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Krefeld
Das Latumer Bruch - ein Vogelparadies

Bilder: Das Latumer Bruch - ein Vogelparadies
Bilder: Das Latumer Bruch - ein Vogelparadies FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Eine Bemerkung in der jüngsten Ausgabe des "Naturspiegel" lässt aufhorchen: In der Nabu-Zeitschrift heißt es, das Latumer Bruch habe sich zum "Hotspot" für Vögel entwickelt. Wir stellen einige der Arten, die dort leben, vor. Von Jens Voss

Idealer Lebensraum für viele Vogelarten ist nicht die reine Natur, sondern eine offene, nicht intensiv genutzte Kulturlandschaft. Der Boden darf weder nackt noch dicht mit Gras bewachsen sein - ideal ist lockerer Bewuchs, der hier und da nackten Boden hervorscheinen lässt. Büsche, Bäume, Hecken, Gras, kleine Brachen und kleine Gewässer - das ist der Lebensraum, in dem unsere Vögel früher gediehen. Intensive Landwirtschaft und die Verstädterung haben ihren Lebensraum mehr und mehr beschnitten. Im Latumer Bruch wird diese Entwicklung seit geraumer Zeit quasi rückgängig gemacht. Dort wird jene Offenheit und Vielfalt im Bewuchs wiederhergestellt. Und siehe: Die Vögel kehren zurück.

Die Zahlen, die Naturschützer nennen, sind schon erschütternd. Nach Nabu-Angaben sind allein in der Agrarlandschaft seit 1994 fast 90 Prozent aller Brachflächen mit ihrer heimischen Artenvielfalt verlorengegangen. Auch Randstreifen mit Blumen und Wildkräutern an Feldern und Wegen werden demnach immer weniger.

Wie fragil der Lebensraum von Vögeln ist, hat vor einiger Zeit der Düsseldorfer Biologie-Professor Werner Kunz bei einem Vortrag in Krefeld deutlich gemacht: Demnach können schon dichte Wiesen zum Problem werden. Vögel wie der Gartenrotschwanz sind "Ansitzjäger" - heißt: Sie lauern in erhöhter Position auf Insekten am Boden. Ist dort dichtes Gras, sehen die Jäger ihre Beute nicht mehr. Kunz' These dazu: "Deutschland wächst zu." Landschaft und Wald würden immer dichter bewachsen sein, sagt er. "Früher haben die Leute Holz im Wald gesammelt, und der Wald wurde ausgelichtet; heute sind selbst die Ränder der Waldwege so dicht zugewachsen, dass dort keine Sonne mehr hinkommt und kein Lebensraum mehr für Pflanzen und Insekten entsteht." Insofern ist es für Kunz nicht verwunderlich, dass in Industriebrachen oder Hafengebieten, wo niedriger, lockerer Bewuchs vorherrscht, oft erstaunlicher Artenreichtum herrscht. Niemandsland inmitten von Autobahndreiecken sind mittlerweile wertvolle Biotopen; und das stärkste Brutvogelvorkommen von Brachvogel und Lerche in Bayern finde sich ausgerechnet auf dem Airport München, sagte Kunz. Die Naturschutzstrategie im Latumer Bruch folgt dann auch dem Ziel, eine offene, extensiv bewirtschaftete, abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Wiesen, Hecken, Büschen, Waldsäumen und kleineren Gewässern zu schaffen.

Generell ist das Latumer Bruch auch relativ unbehelligt von Menschen - und Hunden. Im "Naturspiegel" wird erwähnt, dass sogenannte Lerchenfenster stark von Hunden frequentiert sind. "Lerchenfenster" sind kleine Bodenflächen, auf denen nichts gesät wird. "Bei der Aussaat hebt der Landwirt die Sämaschine für einige Meter an, so dass eine kleine, künstliche Störstelle von gut 20 Quadratmeter entsteht" - so beschreibt der LBV (Landesbund für Vogelschutz) in Bayern das Verfahren. Solche "Fenster" müssen in ausreichendem Abstand zu Fahrspuren, zum Feldrand, zu Gebäuden und Sitzwarten von Greifvögeln liegen. Die so entstehenden locker bewachsenen Streifen sind idealer Lebensraum für Lerchen: Auch sie brauchen Offenheit, favorisieren laut Nabu niedrige, vielfältig strukturierte Vegetation mit offenen Stellen.

Im Latumer Bruch sind die Lerchenstreifen offenbar noch nicht wirklich erfolgreich - wegen frei laufender Hunde.

Hier geht es zu den Bildern der Vogelarten im Latumer Bruch.

Die Fotos wurden freundlicherweise von www.naturfotografie-digital.de zur Verfügung gestellt.

Quelle: RP
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