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Krefeld
Das Ufo im Bauernhof

Krefeld: Das Ufo im Bauernhof
Gregor Gerhard vor seinem umgebauten Rangshof. In der oberen Etage vermietet er zwei Wohnungen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Es ist ein Modellfall von pfleglicher Denkmalsanierung: In Krefeld drohte eine alte städtische Hofanlage zu verfallen. Gregor Gerhard kaufte der Verwaltung das Objekt ab und investierte 1,2 Millionen Euro. Wer das Denkmal Rangshof betritt, der staunt über die Modernität. Von Sebastian Peters

Es war mehr oder minder eine Spontanhandlung, als Gregor Gerhard (49) vor zwei Jahren zum Entschluss kam, ein mindestens 277 Jahre altes Denkmal zu kaufen. Die Krefelder Stadtverwaltung hatte den alten Rangshof an der Inrather Straße zum Verkauf ausgeschrieben, gegen Höchstgebot. "Ich wohnte 500 Meter entfernt, bin ein paarmal mit dem Rad vorbeigefahren und habe dann drei Tage vor Bieterende entschieden, ein Gebot abzugeben", sagt Gerhard, der als IT-Ingenieur in Neuss arbeitet. 344.000 Euro forderte die Stadt Krefeld 2013 für den Hof, Gerhard bot zwar weniger, war dennoch der einzige Bieter und erhielt den Zuschlag.

Hunderte von Fällen ähnlicher Art gibt es im Land - die Kommunen besitzen Immobilien, die verfallen und die deshalb keiner Verwendung mehr zuzuführen sind. Die Stadt Krefeld hat sich entschieden, sich nach und nach von alten Objekten zu trennen. Selbst Gegner von Privatisierung kommunalen Eigentums werden nach der Geschichte über den Rangshof vielleicht einräumen müssen, dass Privatisierung manchmal Sinn macht. Gregor Gerhard jedenfalls hat ein feines Händchen bewiesen.

Blick in das moderne Wohnzimmer. Die grauen Fliesen sind dezent, Gerhard hat mit vielen modernen Elementen gearbeitet. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Von außen sieht der Hof aus wie ein traditionelles Bauernhaus. Es schmiegt sich an das Naturschutzgebiet Hülser Bruch. Heimelig ist es hier, gemütlich. Erst wer das Objekt betritt, der entdeckt den Charme, die Kombination von Historie und Moderne. "Es sieht so aus, als ob ein Ufo in einem Bauernhof gelandet ist", sagt Gerhard schmunzelnd. Der Umbau innen und außen ist nun komplett abgeschlossen.

Heute weiß Gerhard, was es heißt, ein Denkmal zu sanieren. Regel Nummer eins: Es wird immer teurer als gedacht. Regel Nummer zwei: Und es wird immer noch anstrengender, als es ohnehin schon aussieht. Gregor Gerhard hatte ursprünglich einschließlich des Kaufpreises mit Kosten von 500.000 Euro gerechnet, letztlich wurden es 1,2 Millionen. Der Eigentümer findet dennoch: "Es hat sich gelohnt." Ein Jahr hat der Umbau gedauert, die Wände strahlen jetzt wieder weiß, das Dach ist erneuert. Fenster und Türen sind dezent grau gehalten. Mit viel Liebe für das Detail ist die Architektin Katharina Kulla vorgegangen. Unter anderem hat sie ihr Können zuvor beim Umbau und der Sanierung der Krefelder Husarenkaserne unter Beweis gestellt.

Blick in eine der beiden oberen Wohnungen mit Fachwerkwand. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Rangshof, als niedersächsisches Ständerhaus gebaut, hat eine lange Geschichte. Ein Maueranker an dem großen alten Hofgebäude nennt die Zahl 1737. Das ist laut Unterer Denkmalbehörde der Stadt Krefeld das Errichtungsjahr der denkmalgeschützten Anlage, die an der Inrather Straße 645 liegt.

Tatsächlich könnte die Hofanlage aber sogar älter sein. Ursprünglich soll an dieser Stelle die Hexe "Nesgen to Range" gelebt haben. 1492 wurde sie in Hüls zum Tode verurteilt, weil sie öffentlich bekannte, nicht mehr an Gott glauben zu wollen. Der Hof wäre dann also rund 525 Jahre alt.

Riesiges Badezimmer mit freistehender Wanne und "Bruch-Blick". FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

"In einem ersten Schritt haben wir komplett entkernt", sagt Gerhard. Das Dach habe auf sechs Eichenständern aus dem Jahr 1700 geruht, drei davon seien durchgefault gewesen. "Es war innen alles sehr verbaut, nicht von Profis gemacht." Früher lebten im Rangshof Tier und Mensch zusammen, in Abschnitten von jeweils 2,50 Meter Länge war der Hof eingeteilt. Mitten in der Küche war die Feuerstelle.

Viel Platz zum Leben hat Gregor Gerhard, der mit seiner Lebensgefährtin Sabine Hammes (50) und seiner Tochter die untere Etage bewohnt. Das Haus hat eine Grundfläche von 280 Quadratmetern. Die beiden oberen Etagen hat Gerhard ebenfalls ausbauen lassen und will sie jetzt vermieten. 500 Quadratmeter Wohnraum stehen insgesamt zur Verfügung. Große Dachfenster geben den Blick auf das Hülser Bruch frei. Sie lassen sich aufschieben, so dass der Raum als Loggia genutzt werden kann. Überrascht ist Gerhard immer noch von der Größe des Hofes. "Es sah am Anfang alles viel kleiner aus."

Sein riesiges Wohnzimmer hat Gerhard modern gestaltet. Die Kücheninstrumente sind in einem großen Mittelblock untergebracht. Der Boden ist grau gefliest. Die alten Balken, die das Haus trugen, hat er aber belassen. So entsteht ein reizvoller Kontrast von Moderne und Historie. Verstärkt wird der noch dadurch, dass Gerhard Science-Fiction-Fan ist, hobbymäßig Untertassen baut und an manchen Stellen sein Hobby zur Schau stellt. Ein Blickfang ist auch das Badezimmer. Mittig steht frei eine Wanne, durch die große Fensterfront blickt man auf die Bäume, dahinter liegt direkt das Hülser Bruch. Baden in der Natur.

Heimelig ist es im zweiten Wohnzimmer mit einem großen, neu eingebauten Kaminofen. Die raffinierten Lampen hat Gerhard aus mit Sprüchen bedruckten Smoothie-Flaschen selbst gebaut. "Ich habe schon Anfragen aus dem Freundeskreis, ob ich nicht noch weitere bauen kann." Dieses Projekt muss wohl noch etwas warten. Denn gebaut hat Gerhard vorerst genug.

Quelle: RP
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