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Serie Ausbildung Bei Currenta (12)
"Das System zu durchdenken ist mein Ding"

Krefeld. Mechatroniker im Chempark arbeiten oft im Freien und manchmal auch in schwindelerregender Höhe. Von Bärbel Kleinelsen

Der Fahrstuhl ist defekt. In höllischem Tempo rasen die kreischenden Fahrgäste in die Tiefe. Nur ein Wunder - oder Bruce Willis - kann sie (im Film) noch retten. "So ein Schwachsinn. Solche Filmszenen sind echt ärgerlich, weil sie einfach nur falsch sind", kritisiert Kevin Bönewitz. Der 21-Jährige wird derzeit bei Currenta in Dormagen zum Mechatroniker ausgebildet. Mit Aufzügen kennt er sich deswegen aus.

"Fahrstühle sind die sichersten Verkehrsmittel überhaupt. Da kann gar nichts passieren. Selbst wenn der Strom ausfallen würde, greift noch der so genannte Fang, der den Korb rein mechanisch aufhält. Überhaupt würde ein Aufzug niemals in die Tiefe fallen, sondern wegen des Gegengewichts höchstens nach oben fahren", erklärt Kevin Bönewitz. Sein Ausbilder, Stefan Steins, nickt zufrieden. Der 21-Jährige, dessen drittes Ausbildungsjahr gerade begonnen hat, hat offensichtlich gut aufgepasst.

Als Spezialist für Aufzüge wird der angehende Mechatroniker auch im Wärter-Service geschult. Er lernt, Leute zu beruhigen, falls der Aufzug stecken geblieben ist, und weiß, wie man Fahrstuhltüren materialschonend öffnet. "Fahrstühle sind hochkomplexe Systeme. Da reicht oft ein Wassertropfen oder im Herbst ein Blatt, schon ist die Lichtschranke unterbrochen und das System blockiert aus Sicherheitsgründen. Das geht ganz schnell", erklärt Steins.

Umso wichtiger ist es, dass der Notruf funktioniert und die eingeschlossenen Fahrgäste schnell Hilfe holen können. "Auch das gehört zu meinen Aufgaben. Die regelmäßige Kontrolle dieses Notrufes", sagt Kevin Bönewitz.

Mechatroniker arbeiten an der Schnittstelle zwischen den Berufsfeldern des Schlossers und des Elektrikers. Sie verbinden in ihrer Tätigkeit beide Bereiche und werden nicht nur in den Chemparks immer wichtiger, da bei den Maschinen heutzutage eine immer kompliziertere Technik zum Einsatz kommt. "Es ist häufig ein körperlich anstrengender Beruf, da wir viel im Freien arbeiten, auch größere Bauteile bewegen müssen und oft zu Fuß unterwegs sind", sagt Kevin Bönewitz. Streikt beispielsweise der Aufzug im achten Stock, muss der 21-Jährige über die Treppe diese Etage erreichen. "Und wir sprechen hier über Industriestockwerke. Da kommen leicht 60 Höhenmeter zusammen", rechnet Ausbilder Steins vor.

Apropos Höhe: Schwindelfrei sollten Bewerber für diesen Beruf auf jeden Fall sein. Und vielleicht auch ein bisschen abenteuerlustig. Denn hakt eine Aufzuganlage, muss der Wärter unter Umständen auf einen Korb steigen und eine Fahrt von oben mitmachen, um das System zu kontrollieren und Fehler zu finden. Was im Film cool aussieht, verlangt auch im richtigen Leben starke Nerven. "Manche Aufzüge sind von außen an der Hausfassade angebracht. Da ist es besonders wichtig, dass man keine Höhenangst hat", sagt Kevin Bönewitz. Schwindelfrei muss er auch bei seiner anderen Arbeit sein. Als angehender Mechatroniker wartet und repariert er Krananlagen. Zwischen 500 Kilo und über zehn Tonnen können die Kräne im Chempark heben. Die größten sind die Portalkräne, die Überseecontainer manövrieren. "Die hatte ich bisher noch nicht. Aber bei allen anderen Größen habe ich schon Teile geschmiert, Ketten überprüft oder Ersatzteile eingebaut", zählt der 21-Jährige auf, der nach einem Fachabi mit Schwerpunkt Mechatronik seine Ausbildung begonnen hat. Fingerfertigkeit, logisches Denken, Teamfähigkeit und eine Affinität zu naturwissenschaftlichen Fächern sind Voraussetzungen für diesen Beruf. Wichtiger aber noch, so Ausbilder Steins: "Die müssen wollen!"

Kevin Bönewitz will auf jeden Fall. "Schon während der Schulzeit war Mechatroniker mein Wunschberuf und ich habe ein entsprechendes Praktikum gemacht. In der Ausbildung gefällt mir besonders der Bereich der E-Pneumatik. Schaltungen zu bauen und das System logisch zu durchdenken ist genau mein Ding. Und Aufzug fahren natürlich auch."

Quelle: RP
 
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