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Leserforum Blitzer
Debatte um Standorte von Blitzern

Leserforum Blitzer: Debatte um Standorte von Blitzern
Raser sind im Visier der Polizei - immer noch ist überhöhte Geschwindigkeit die Todesursache Nummer eins im Straßenverkehr. Aber ist auch jede Blitzaktion in der Stadt wirklich nachvollziehbar, weil streng der Verkehrssicherheit dienend? FOTO: Christoph Reichwein
Krefeld. Die Meinungen unserer Leser gehen weit auseinander: Sie reichen von "Jeder Blitzer ist ein guter Blitzer" bis "Abzocke". Und es werden Standorte genannt, an denen die Tempo-Kontrollen wenig einleuchtend erscheinen. Von Jens Voss

Unser Bericht über den Protest eines Lesers gegen Tempokontrollen an einer Schule mitten in den Ferien hat eine muntere Debatte ausgelöst. Es gab Leser, die die Diskussion für Unfug halten und argumentieren, dass Tempo-Limits immer einzuhalten sind und natürlich der Verkehrssicherheit dienen; es gab auch Leser, die manchen Blitzer-Standort nicht nachvollziehen können. Wir dokumentieren die Debatte in Auszügen.

Martinstraße: Axel Schmidt-Wetter berichtet, er sei vor einigen Monaten auf der Martinstraße geblitzt worden. "Es handelt sich um eine wenig befahrene Straße ohne Schulkinder, auf der einen Seite der Friedhof, auf der anderen Seite einige Häuser. Sicher kein Unfallschwerpunkt, aber Zone 30. Auf meine Frage an das Ordnungsamt nach dem Sinn einer Geschwindigkeitskontrolle dort bekam ich zur Antwort: "An der Tatsache, dass Sie zu schnell gefahren sind, erkennen Sie ja die Notwendigkeit der Kontrolle." Glücklicherweise bin ich nur 35 gefahren, meiner Meinung nach angemessen. Es werden auf der Martinstraße immer wieder überflüssige und sinnlose Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt."

Kaiserstraße: Silke Krause berichtet, sie sei am 7.Juli 2016 um 19.32 Uhr auf der Kaiserstraße zwischen Gustav-Wilhelm-Straße und Tiergartenstraße (Zone 30) geblitzt worden. "Der Blitzer", schreibt sie, "stand also zwischen Waldorfkindergarten und Waldorfschule am Abend des EM-Halbfinalspiels Deutschland:Frankreich. Es ist mir nicht bekannt, dass Kitas bis 19.30 Uhr geöffnet haben, und auch an der Schule fand zu diesem Zeitpunkt keine Veranstaltung statt. Eine hochfrequentierte Turnhalle ist dort auch keine angesiedelt. Es würde mich also tatsächlich interessieren, welchen Grund die Stadt in diesem Fall ins Feld führen würde, um ihren Blitzer an dieser Stelle und um diese Uhrzeit zu rechtfertigen." Sie macht aus ihrem Unmut keinen Hehl und spricht von "Abzocke", ja von "Wegelagerei".

Schulen in den Ferien Ralf Manzel berichtet, die Stadt habe schon immer in den Ferien vor Schulen geblitzt. "Gebetsmühlenartig wird seitens der Stadt vorgetragen, dass es natürlich um die Verkehrssicherheit geht, im Fall der Gesamtschule Kaiserplatz ist dann günstigerweise auch noch eine Kirche vor Ort, deren Besucher man schützen muss." Selbst erlebt habe er Blitzer in den Ferien unter anderem vor der Edmund-ter-Meer-Schule oder, als es dort wegen einer jetzt geschlossenen Schule noch eine Tempo-30-Zone gab, auf der Kölner Straße in Höhe der Von-Ketteler-Straße. Manzel hält dieses Praxis für "Abzocke" und weist auf das Beispiel anderer Kommunen wie Neukirchen-Vluyn, wo sich unter dem Tempo-30-Schild vor einem Schulzentrum der Hinweis, dass diese Geschwindigkeitsbegrenzung nur bis nachmittags gelte (die Zeiten sind angegeben). "Jeder Verkehrspsychologe wird bestätigen: Für jeden Autofahrer erschließt sich der Sinn einer Geschwindigkeitsbegrenzung, und er wird eher das Tempo drosseln, wenn er den Sinn erkennt", betont Manzel. Er befürchtet für Krefeld, dass das Drosseln der Geschwindigkeit "nicht aus dem Bewusstsein einer Gefährdung und einem damit verbundenen Lerneffekt erfolgt, sondern nur aus der Sorge, man könnte geblitzt werden".

Autobahnabfahrt Berliner Straße: Ein Beispiel für wenig sinnvolles Blitzen ist für Ralf Manzel auch die Autobahnabfahrt von der A 57, die auf die Berliner Straße führt. Dort gilt Tempo 50. "Besucher der Stadt Krefeld werden wenige Meter nach der Autobahnabfahrt geblitzt, weil sie nicht Sekunden nach dem Verlassen der Autobahnabfahrt scharf auf 50 heruntergebremst haben. Der Bußgeldbescheid ist dann ein herzliches Willkommen der Stadt Krefeld."

