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Krefeld
Das Jahr der "Lieder ohne Worte" in der Lutherkirche

Krefeld. Am Sonntag startet die Reihe der Matineen an der Walcker-Orgel unter dem Titel "Cantabile".

Die Reihe ist klein, fein und hat nach zwei Auflagen bereits einen festen Kern von Stammzuhörern: die Matineen an der Walcker-Orgel. An jedem zweiten Sonntag im Monat richtet Koordinator Professor Karlheinz Schüffler mit Musikerkollegen den Blick auf Werke, die jeder aus dem evangelischen Gesangbuch kennt - und lässt die unbekannten Geschichten dahinter aufleuchten -, oder es werden selten gehörte und in Vergessenheit geratene Musikstücke vorgestellt. Das Matineenjahr 2016 beginnt in der Lutherkirche am Sonntag, 10. Januar, um 11 Uhr. Der Meerbuscher Organist hat Werke von Charles-Marie Widor (1844-1937), Frank Martin (1890-1974) und César Franck (1822-1890) ausgewählt.

Die neue Reihe steht unter dem Titel "Cantabile - Lieder ohne Worte". Folgerichtig, meint Schüffler: "Nach ,Luthers Lieder', wo es um Werke ging, die auf Martin Luther zurückgehen, und "Die frommen Liedermacher", wo die Biografie der Urheber im Mittelpunkt stand, gehen wir jetzt quasi zur Urform. Cantabile heißt singhaft." Und das übersetzt er so: "Stellen Sie sich vor, Sie erleben eine Musik, die von einer Melodie geprägt ist, die Sie fasziniert. Und zwar so, dass Sie sich dabei ertappen, Gedanken mit Worten und diese Worte mit der Melodie verbinden zu wollen. Nicht konkret, aber irgendwie - das heißt cantabile. Musik ist schön, wenn ich insgeheim dazu singe."

Bis zum 13. November wird es zehn Matineen geben, und eine, am 13. März, die aus organisatorischen Gründen auf 17 Uhr verschoben wird. César Francks berühmtes "Cantabile" wird im Zyklus gleich zweimal erklingen. Aber auch diesmal wartet die Reihe mit Besonderheiten auf. So wird Schüffler am 13. März Zoltan Kodalys "Organoida" aufführen - eine 40-minütige Chormesse für Orgel. "In der Regel werden Messen später noch für Orgel umgeschrieben. Hier war es umgekehrt, das Werk entstand zuerst für die Orgel." Und es ist musikalisch höchst aufwändig. Es sind zwei Registranten nötig, die während des Spiels, die Register ziehen. "Wer die später entstandene, bis auf wenige Noten identische Missa brevis von Kodaly kennt, der wird die Choristenstimmen heraushören", sagt Schüffler. Zur Unterstützung werden die Texte auf einer Videoleinwand in der Kirche übertragen. "Nirgends passt "Lieder ohne Worte besser."

In der Reihe, die der Förderverein Walcker-Orgel veranstaltet, der auch die Renovierung des Instruments von 1904 ermöglicht hatte, sind außerdem folgende Konzerte vorgesehen: Hans Walter Slembeck spielt Justin Heinrich Knecht (14. Februar), Peer Konstantin Schober Werke von Letocart, Andriessen, Cellier und Quef (10. April). Als Duo kommen Klaus Norbert Kremers (Orgel) und Anja Kremers (Flöte) am 8. Mai. Hans Günther Bothe wird den Festhymnus von Carl Piutti spielen (12. Juni). "Studien für Pedalflügel" gibt es am 10. Juli mit Franz Joseph Rongelraths. Francks berühmtes "Cantabile" lässt Friedemann Becker am 14. August erklingen; die 1. Orgelmesse von Grünberger stellt Frauke Mekelburg in Auszügen vor (11. September), am 9. Oktober widmet sich Christiane Böckeler Werken von Rheinberger und Messiaen. Das Finale bestreitet Axel Wilber am 13. November.

(ped)
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