogramm teil. "Wir kombinieren quasi die Behandlung einer akuten Erkrankung mit einer Rehabilitationsmaßnahme im Krankenhaus", erläutert Willschrei das Prozedere. Der Patient kann noch nicht in seine häusliche Umgebung zurück bzw. ist noch nicht fit genug für eine weitere Rehabilitation. Nichtsdestotrotz kann schon damit begonnen werden, den Betroffenen "fit" zu machen.

Frühzeitig rehabilitieren liegt Willschrei am Herzen, wobei die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung in der Regel zwischen 16 und 18 Tagen andauert. Aber auch hier gilt: Es kommt immer auf den einzelnen Patienten mit seinen Erkrankungen an.

Ein interdisziplinäres Team macht die Geriatrie aus. Dazu gehören neben speziell geriatrisch geschulten Ärzten, besonders geschultes Pflegepersonal, die unterschiedlichen Therapeuten, angefangen von der Physio- und Ergotherapie bis hin zur Logopädie, aber auch Sozialarbeiter. Es wird Hand in Hand gearbeitet.

Für Patientin Gisela Becker, die mit Wasseransammlungen, schlechten Nierenwerten und einer Bauchspeicheldrüsenentzündung ins St. Josefshospital kam, bedeutet dies, dass sie zusammen mit dem Physiotherapeuten unter anderem Geh-Übungen an der Treppe macht. Denn ihre Wohnung befindet sich in der ersten Etage, und die Treppe soll schließlich geschafft werden.

Erhalt und Besserung der Beweglichkeit sowie der Selbstständigkeit in lebenspraktischen, alltäglichen Tätigkeiten machen die Behandlungsziele in der Geriatrie aus, wobei die eigentliche Erkrankung, die Ursache des Krankenhausaufenthaltes war, weiterbehandelt wird. Neben den täglichen Frühbesprechungen steht einmal in der Woche eine Teamsitzung an. An dieser nehmen alle beteiligten Berufsgruppen teil. "Unser Ziel ist es, einen Patienten wieder ausreichend selbstständig für daheim oder eine angeschlossene Reha-Maßnahme zu machen. Dafür müssen wir gemeinsam schauen, wo steht der Patient? Wo liegen Defizite, wo Ressourcen? Entsprechend wird ein Therapieplan aufgestellt bzw. im Verlauf der Behandlung verändert", berichtet Willschrei.

Bei der Aufnahme auf die Station erfolgt direkt ein geriatrisches Assessment, das die Grundlage der Behandlung bildet. Zusätzlich gibt es einen Sozialfragebogen, um das bisherige soziale Umfeld und die persönliche Lebenssituation kennenzulernen. Entsprechend kann am Ende der Behandlung agiert werden, falls weitere Hilfeleistungen für ein Leben in den eigenen vier Wänden nötig sind. Die generelle Einbindung der Angehörigen und die Entlassungsinformation für Angehörige sind dem Oberarzt ebenfalls wichtig. "Wir informieren die Angehörigen schriftlich über den Entlassungstermin und stehen bei Fragen rund um Heimtransport, Hilfsmittel, Pflegestufe und -dienst sowie Medikamentenversorgung zur Seite", sagt Willschrei. Dies ist die Grundlage für eine reibungslose Wiedereingliederung des Patienten in seine häusliche Umgebung.

Bei den Patienten in der Geriatrie des Malteser Krankenhauses St. Josefshospital handelt es sich in der Regel um Senioren ab 70 Jahren, bei denen neben dem Akutereignis oftmals auch zahlreiche Begleiterkrankungen zum Tragen kommen. Die Geriatrie ist generell ein wichtiges Thema für die Malteser. Geht es doch darum, einem Menschen so viel Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, dass er wieder in seine eigenen vier Wände zurückkehren kann. Dafür greift in der Geriatrie ein ausgeklügeltes Konzept.

Quelle: RP
 
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