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Krefeld
Das junge Linner Königshaus

Krefeld. In Linn wird am kommenden Wochenende das Burg-, Heimat- und Trachtenfest gefeiert. Im Mittelpunkt der Festtage steht das Königshaus um Schützenkönig Errol Wernike. Für den 32-Jährigen erfüllt sich damit ein Kindheitstraum. Von Carola Puvogel

Sie sind Freunde seit Kindertagen, jetzt erfüllen sie sich mit der Ausrichtung des Linner Burg-, Trachten und Heimatfests, kurz Schützenfest, einen langgehegten Traum: Das Linner Königshaus mit seinem Schützenkönig Errol Wernike und den Ministern Robert und Christopher Strumpen sowie den dazugehörigen Damen fiebern den Festtagen, die am Samstag, 8. August, beginnen, seit Monaten entgegen. "Und mit uns freut sich das ganze Dorf", erzählt Wernike. "Erst vorhin bin ich in der Altstadt von einer alten Dame angesprochen wurde, die mir auf die Schulter geklopft hat, mit den Worten 'Na Jung, freust' dich schon?'" Das Drumherum in Linn sei "der Wahnsinn", die Euphorie für das Feiertags-Wochenende riesig. "In Linn nimmt man sich rund um das Schützenfest frei, das ist Tradition", erzählt der junge Schützenkönig.

Ein Jahr ist es her, dass Errol Wernike mit dem 751. Schuss den Vogel von der Stange holte, nicht nur seinen besten Freund Robert Strumpen besiegte, sondern auch zwei andere Anwärter auf den Schützenthron hinter sich ließ. "Einer von uns beiden sollte es werden", erzählt Wernike, der von klein auf davon geträumt hat, in seinem Heimatdorf einmal Schützenkönig zu sein. "Es ist gut, dass Robert, Christopher und ich uns so gut kennen und so gut verstehen. Denn das hier ist keine One-Man-Show, wir entscheiden alles zusammen, gehen überall zusammen hin. Man verbringt viel Zeit miteinander."

Viele Feste hat der 32-Jährige hoch zu Ross als Mitglied der Linner Burg-Artillerie erlebt, dennoch wird es für ihn am kommenden Wochenende eine echte Premiere geben: "Ich sehe wirklich zum ersten Mal den Zug", sagt er und lacht. Bis dato sei er immer mitgeritten, habe daher nie die Gelegenheit gehabt, den Zug vorbeiziehen zu sehen. "Daher freue ich mich riesig auf Sonntag, wenn ich die Parade abnehme." Ein weiterer Höhepunkt für den passionierten Reiter, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, und als Hufschmied ein gefragter Mann in vielen deutschen Städten ist, wird der Große Zapfenstreich am Sonntagabend sein. "Wir haben 43 Einzelreiter plus die Kutschen, das wird ein toller Anblick sein, wenn alle sich auf dem Lindenberg versammeln." "Besonders freue ich mich aber auf das Wecken Sonntagmorgen um sechs Uhr. Das erlebt man nur einmal im Leben."

Eine Besonderheit des Linner Festes, das nicht umsonst Burg-, Trachten-und Heimatfest heißt, ist, dass beim Zug ausschließlich Linner Gruppen mitgehen. "Die Vielfalt der historischen Kompanien und Gruppen mit Uniformen und Gewändern aus verschiedenen Epochen ist groß", erzählt Wernike. Während die Männer in unterschiedlichen Schützenkompanien aktiv sind, sind viele Linner Frauen etwa Mitglied der Biedermeiergruppe oder der Hofdamen. "Die Linner Kinder wachsen so in diese Tradition hinein, weil sie schon mit ihren Müttern mitgehen", erklärt der Schützenkönig.

Trotz aller Euphorie ist die Vorfreude auf das Fest eine Woche vor dem Beginn leicht getrübt, das Königshaus und allen voran der Schützenkönig nervös. Denn: Der Linner Schützenverein als Ausrichter wartet immer noch auf die Genehmigungen durch die Stadtverwaltung. "Es ist völlig absurd", sagt Robert Strumpen senior, Vereinsvorsitzender. "Man muss die Musik ein Jahr vorher buchen, aber weiß eine Woche vorher noch nicht, wie lange sie spielen darf." Für die Antragstellung zu einem solchen Fest brauche man fast eine Fachausbildung. Bereits vor einem halben Jahr seien die Anträge gestellt worden, aber der Verein müsse immer wieder neue Berichte, Begründungen und Kommentare liefern - obwohl das Fest, wie Wernike mit leichtem Spott in der Stimme deutlich macht, seit über 500 Jahren immer gleich abliefe. "Bei der Stadt hat keiner den Überblick, da gibt es bestimmt 20 verschiedene Leute verschiedener Fachbereiche, die im Verfahrensprozess irgendeine Zuständigkeit haben", sagt Strumpen. Ihm ist nicht verständlich, warum es für Vereine nicht einen Ansprechpartner gibt, der den Überblick hat.

Quelle: RP
 
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