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Krefeld
Das letzte Kapitel der "Masters Of Chant"

Krefeld. Die Gruppe "Gregorian" gastierte mit Gesang, Live-Band und großer Show am Samstag im König-Palast. Von Mojo Mendiola

Der König-Palast war bei weitem nicht ausverkauft, als "Gregorian" dort am Samstag mit ihrem "letzten Kapitel" auftraten. Schwere, tieftönige Trommelschläge erklangen, und während sich das Bühnenlicht von Blau zu Rot wandelte, tasteten grelle Lichtbündel wie Flak-Scheinwerfer die Bühnen- und Hallendecke ab. Dann schälte sich die Schar der Sänger unter Mönchskapuzen aus dem künstlichen Nebel, und das Björk-ähnliche Stimmchen einer jungen Frau setzte den ersten hellen Akzent im Klangbild.

Die Begrüßung durch den Tenor-Solisten war deutlich an die Sprache der biblischen Genesis angelehnt, und dann ging es bei lila Licht mit "I Still Haven't Found What I'm Looking For" von U 2 auf die Reise. Es folgte "Stay", eine Eigenkomposition, und dann forderte das dünne Frauenstimmchen im Frage- und Antwortgesang mit den ständig umherwandernden Kuttenträgern die Zuhörer auf, gemeinsam mit ihm in den Tod zu gehen. "Join Me In Death" hieß der Titel von der finnischen Gruppe HIM, die "dieses Leben nicht lebenswert" findet. Textlich ging es nur einmal so nah an den todesverliebten Gothic Rock heran, im Übrigen aber spielte die ganze Show mit der morbiden Lust an der Düsternis mittelalterlich-katholischer Klosterliturgie.

Die meist in dunkelrotes Licht getauchte Bühne vermittelte die Atmosphäre einer Krypta oder Gruft, und das ebenso schaurige Klangbild des Männer-Oktetts verstärkte den suggestiven Sog des textlich ganz grundlosen Gruselns, eingebettet in den vom Synthesizer geprägten Sound der Live-Band. All das war professionell durchdacht und handwerklich super durcharrangiert. Zwar konnte man deutlich spüren, dass es sich hier nicht um eine aus Leidenschaft gewachsene Gruppe, sondern um ein kühl kalkuliertes Reißbrett-Projekt handelte, doch niemand im überwiegend älteren Publikum schien sich daran zu stören. Ebenso wenig daran, dass von den ursprünglichen Kennzeichen des gregorianischen Gesangs nur noch die Klanghülse eines auf Schwermut getrimmten männlichen Vokalensembles übrig war. Mit der wurde immerhin abwechslungsreich umgegangen. Die E-Gitarren traten nach und nach mit in den Vordergrund: Neben der schon erwähnten Sängerin trat auch eine Altistin auf, die sich nicht nur in einem Song aus dem Film "Gladiator" allen Respekt verdiente, und die Lightshow durchbrach das Gruftie-Feeling auch mal mit helleren Einfällen. London Grammars "Strong" gehörte zu den Songs, die durch das spezielle Gregorian-Arrangement deutlich an Ausdruckskraft gewannen. Dasselbe gilt für Seals "Kissed By A Rose" und die wesentlich ältere "Lady In Black" von Uriah Heep mit einem schönen, wenn auch elektronisch simulierten Mandolinen-Intro. Das älteste Stück im Repertoire - und ebenfalls recht gelungen - war übrigens "Crying In The Rain", mit dem die Everly Brothers schon 1962 einen Riesenhit landeten.

Quelle: RP
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