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Krefeld
Debatte: Ein neuer Name für das Kaiser-Wilhelm-Museum?

Diese Millionenprojekte werden in Krefeld gebaut
Diese Millionenprojekte werden in Krefeld gebaut FOTO: Stadt Krefeld
Krefeld. Die Wiedereröffnung des Museums bietet die Chance einer Umbenennung. Die Redaktion diskutiert das Thema leidenschaftlich - unsere Autoren Sebastian Peters und Petra Diederichs schreiben ihre Argumente auf.

Pro

Ich bin für eine Umbenennung - der Name "Kaiser-Wilhelm-Museum" passt nicht mehr in diese Zeit. Dabei geht es nicht um die Verdienste des Kaisers Wilhelm I., der trotz Niederschlagung der Märzrevolution als Prinz von Preußen 1848 zeitweise um Liberalität im Deutschen Reich bemüht war, der in den Achtzigern des 19. Jahrhunderts große Popularität genoss. Doch genau hier zeigt sich auch die Problematik: Kaiser Wilhelm I. steht für das alte Preußen - das Krefelder Museum hingegen steht durch die Sammlungsverdienste seiner zukunftsgewandten Direktoren für die Kunst der Moderne. Diese beiden Strömungen passten noch nie zusammen. Eine Umbenennung ist mit Blick auf den Sammlungsbestand deshalb ratsam.

Man muss fürwahr nicht jeden Marketingtrend mitmachen. Im Falle des Kaiser-Wilhelm-Museums wäre es aber fahrlässig, die Chance einer Namensänderung zu verpassen. Deutschlandweit wird die Wiedereröffnung in der Kulturszene Beachtung finden. Von Krefeld aus geht das Signal in die Republik, das eine Stadt trotz finanzieller Problemlage ihre Kultur nicht vergisst. Krefeld wird für Aufbruch stehen - unterstreichen wir das doch auch mit einem neuen Namen.

Es muss nicht kompliziert sein. Es gibt eine elegante Art, die Tradition des Hauses zu wahren, und dennoch subtil mit ihr zu brechen. Das Kaiser-Wilhelm-Museum sollte künftig nur noch mit dem Kürzel "KWM" beworben werden; der Name Kaiser Wilhelm sollte mindestens weit in den Hintergrund rücken. KWM, das klingt modern. Noch viel schöner aber: Das Museum erhielte damit endlich auch offiziell jenen Namen, den ihm die Krefelder ohnehin schon längst gegeben haben. KWM, das erinnert auch an die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf mit seinem Museen K20 und K21.

Ich freue mich auf die Eröffnung unseres KWM. Sebastian Peters

Ich bin gegen eine Umbenennung - der Name Kaiser-Wilhelm-Museum hat Tradition. Und internationalen Ruf. Unter einem neuen Namen nach so langer Schließung wieder anzutreten, das mag in der Region funktionieren. Die weitläufigere Kunstwelt ist ein trägerer Apparat. Ohne einen nachhallenden Marketing-Knall, der in Metropolen wie New York, London, Berlin möglich wäre (für Krefeld aber schon finanziell undenkbar!), ist es ein riskantes Unterfangen, einen neuen Namen zu etablieren.

Contra

Mit den Häusern Esters und Lange bildet das Kaiser-Wilhelm-Museum die Trias der Krefelder Kunstmuseen, die sich in der Kunst der Moderne mit dem Schwerpunkt nach 1945 seit vielen Jahren einen guten Namen weit über die Landesgrenzen hinaus erworben haben. Kaiser und Moderne - das ist kein Widerspruch, ebenso wenig wie klassizistisches Gebäude und zeitgemäße Funktionalität. Die Sanierung des Hauses wird das zeigen.

Nicht der Name, sondern das Museum soll mit Inhalt gefüllt und eine Attraktion werden. Als KWM hat sich das Haus ohnehin im Bewusstsein der Museumsgänger etabliert. Das klingt modern, ist aber zeitlos und authentisch. Es hält ein Stück Stadtgeschichte lebendig - unabhängig von der Person Wilhelm I. - Bürger haben den Bau finanziert und der Stadt geschenkt, auch um dem Kaiser ein Denkmal zu setzen. Aber es zeigt vor allem eine Tugend, auf die Krefeld noch immer stolz ist: bürgerschaftliches Engagement. Das macht den Namen weniger beliebig und austauschbar. Ein Neuanfang mit neuem Namen müsste in letzter Konsequenz alles kappen, was vor der Kunst der Moderne liegt. Angewandte und Werkkunst, Möbel und Bronzen aus dem 15. Jahrhundert sind nur ein Teil. Es gibt auch ein wundervolles Konvolut italienischer Renaissance-Kunst. Das alles ist hier kein Widerspruch. Ich freue mich auf die Wiedereröffnung. Petra Diederichs

Quelle: RP
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