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Cd-Tipp Kassiopeia
Debüt-Album: Art-Rock mit frischem Atem

Krefeld. Das Krefelder Quartett punktet mit poetischen Texten, nichtalltäglichem Gesang und Melodik.

Neben der vor allem schwarz-amerikanisch gespeisten Rock-Musik gab es - vor allem in England in den 1970er Jahren - eine Strömung, getragen von klassik-beeinflussten Instrumental-Jongleuren wie Keith Emerson und Rick Wakeman, die von ihren Keyboards aus europäisches Erbe in die US-Musik schmuggelten. Für sie wurden die Begriffe "Progressive Rock" und "Art-Rock" geprägt. Gesang spielte eine eher nachgeordnete Rolle. Ganz anders bei Kassiopeia, einem Krefelder Quartett, das in den Jahren 2010/11 schon einmal Furore machte und nun, gründlich nachgereift, sein Debüt-Album "Cyclone" vorlegt.

Man pflegt die Erbschaft des Progressive Rock, konzeptionell im Focus aber steht die Sängerin mit ihren eigenen Texten, und die Musik folgt ihren Zeilen auf ähnliche Weise wie eine Gedichtvertonung. Dabei schöpft die aus Ägypten stammende Lina Farah nicht aus der Tradition ihrer Heimat. Nichts scheint sie mit der großen Oum Kalsoum zu verbinden. Auch sonst fällt es schwer, Parallelen mit bekannten Namen zu ziehen. An die Griechin Savina Yannatou könnte man denken, deren Gesang sozusagen ein gesamtmediterranes Kunstwerk unter Einbeziehung levantinischer und byzantinischer Elemente darstellt und diese bruchlos mit Jazz zusammenbringt. Setzt man anstelle des Jazz den "Art-Rock", hat man in etwa die Rezeptur, die Farahs Melodik und Phrasierung zugrunde liegt, und ihre Alt-Stimme ist ebenfalls alles andere als alltäglich. Dazu ausdrucksstarke Texte, die poetisch und doch ganz unschwülstig vom Bedeutungsverlust aller Zeichen, von emotionaler Agonie und von Antworten erzählen, die nicht mal wie einst nur im Winde wehen, sondern vermutlich niemals kommen werden. Und obwohl die Inhalte schwer wiegen, schwingt sich ihr Gesang oft auf wie ein großer Vogel und segelt in modulationsreichen, mitunter vom Text sich ganz lösenden Klängen über dem instrumentalen Grund. Den legt Farah teilweise selbst auf dem Piano, melodisch wird er aber vor allem von dem herausragenden Sebastian Roettger an E-Gitarre und Synthesizer geschaffen. Und was immer dabei an rhythmischen Überraschungen auftritt, wird von Malte Menzer am E-Bass und Till Menzer am Schlagzeug genial veredelt. Diese Band verleiht dem guten alten "Prog" wieder einen herrlich frischen Atem.

CD Kassiopeia, "Cyclone", Quasilectric QL 151218, www.kassiopeia-music.de,14 Euro.

(MoMe)
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