St. Töniser Straße, stadtauswärts: Nina Reuschel findet, dass Blitzen auf der St. Töniser Straße stadtauswärts wenig sinnvoll ist. "Lieber sollte sie mehr an der Grundschule und am Gymnasium Horkesgath oder Schicksbaum blitzen! Da heizen sie nämlich manchmal durch, als gäbe es kein Morgen."

Hafelsstraße / Bahnübergang: Cornelia Kuhnert hat sich darüber geärgert, dass sie auf der Hafelsstraße kurz vor einem Bahnübergang geblitzt wurde; dort war Tempo 30. Sie hat gegenüber der Polizei geltend gemacht, sich unterm Strich angemessen verhalten zu haben. Die Schranke sei unten gewesen; sie habe ihren Wagen ausrollen lassen und nicht abrupt abgebremst, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Da die Geschwindigkeit aller gemäßigt war, sieht sie ihr Verhalten als verkehrlich angemessen an. Genutzt hat der Einspruch nichts; sie musste für geringfügige Tempoübertretung zehn Euro bezahlen.

Rather Straße / Erich-Klausener-Straße: Jörg Haetzold fragt, wie sinnvoll Blitzer-Aktionen auf der Rather Straße zur A 57-Überführung, Richtung Metro, sind. Unfallschwerpunkt, viele Passanten, insbesondere jüngere - all das träfe für diese Stelle kaum zu. Er vermisst hingegen Kontrollen auf der Erich-Klausener-Straße. Dort gelte Schrittgeschwindigkeit, und dort könne man Kinder und Enkel wegen der viel zu schnell fahrenden Autos nicht alleine auf die Straße lassen. "Gerade in den Morgen- und Abendstunden wird hier die erlaubte Geschwindigkeit fahrlässig weit überschritten", berichtet er. "Mit einer Geschwindigkeitskontrolle braucht man allerdings nicht zu rechnen, die gab es hier noch nie."

Kölner Straße / Eichhornstraße Über Facebook teilt uns eine Leserin ("El Ja") mit, sie finde Blitzer stadtauswärts auf der Kölner Straße, Richtung Autobahn, "unsinnig". Sinnvoller findet sie Kontrollen vor der Südschule und stadteinwärts wegen des Schutzes für Schulkinder, "das könnte ich verstehen". Kontrollen empfiehlt sie auch für die Eichhornstraße.

Heyenbaumstraße: René Kitzinger weist auf ein Tempo-Problem auf der Heyenbaumstraße in Höhe der Bäckerei hin; dort "könnte man gutes Geld machen, aber dort wird weder der ruhende noch fließende Verkehr überwacht". Hüttenallee / Husarenallee / Schönwasserstraße / Ostwall: Günter Paas hat gleich bei mehreren Straßen Zweifel an Blitzaktionen, weil er sich nicht vorstellen kann, dass dort Unfallschwerpunkte sind. Er listet neben der bereits genannten Rather Straße die Hüttenallee in Höhe des CHTC, die Husarenallee und die Schönwasserstraße auf. Zudem hält er Tempo-10-Regelung auf dem Ostwall in Höhe der Haltestelle Rheinstraße "für einen Witz". Er schlägt vor, Bürger mitentscheiden zu lassen, wo Tempo-30-Zonen eingerichtet werden.

Neben den konkreten Fällen und Stellen gibt es auch Beiträge mit grundsätzlichen Erwägungen. Kai Brockhoff zum Beispiel wendet sich via Facebook an die "Autofahrer in und aus Krefeld" und sagt klipp und klar: "Ein Tempolimit ist aus Rechtsgründen immer einzuhalten! Egal zu welcher Uhrzeit und wo." Er glaubt an die erzieherische Wirkung von Bußgeld: "Im Übrigen bin ich auch schon geblitzt worden, sogar innerorts, aber die 20 Euro habe ich gerne gezahlt. Ich wurde zum Glück daran erinnert, welche Auswirkung dies haben kann, auch in den Ferien!"

Florian Lux schreibt ebenso klipp und klar über Facebook: "Jeder Blitzer ist ein guter Blitzer, egal, wo er steht. Die Straßenverkehrsregeln sind dazu da, eingehalten zu werden - zum Schutze aller." Die Sinnhaftigkeit einzelner Regeln möge in den einschlägigen Gremien diskutiert werden, argumentiert er, "aber es kann nicht richtig sein, bei den Standorten danach zu differenzieren, ob sie in irgendeiner Weise berechtigt sind oder nicht. Wer sich an die Regeln hält, hat eh nichts zu befürchten." Bußgelder zahle man letztlich freiwillig, denn "keiner wird gezwungen, die Vorschriften zu brechen. Dementsprechend freue ich mich über jedes Bußgeld, das erhoben wird.

Dieter Müller hingegen findet die Diskussion der Standorte wichtig. "Es geht um die Verkehrssicherheit, aber auch um den sinnvollen Einsatz von Personal und Blitzern, die bei der überall in Deutschland bekannten Personalnot des Überwachungspersonals nahezu ausschließlich an bekannten Gefahrenstellen eingesetzt werden sollten", schreibt er bei Facebook. "Die Städte sollten dieses Thema mit großer Transparenz behandeln und ihre Bürger über die Blitzerstandorte informieren, wie es die Polizei in NRW vorbildlich umsetzt."

Quelle: RP
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