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Krefeld
Das Geheimnis um Ottos elften Finger

Krefeld: Das Geheimnis um Ottos elften Finger
Otto von Linn ist zurück in seinem ehemaligen Heim: In der Kapelle der Burg haben die Gebeine nun ihren festen Platz gefunden. Museumsleiterin Jennifer Morscheiser und ihr Vize Christoph Dautermann an dem rekonstruierten Grab, das künftig von einer Glashaube bedeckt sein wird. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Gebeine des Burggrafen sind umgebettet worden, dabei trat Erstaunliches zutage. Jetzt ruht Otto von Linn in der Burgkapelle. Von Petra Diederichs

Das war eine Riesenüberraschung, die bisher den Historikern und den Besuchern von Burg Linn verborgen geblieben war. Als Restauratorin Eileen Wolf die Vorbereitungen für die Umbettung der Gebeine des Otto von Linn traf, stellte sie fest: Der erste namentlich erwähnte Besitzer von Burg Linn hatte an einer Hand sechs Finger. "Keiner weiß, wie das gekommen ist, es muss ein Aufbauschaden gewesen sein", sagt die Restauratorin. Eine genetische Anomalie sei es nicht. Wer in die Vitrine im Museum Burg Linn blickte, konnte den zusätzlichen Knochen schwerlich entdecken, weil er halb unter dem Becken verborgen war.

Inzwischen ist die Anatomie wieder korrekt - und der Burggraf vom Museum in seine alte Wohnstatt, die Burg, gezogen. In der Kapelle im unteren Rittersaal ruht er in gläsernem Sarg, umgeben von den Tuffsteinen, mit denen sein Grab in der Alde Kerk eingefasst gewesen war. Die Umbettung ist der erste Schritt für ein neues Ausstellungskonzept für die Burg, das sukzessive umgesetzt werden soll. Am Freitag wird der neu gestaltete untere Rittersaal öffentlich präsentiert. Das Konzept hat die Medienwissenschaftlerin Joana Bußmann erstellt. Auf Plakaten, und als Diashow können Besucher die Entwicklung der Burg von der Motte bis zur Feste verfolgen und vieles über das Leben zur Zeit Ottos (um 1171 - ca. 1219) erfahren. Schaubilder erzählen, wie das Leben auf einer Burg am Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert war, welche Vorstellungen die Menschen von Himmel und Hölle hatten. Und in der ehemaligen Waffenkammer können Schulklassen an einem gedeckten Tisch - mit Tafelgeschirr-Repliken - in Rollenspielen als Fürsten, Mägde und Knappen den Alltag von vor 900 Jahren nachempfinden. "Wir haben auch die Möglichkeit, bei Erwachsenenführungen tiefer in die Thematik einzusteigen, was die Kreuzzüge für die spätere Geschichte bewirkt haben", sagt Museumsleiterin Jennifer Morscheiser. "Otto von Linn ist eine Identifikationsfigur."

Deshalb sei es gut und und richtig, die Gebeine in der Burgkapelle auszustellen. "Museen stellen sich grundsätzlich die Frage, ob das mit der Würde eines Menschen zu vereinbaren ist", sagt sie. Die Entscheidung der Linner, als 1989 das Grab Ottos in der früheren Alde Kerk (bei Haus Greiffenhorst) gefunden wurde, war für eine Ausstellung. "Und heute können wir Otto nicht mehr beerdigen. Den alten Friedhof gibt es nicht mehr. Ihn woanders zu bestatten, entspricht nicht den Anforderungen der Forschung. Und wäre eine Kiste im Depot würdiger?"

Otto von Linn ist 1186 erstmals als Besitzer der Burg in einer Urkunde vermerkt. Von 1188 existiert eine Urkunde, in der Otto die Burg an das Erzbistum Köln vermacht: Er brauchte Geld für den dritten Kreuzzug. Otto gehörte zu den Truppen Friedrich Barbarossas und kehrte vermutlich nach dessen Tod (1190) vor dem Ende des Kreuzzugs zurück nach Linn. Die Burg erhielt er als Lehen zurück. "Wir wissen dass, er als etwa 20-Jähriger Hunger gelitten haben muss, das belegt, dass er wohl am Kreuzzug teilgenommen haben muss." Ein gezeichneter Plan von der Fundstelle seines Grabes zeigt auch zwei Vermutungen, die bisher noch nicht belegt sind: Zwei Skelette im Turm und eines aus gleicher Zeit in der Kapelle. "Christoph Reichmann interpretiert, dass das Ottos Eltern und sein Bruder waren. Aber es gibt noch keine DNA-Analyse", berichtet Morscheiser.

Quelle: RP
 
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